Arbeitsmarkt Sensorik und Messtechnik Abgehängt 

Dr. C. Thomas Simmons, AMA Verband für Sensorik und Messtechnik: »Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der verbauten Sensoren alle fünf Jahre verdoppelt. Durch Industrie 4.0 könnte sich diese Zahl nochmals rasant erhöhen.«
Dr. Thomas Simmons, AMA Verband für Sensorik und Messtechnik.

Die Sensorik- und Messtechnik-Branche befindet sich auf der Überholspur. Doch AMA-Geschäftsführer Dr. Thomas Simmons macht sich Sorgen: »Die kleineren Unternehmen steuern auf einen Fachkräftemangel zu, aber wir tun zu wenig dagegen«

Vom Wandel zur smarten, digitalen Welt profitiert die Sensorik-Branche unmittelbar. Auch die fortschreitende Digitalisierung bezeichnen 88 Prozent der Mitglieder des AMA Verbands für Sensorik und Messtechnik als »Chance«. Umsatz, Exporte, Investitionen - alles kennt seit Jahren nur eine Richtung: nach oben.

Benötigt werden innovative Sensoren für innovative Anwendungen, »Industrie 4.0 drängt sich uns ja förmlich auf«, sagt AMA-Geschäftsführer Dr. Thomas Simmons. Mit Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: »Seit zwei Jahren ist der Bedarf der Mitglieder unseres Verbands an Ingenieuren kontinuierlich am steigen!«

Aber wohlgemerkt, sie sind nicht die einzigen, die Sensorik-Spezialisten benötigen. 

Für die letzten beiden Jahren hat die Metasuchmaschine Joblift exklusiv für Markt&Technik 2.214 bundesweit ausgeschriebene Ingenieur-Jobs mit Merkmal Sensorik ermittelt - bei einem durchschnittlichen monatlichen Job-Wachstum von 4 %. Der Fokus liegt dabei auf Automotive (23 %) und - mit Abstand - auf Medizintechnik/Healthcare (mit 4 %). Weit am häufigsten gesucht: Ingenieure und Softwareentwickler mit Master-Abschluss, am meisten in Stuttgart und München.

Nimmt man jetzt noch die Zahlen von Jobfeed/Textkernel hinzu, Spezialist für semantisches Recruiting, dann wird das Dilemma klar: Auf Anfrage von Markt&Technik hat Sandra Petschar von Textkernel das Job-Jahr 2016 im Bereich 'Ingenieur/Sensorik' exportiert. Und insgesamt in diesem Zeitraum 5.543 duplikat freie Jobs gefunden. 

Die Job-Schwerpunkte für Sensorik sitzen auch hier in Bayern und Baden-Württemberg. Und saugen hier den Arbeitsmarkt leer: Continental, SAP, Bosch, Sick, Valeo sowie die Dienstleister ESG und OSB. Fast 47 Prozent der Suchanzeigen entfallen zudem auf Ingenieurdienstleister, meist wiederum im Auftrag für diese großen Namen. 

Und der Mittelständler im Schwarzwald oder Roding? Kriegt keine Leute, kümmert sich aber auch nicht um Personalmarketing, weiß Simmons. »Und das macht mir ernsthaft Sorgen«. 

Denn anders als Kritiker, die den Fachkräftemangel so häufig in Zweifel ziehen, weiß er um die Schwierigkeiten der gut 500 AMA-Mitglieder, aus dem Schatten der Platzhirsche als in Frage kommender Arbeitgeber hervorzustechen. Zumal die großen KMUs fast alle umfangreich in ihr Personalmarketing investieren und sogar Preise abräumen, wie zuletzt wieder Sick bei Greatplacetowork. »Deren Bewusstsein für Personalmarketing ist einfach weiter gesteckt«, seufzt Simmons. 

Denn da geht er angesichts der letzten Arbeitsmarkt-Studie (Tenor: »Deutschland benötigt im Zeitraum von 2016 bis 2026 rund 100.000 Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik mehr, als hierzulande ausgebildet werden.«) mit dem VDE konform: der Zusatzbedarf an Ingenieuren infolge der Digitalisierung kann aus heutiger Sicht von der Industrie nicht gedeckt werden. Und noch weniger von den Klein- und Mittelständischen Unternehmen.    

Wenigstens in Sachen Weiterbildung scheint im Verband ein Umdenken stattgefunden zu haben, dass es ohne eigene Anstrengung nicht geht. »Unsere Angebote im Rahmen der AMA Weiterbildung werden rege nachgefragt und wir registrieren einen steigenden Bedarf, denn Hardware und Software ist nicht mehr zu trennen«, sagt Simmons. 

Die Weiterbildung geht daher in beide Richtungen: Hardware-Spezialisten bauen Software-Know-How auf, Software-Spezialisten wollen hardwarenah arbeiten können. Nicht umsonst ist der Mechatroniker ein häufig gesuchtes Profil unter den Fachkräften. 

Physiker Simmons registriert vor dieser Bereitschaft zur Weiterbildung eine steigende Beliebtheit von Physikern, die vor ein paar Jahren nach dem Uni-Abschluss noch zu den Problemfällen am Arbeitsmarkt gezählt wurden, weil man die Generalisten nicht so recht einzusetzen wusste. »Heute werden sie gerne genommen!«