Leserreaktionen zum Thema »Ingenieure und Zeitarbeit« »Es ist insgesamt ziemlich frustrierend«

Personaldienstleister schreiben laut einer aktuellen Auswertung von Print- und Online-Stellenzeigen inzwischen mehr Stellen für Elektroingenieure und -fachkräfte aus als die Industrie selbst. Woran liegt das? Zwei Leserbriefe erreichten uns zum Thema.

Meine Vermutung im karriere.elektroniknet-Editorial vom 31.3.2015: Personaldienstleister sind ein bequemer Recruiting-Kanal geworden. Unternehmen stellen Externe vom Dienstleister befristet ein, um sie ausgiebig zu testen und sie nur bei Gefallen fest zu übernehmen. Der »Fachkräftemangel« samt aller Kosten wird somit an die Dienstleister weitergereicht.

Für Ingenieure bedeutet das, dass sie mit einem »standardisierten Know-how-Profil« (Zitat Karriereberaterin Svenja Hofert) eher austauschbar sind. Softskills und der »Nasenfaktor« entscheiden darüber, ob es zum »Klebeeffekt« kommt und man irgendwann fest vom OEM-Kunden übernommen wird.

Leser K.M. , der gerne anonym bleiben möchte, aber namentlich der Redaktion bekannt ist, schrieb dazu folgenden Brief:

»Das kann ich Ihnen nur bestätigen. Es ist sogar so weit, dass Firmen nur noch exklusiv über bestimmte Personaldienstleister rekrutieren. Personaldienstleister drücken dann die Preise und spielen Bewerber gegenseitig aus, so dass man bei ruinösen Stundensätzen ankommt. Das gilt übrigens auch, wenn man auf Projektbasis bereits bei einem Kunden war und dieser auch sehr zufrieden war. Ich vermute, dass es hier bereits einen festen Vertrag zwischen Personaldienstleister und Endkunde gibt und die Endkunden sogar die eigene Personalabteilung dadurch outsourcen. Es ist insgesamt ziemlich frustrierend.«

Ein anderer Leser meldete sich mit folgenden Zeilen zu Wort: »Mein Hintergrund: Ich arbeitete 10 Jahre bei einem internationalen Automobilzulieferer mit Rekrutierung von mehr als 50% über Zeitarbeitsfirmen-Firmen und hatte den Schreibtisch gegenüber meinem Chef, der mit den Einstellungen betraut war. Heute habe ich noch Kontakt zu den entsprechenden Kollegen sowie sieben Monate Erfahrung als »Kunde« der Arbeitsagentur mit ca. 20-30 Kontakten zu Zeitarbeitsfirmen du damit zusammenhängenden Bewerbungsgesprächen.

Aus eigener Erfahrung (Auftraggeber- wie Bewerberseitig und aus meinem Bekanntenkreis) stellt sich mir die Situation so dar: Eine Zeitarbeitsfirma arbeitet mit »Kalkulationsfaktor zwei«, d.h. ihr »Gehalts-Stundensatz« ohne Arbeitgeberanteile an der Sozialversicherung (entsprechend Jahresbrutto / ca. 1600h) ergibt sich aus dem Stundensatz, den der Auftraggeber zahlt, geteilt durch zwei.

Von den Auftraggeber-Zahlungen landen also insgesamt ca. 60% beim Zeitarbeiter, 40% bei der Zeitarbeitsfirma. Das mittlere Risiko von Krankheitstagen dürfte in dieser Kalkulation schon enthalten sein.

Die Vertragsangebote sind unbefristet. Das ist auch kein Problem, denn bei Kündigung durch den Auftraggeber ist die betriebsbedingte Kündigung des Zeitarbeiters problemlos möglich.

Die Obergrenze des Zeitarbeiter-Gehaltes wird von den Zeitarbeitsfirmen mit der Gehaltsstruktur beim Auftraggeber und Vorgaben durch diesen gerechtfertigt.

Eigentlich wurde aber nur über den Stundensatz verhandelt, der Druck auf das Zeitarbeiter-Gehalt dient der Aufrechterhaltung des »Kalkulationsfaktor zwei«.

Gehaltsanpassungen werden von Zeitarbeitsfirmen auch nach mehrjähriger Tätigkeit abgelehnt, sie setzen laut Eigenaussage angeblich die Durchsetzung eines höheren Stundensatzes voraus, was in der Regel nicht möglich sei.

Ich kenne keinen Zeitarbeiter (von mindestens fünf), der auch nach mehrjähriger sehr zuverlässiger Tätigkeit eine freiwillige Gehaltsanpassung von seiner Zeitarbeitsfirma bekommen hat.

Zeitarbeitsfirmen reagieren nur, wenn sie befürchten müssen, dass der Mitarbeiter woanders anheuert und mit Kündigung droht.

Man muss also schon eher flexibel und auf dem Arbeitsmarkt attraktiv sein, um überhaupt eine Gehaltsanpassung durchsetzen zu können. Für die Altersgruppe Ü45 bedeutet das ein quasi dauerhaft eingefrorenes Gehaltsniveau.

In meinem unmittelbaren Umfeld wurden auch schon Direkteinstellungen, die sich dann zum Teil auch als Fehlschlag erwiesen haben, an langjährig bewährten Zeitarbeitern vorbei vorgenommen.

Man hat weiterhin erkannt, dass Leistungsträger auf Druck besser reagieren und mehr Ergebnis abliefern können. Deshalb bleiben Leistungsträger (aus Sicht des Auftraggebers, Anm. d. Red.) besser im prekären Vertragsverhältnis bei der Zeitarbeitsfirma.