Selbstmotivation als Schlüsselkompetenz Der Top-Mitarbeiter von morgen

Deutsche Beschäftigte gehen mit Lust und Freude zur Arbeit
Heute müssen Mitarbeiter sich selbst motivieren können, auch wenn es Probleme gibt.

Mitarbeiter von Unternehmen sind heute immer wieder mit neuen Anforderungen konfrontiert. Deshalb brauchen gute Mitarbeiter mittlerweile andere Fähigkeiten als früher. Es zählen nicht mehr nur die Team-, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, sondern auch die Fähigkeit zur Selbstmotivation.

Was unterscheidet einen sehr guten Mitarbeiter von einem durchschnittlichen? Wer in seinem Beruf Spitze sein möchte, braucht das nötige Fachwissen. Denn ohne dieses kann weder ein Schreiner Möbel bauen, noch ein IT-Spezialist Software entwickeln.

Doch Fachwissen allein genügt in der Regel nicht, um beruflich erfolgreich zu sein. »Berufstätige agieren nicht im luftleeren Raum«, betont Prof. Dr. Karl Müller-Siebers, Präsident der Fachhochschule für die Wirtschaft (FHDW), Hannover. »Sie sind ein Teil einer Organisation.« Also müssen sie mit anderen Menschen kooperieren und harmonieren. Das setzt gewisse Fähigkeiten voraus. Doch welche?

Das hängt auch von der Struktur der Betriebe und deren Arbeitsorganisation ab, erklärt der Managementberater Hans-Peter Machwürth, Visselhövede. So waren zum Beispiel in den sehr hierarchisch strukturierten Betrieben, die bis vor knapp 20 Jahren die Unternehmenslandschaft prägten, primär die klassischen Sekundärtugenden – auch preußische Tugenden genannt – gefragt. Die Mitarbeiter sollten pünktlich und fleißig sein sowie gewissenhaft und zuverlässig ihre Aufgaben erfüllen.

Anforderungen ändern sich schneller

Jahrzehntelang funktionierte dieses System. Doch irgendwann kamen die Unternehmen laut Aussagen des Organisationsberaters Klaus Doll, Neustadt an der Weionstraße, zur Erkenntnis: »Wenn wir uns weiter verbessern wollen, müssen wir die Arbeit neu strukturieren.« Also begann vor circa 20 Jahren der Siegeszug der Team- und Projektarbeit. Das heißt, statt einzelnen Mitarbeitern Teilaufgaben zu übertragen, wurden nun an Mitarbeitergruppen ganze Aufgabenkomplexe delegiert.

Das wirkte sich auf die Anforderungen aus. »Teamfähig soll unser Mitarbeiter sein«, lautete fortan eine Standardanforderung in Stellenanzeigen. Und zudem sollten die Neuen kommunikativ und konfliktfähig sein. »Denn wenn mehrere Mitarbeiter gemeinsam eine Aufgabe erfüllen, besteht ein größerer Abstimmungsbedarf. Zudem gibt es mehr Reibungspunkte«, erklärt Doll.

Entsprechend boomten Team- und Projektmanagement- sowie Kommunikations- und Konfliktmanagementtrainings. Heute ist die Team- und Projektarbeit in den meisten Unternehmen »gängige Praxis«, erläutert Prof. Müller-Siebers. Dafür gewinnen neue Themen an Bedeutung. Denn aufgrund der Globalisierung und des rasanten technischen Fortschritts stehen die Unternehmen unter einem enormen Veränderungsdruck. Die Mitarbeiter müssen immer häufiger ihre Denk- und Verhaltensmuster veränderten Rahmenbedingungen anpassen.

Mitarbeiter als »Selbstentwickler«

Hieraus resultiert ein immenser Lernbedarf – ein Bedarf, der »mit zentral organisierten Qualifizierungsmaßnahmen allein nicht mehr gedeckt werden kann«, erklärt Werner Ollechowitz, Bereichsleiter Personal bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. »Dafür ist der Lernbedarf zu individuell und zu verschieden.« Also muss das Lernen ein Teil des Arbeitsalltags werden. Die Mitarbeiter müssen ihre Entwicklung selbst in die Hand nehmen – unterstützt von ihren Vorgesetzten. Sie müssen sozusagen Selbstentwickler werden, um begehrte Arbeitskräfte zu bleiben.

Das setzt mehrere Fähigkeiten voraus. Die Mitarbeiter müssen lernen, eigene Lernprozesse zu organisieren; außerdem sich zum Lernen zu motivieren – auch wenn es mal nicht auf Anhieb klappt. Diese Fähigkeit zur Selbstmotivation wird in der modernen Arbeitswelt zu einer Schlüsselkompetenz. Davon ist Martin Baltes, Gruppenleiter Recruiting beim DAX-Konzern Merck in Darmstadt überzeugt. »Je eigenständiger und -verantwortlicher die Mitarbeiter arbeiten und je häufiger sie vor neuen Herausforderungen stehen, umso öfter geraten sie an den Punkt, dass sie zunächst das Gefühl haben: Das kann ich nicht.« Doch laut Berater Machwürth wird von Arbeitnehmern heute erwartet, dass sie nicht unmittelbar die Flinte ins Korn werfen, sondern sich fragen »Unter welchen Voraussetzungen könnte ich die Aufgabe doch lösen?« und einen Versuch wagen.

Kernkompetenz »Zuversicht und Gelassenheit«

Das setzt voraus, dass die Mitarbeiter die erforderliche Grundzuversicht »Irgendwie schaffe ich das schon« entwickeln, um neue Aufgaben beherzt anzugehen. Doch dies allein genügt laut Klaus Doll nicht: »Die Mitarbeiter müssen auch lernen, ihre Gedanken und ihr Verhalten zu steuern.« Das heißt, sie dürfen bei neuen Herausforderungen zwar durchaus zunächst innerlich fluchen, doch nach einiger Zeit sollten sie denken »Das gehört eben zu meinem Job« und »So schlimm, wie es erscheint, wird es schon nicht werden« und sich zum Handeln durchringen.