Standortstudie Deutschlands kleine große Tech-Zentren

Der Fachkräftemangel bringt Tech-Firmen dazu, sich in Städten mit exzellenten Universitäten anzusiedeln.
Der Fachkräftemangel bringt Tech-Firmen dazu, sich in Städten mit exzellenten Universitäten anzusiedeln.

Es muss nicht immer München sein. Eine neue Studie zeigt, dass die Tech-Zentren der Zukunft in den kleineren Städten liegen.

Die deutsche Industrielandschaft wird traditionell von Technologieunternehmen geprägt. Aber wo befinden sich die Tech-Zentren des Landes außerhalb der wachsenden Großstädte? Dieser Frage ist die Jobplattform Joblift nachgegangen.

Laut ihrer Auswertung sind die Top 10 Tech-Zentren mit unter 500.000 Einwohnern:

  1. Karlsruhe
  2. Aachen
  3. Ingolstadt
  4. Jena
  5. Regensburg
  6. Erlangen
  7. Bonn
  8. Mannheim
  9. Ulm
  10. Darmstadt

Zur Bewertung wurden 17 Millionen Stellenanzeigen der letzten zwei Jahre ausgewertet. Dabei zog Joblift mehrere Faktoren heran, darunter das Stellenwachstum der Technologiebranche und der Anteil von Ausschreibungen technischer Jobprofile, wie IT-Experten oder Ingenieursberufe, an den gesamten Inseraten eines Standorts. Zusätzlich wurde die Qualität der technischen Lehre vor Ort betrachtet. Auch das Wachstum der kleinen Tech-Zentren wurde betrachtet.

Kleinere Tech-Zentren wachsen schneller

Neun der zehn am stärksten wachsenden Technologiestandorte in Deutschland haben weniger als 500.000 Einwohner, nur Dresden mit rund 535.000 Einwohnern landet auf dem zweiten Platz.

Allerdings scheint ansonsten vor allem Süddeutschland von diesem Wachstum zu profitieren, denn sechs der zehn High-Tech-Städte liegen in Baden-Württemberg oder Bayern. Einzig die thüringische Stadt Jena vertritt die neuen Bundesländer im Ranking und gehört neben Erlangen mit nur rund 100.000 Einwohnern gleichzeitig zu den kleinsten Technologiestandorten.

Technologiestandorte korrelieren mit Tech-Lehre

Warum aber siedeln sich High-Tech-Unternehmen in genau diesen Städten an? Neben steigenden Mieten und Grundstückpreisen in allen deutschen Großstädten dürfte ein weiterer Grund immer wichtiger für die Standortwahl werden: Der zunehmende Kampf um begehrte Fachkräfte.

Die lokale Nähe zu Universitäten mit hoher technischer Lehrqualität bietet im besten Fall Zugang zu einem großen Angebot an hochqualifizierten Absolventen – in sechs der zehn Tech-Zentren aus dem Joblift-Ranking steht auch eine der 500 besten Universitäten weltweit in der Kategorie Engineering and Technology.

Des Weiteren gehen aus Universitäten mit entsprechend fördernden Lehrangeboten, wie Professuren für Entrepreneurship, oft Ausgründungen und Start-ups hervor, deren Gründer sich häufig noch während ihres Studiums oder kurz danach für einen Unternehmensstandort in der Nähe ihrer Alma Mater entscheiden.

So belegen beispielsweise die drei meistausschreibenden Tech-Städte Karlsruhe, Mannheim und Bonn auch die Plätze eins bis drei der Städte unter 500.000 Einwohner mit den meisten offenen Stellen in Start-ups.