Berufliche Weiterbildung Embedded für jedermann

Einer von Dr. Tobias Schuberts PhD-Studierenden bei Arbeiten an der Smart MiniFab.
Einer von Dr. Tobias Schuberts PhD-Studierenden bei Arbeiten an der Smart MiniFab.

Tobias Schubert leitet das Weiterbildungsprogramm Intelligente Eingebettete Mikrosysteme (IEMS) an der Uni Freiburg. Ursprünglich als reiner Master konzipiert, kann sich heute jedermann online in »Maschinelles Lernen«, »Vernetzte eingebettete Systeme« oder »Mikrocontroller und FPGAs« einarbeiten.

Herr Dr. Schubert, bei Ihnen an der Uni Freiburg können nicht nur Hochschüler Intelligente Eingebettete Mikrosysteme studieren, sondern jeder, der damit beruflich konfrontiert ist. Wer nimmt teil?
Seit einigen Jahren lässt sich beobachten, dass »Industrie 4.0« und »Digitalisierung« die Nachfrage nach  Kursen wie »Maschinelles Lernen«, »Vernetzte eingebettete Systeme« oder auch »Mikrocontroller und FPGA-Systeme« steigen lässt. Unser Angebot richtet sich an Ingenieure und -Innen, Projektverantwortliche sowie Fach- und Führungskräfte, die bei sich und/oder ihrem Unternehmen einen Bedarf an aktuellem Forschungswissen und Methodenkompetenz sehen, um sich für zukünftige Herausforderungen zu rüsten. Während es bei Einzelkursteilnehmenden keinerlei weiteren Voraussetzungen gibt, müssen Studieninteressierte einen ersten Hochschulabschluss (Bachelor o.ä.) vorweisen sowie über mindestens ein Jahr Berufserfahrung verfügen. Bei unseren Studierenden handelt es sich überwiegend um IngenieurInnen aus den Bereichen Elektrotechnik, Maschenbau, Informatik, die sich auf dem Gebiet »eingebetteter Systeme« vertiefen wollen, während die EinzelkursteilnehmerInnnen häufig vor einer bestimmten beruflichen Herausforderung stehen - bspw. der Etablierung von »Echtzeitbetriebssystemen« im Unternehmen - und daher gezielt eine Weiterbildung auf dem entsprechenden Gebiet suchen.

Weiterbildung ist ein Megatrend, gerade im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Greifen Firmen für Ihre Mitarbeiter dadurch tiefer in die Tasche?
Einen deutlichen Anstieg sehen wir im Bereich der Weiterbildungskurse, während die Zahlen im Master eher auf einem hohen Niveau gleichbleibend sind. Meiner Meinung nach werden sich in den kommenden Jahren aber auch im Master IEMS die Zahlen merklich nach oben bewegen, viele Unternehmen stehen aktuell vielleicht noch eher am Anfang Ihrer Bestrebungen hin zu mehr Digitalisierung und Industrie 4.0. Sobald sich hier eine Firmenstrategie klarer herauskristallisiert hat, wird der Bedarf an entsprechend gut ausgebildeten Fachkräften, die insbesondere Querschnittswissen in den Bereichen Informatik, Cyber-Physical Systems, Security & Safety, Mikrosystemtechnik besitzen, aber rasant steigen. Hinsichtlich der Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen wird bei IEMS weit mehr als die Hälfte aller Kurse - egal ob Master oder einzelne Weiterbildung - aktuell immer noch von den Teilnehmenden privat bezahlt, wobei aber auch hier eine gesteigerte Bereitschaft der Unternehmen, sich an den Kosten zu beteiligen, unverkennbar ist. Hier ist es an uns, in den kommenden Monaten und Jahren die Unternehmensleitungen und Personalabteilungen von den Vorzügen und der schlichten Notwendigkeit von wissenschaftlicher Weiterbildung weiter zu überzeugen, ohne die die Firmen Gefahr laufen, bei der Digitalisierung den Anschluss an den »State-of-the-Art« zu verlieren.

Wie stellen Sie sicher, dass das Angebot technologisch immer am Puls der Zeit ist?
Zunächst richten wir stets ein Auge auf die »Qualitätssicherung«. Studierende sollen den Kurs und das vermittelte Wissen als für ihren Beruf gewinnbringend ansehen, Kursunterlagen auf dem aktuellen Stand der Forschung sein. Zudem behalten wir von IEMS durch Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen, insbesondere im Bereich der Digitalisierung und Industrie 4.0, auch immer ein Ohr am Puls der Zeit. So haben wir ganz aktuell am »Forum Safety & Security« der WEKA FACHMEDIEN teilgenommen, um uns selber ein Bild von den neuesten Trends rund um das hochaktuelle Thema »Sicherheit von Daten/Informationen/Anlagen« zu verschaffen. Weiterhin forschen wir auch selber im Bereich »Industrie 4.0« und haben erst kürzlich unseren eigenen Demonstrator im Miniaturformat, die sogenannte »Smart MiniFab«, auf einer internationalen Konferenz vorgestellt.

