Kommentar: Immenser Schaden für Infineon Cree lässt Wolfspeed-Deal platzen

Bald gehört der Campeon -- zumindest zu 93 % -- Infineon selbst, die seit dem Bezug Mieter waren.
Auf dem Infineon-Hauptsitz wird die Stimmung nach der geplatzten Wolfspeed-Übernahme nicht gut sein.

Was sich letzten Donnerstag schon abzeichnete und auf der Infineon-Hauptversammlung gestern verfestigte, ist nun eingetreten: Cree hat den Verkauf seiner Tochter Wolfspeed an Infineon gestoppt. Infineon muss nun 12,5 Mio. Dollar Vertragsstrafe zahlen. Der Schaden für Infineon ist aber viel höher.

Wie die DESIGN&ELEKTRONIK von der gestrigen Hauptversammlung berichtete, hatte Infineon-CEO Dr. Reinhard Ploss nur noch wenig Hoffnung, dass die Übernahme des SiC-Pioniers Wolfspeed noch gelinge. Auf ihrer Webseite machte die Wolfspeed-Mutter Cree gestern abend nun öffentlich, dass der 850-Millionen-Dollar-Deal geplatzt sei. Grund dafür ist, dass beide Unternehmen keine Alternativen identifizieren konnten, welche die nationalen Sicherheitsbedenken des Ausschusses für ausländische Investitionen in den Vereinigten Staaten (CFIUS) adressiert hätten. Denn Wolfspeed bedient auch militärische Anwendungen. Infolgedessen wird die vorgeschlagene Transaktion nun beendet.

Für Infineon ist dies ein herber Rückschlag in seiner strategischen Weiterentwicklung, denn Wolfspeed hätte aus zwei Gründen deren Produkt- und Know-how-Portfolio quasi ideal ergänzt. Erstens ist es der direkte Zugriff auf die Produktion von SiC-Rohwafern. Anders als bei Silizium ist die Herstellung von Rohwafern aus Siliziumkarbid nur wenigen Spezialisten vorbehalten und daher sehr teuer. Einer dieser Spezialisten ist Cree, und über Wolfspeed hätte Infineon die komplette Lieferkette von der Herstellung der Rohwafer bis zum SiC-MOSFET unter Kontrolle gehabt. Das betrifft zum einen die Liefersicherheit an sich, aber auch die Weiterentwicklung der Rohwafer. Nun muss sich Infineon wieder auf dem freien Markt nach SiC-Rohwafern umsehen, wobei sie wenig Einfluss auf deren Preis, Qualität und Lieferkonditionen haben.

Im japanischen Kyoto bei Rohm hat der geplatzte Deal höchstwahrscheinlich große Erleichterung ausgelöst. Rohm gilt als der große Rivale von Infineon im SiC-Sektor und hat neben Wolfspeed als einziges Unternehmen die komplette Lieferkette unter Kontrolle.

Zweitens geht Infineon eine Menge Know-how flöten. Zwar werde man laut Dr. Ploss bei HF-Anwendungen weiterhin Kunde bei Wolfspeed bleiben und bei den Materialien bei Cree. Aber natürlich werde es Verzögerungen bei der Time-to-Market geben, weil man viele Dinge jetzt selbst entwickeln müsse. Das betrifft wohl besonders die HF-Anwendungen, aber auch im Power-Bereich kann Wolfspeed auf viele Jahre Felderfahrung zurückblicken, die Infineon jetzt nicht zur Verfügung stehen wird.

Wie wirkt sich die gescheiterte Übernahme auf Cree und Wolfspeed aus? Aus meiner Sicht können bede Unternehmen gelassen in die Zukunft blicken. Nach Aussage von Chuck Swoboda, dem CEO von Cree, werde sich das Unternehmen wieder auf das Wachstum des Wolfspeed-Geschäfts fokussieren. Er glaube, dass eine Investition auch in diesen Unternehmensbereich den größten Wert für die Cree-Aktionäre schaffen werde.

Summa summarum hat Infineon viel verloren, Gewinner ist höchstwahrscheinlich Rivale Rohm.