Der Studiengang ist berufsbegleitend - das bedeutet eine Menge Arbeitsaufwand, der sich am Ende auch monetär auszahlen sollte. Tut er das?
Das stimmt, auf die TeilnehmerInnen kommt neben ihrem Beruf noch der nicht unerhebliche Aufwand des Studiengangs bzw. der Weiterbildung hinzu: Im Vergleich zum klassischen Präsenzstudium gibt es beim Weiterbildungsprogramm IEMS inhaltlich keinerlei Abstriche. Wir versuchen aber, per Learning Management System, E-Lectures, Selbsttests, Übungsaufgaben sowie einer intensiver tutorieller Unterstützung die Studierenden bestmöglichst zu betreuen. Weiterhin bieten wir einen Leitfaden an, der darlegt, was beim Lernen passiert, wie gelernt werden kann und wie sich die Teilnehmern am besten das Pensum aufteilen, um am Schluss mit Erfolg die Prüfung zu bestehen. Der Erfolg gibt uns Recht, sowohl Abrecher- als auch Durchfallquote sind verschwindend gering. In meinen Augen liegt dies auch stark daran, dass die TeilnehmerInnen sich im Vorfeld intensiv mit dieser Form der Weiterbildung und dem damit einhergehenden, zu leistenden Aufwand beschäftigt haben, sich dafür entschieden haben und wissen was auf sie zukommt. Unseren Erfahrungswerten nach zahlt sich das auch durchaus auch im beruflichen Umfeld der TeilnehmerInnen aus. So hat uns bspw. zuletzt ein Einzelkursteilnehmer berichtet, dass er sich aufgrund seiner Weiterbildung sich ein neues »Standing« erarbeiten konnte und seitdem an herausfordernderen Projekten mitwirkt. Mittelfristig dürfte sich eine Weiterbildungsmaßnahme somit auch finanziell für unsere TeilnehmerInnen lohnen.

Am Ende winkt der Master in Embedded Systems – machen Ihre Teilnehmer dann Karriere?
Wie erwähnt, kann ein höherer Abschluss genau wie ein erfolgreich beendeter Weiterbildungkurs eine Eintrittskarte zu neuen beruflichen Herausforderungen sein. Im Rahmen des Masterstudiums sehen wir bspw., dass die meisten Studierenden ihre Masterarbeit im jeweiligen Unternehmen bearbeiten: In der Regel beschäftigen sich sich dabei mit Themen, die ansonsten - mangels (Wo)Men-Power - oftmals nicht so hoch priorisiert sind, den Unternehmen aber eigentlich »unter den Nägeln brennen«. An dieser Stelle eröffnet sich unseren Studierenden die Möglichkeit, an einem aktuellen und für das Unternehmen wichtigem Projekt zu arbeiten, und so ihre Position im Unternehmen und ihre Karriere im Allgemeinen voranzutreiben.

Den Studiengang »Intelligente Eingebettete Mikrosysteme« gibt es seit 2007 – er feiert also dieses Jahr zehnjähriges Jubiläum. Ursprünglich war er als reiner Master-Studiengang konzipiert worden, doch angesichts der steigenden Nachfrage nach einzelnen Weiterbildungsmaßnahmen im Embedded-Bereich und nach Online-Kursen wurde er für jedermann geöffnet. Seit 2009 können alle Angebote und Veranstaltungen des Studiengangs nicht nur als Teil des Masters, sondern auch als einzelne Zertifikatskurse belegt werden. Innerhalb der einzelnen Kurse wird nicht zwischen Studierenden und Einzelkursteilnehmern differenziert, der Unterschied besteht lediglich darin, dass Studierende den erfolgreichen Abschluss eines Kurses für den Master angerechnet bekommen, während Einzelkursteilnehmer ein Zertifikat der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg erhalten.
Dieses Vorgehen hat auch den Vorteil, dass EinzelkursteilnehmerInnen, die sich für den Master IEMS entscheiden, Ihre bereits erfolgreich absolvierten Kurse voll angerechnet bekommen. Im Jahr 2015 wurde das Weiterbildungsprogramm - zusammen mit den Kooperationspartnern von der DHBW Lörrach - mit dem »Weiterbildungspreis Baden-Württemberg HochschuleWirtschaft« ausgezeichnet.