Infineon Hauptversammlung 2017 »Digitalisierung kennt keine Grenzen«

Auf der Hauptversammlung 2017 präsentierte CEO Dr. Reinhard Ploss das Geschäftsjahr 2016 als eine einzige Erfolgsgeschichte – wenn es nur den Schönheitsfehler »Wolfspeed« nicht gegeben hätte. In Richtung USA fand Ploss mahnende Worte.

Mit „Mehr Umsatz, ein besseres Ergebnis, eine höhere Dividende“ überschrieb Ploss seine Rede auf der diesjährigen Aktionärsversammlung im Münchener Kongresszentrum. Tatsächlich konnte der deutsche Chip-Hersteller im abgelaufenen Geschäftsjahr in einem stagnierenden Halbleitermarkt 12 % Umsatzwachstum auf 6,473 Mrd. Euro verzeichnen und dabei einen Gewinn von 982 Mio. Euro erwirtschaften. Die Dividende stieg auf 22 Cent/Aktie, dies sind 120 % mehr als noch 2010.

Stellte die in der Folge heftig kritisierte Aussage von Ex-CEO Peter Bauer im Jahr 2011, eine Marge von 15 % anzustreben, damals eine hohe Bürde für Infineon dar, hat sich die wirtschaftliche Situation mittlerweile so verbessert, daß der Vorstand die Zielmarge auf 17 % angehoben hat. So ändern sich die Zeiten.

„Welt wird digitaler und elektrischer“

Um den Aktionären die Auswirkungen von Infineons Produkten auf die Gesellschaft zu verdeutlichen, stellte Ploss eine intelligente LED-Straßenlaterne vor, die das Licht nach Bedarf regelt, d.h. wenn Autos und Menschen vorbeikommen, heller leuchtet. Daneben teilt sie mit, wenn der Parkplatz unter ihr frei ist, um Autofahrern zu helfen, die einen Parkplatz suchen. Last but not least dient sie als Ladestation für E-Fahrzeuge. Ausgestattet ist die Lampe mit Radarsensoren, MCUs und Leistungshalbleitern von Infineon.

Ein NFC-Ring am Finger (Bild 1) ermöglicht das drahtlose Bezahlen, das mit einem Sicherheitschip von Infineon ausgestattet ist. Dieser ist wasser- und schmutzresitent und wurde erstmals von Sportlern bei den olympischen Spielen in Rio ausprobiert. Die Stromversorgung erfolgt über eine kleine Antenne, über welche vom Lesegerät induktive Übertragung erfolgt.

Im Bereich Elektromobilität stellte Ploss aus deutscher Sicht erstaunliche Zahlen vor: In China wurden über ein halbe Million Autos verkauft (+50 % mehr als 2015), im zweitgrößten Markt USA mit 157.000 Autos 38 % mehr als im Vorjahr. In diesem Kontext erläuterte Infineons CEO, daß die Akquisition des niederländischen Lidar-Spezialisten Innoluce die Kompetenz der Sensorik im Auto weiter steigern werde. Ploss pries im Kontext des Automobilmarktes auch die langjährige Partnerschaft zu Hyundai, seit 10 Jahren wird ein gemeinsames Entwicklungszentrum in Seoul betreiben.

„Ganz erhebliches Risiko für Wolfspeed-Übernahme“

Nur 2 Minuten spendete Ploss der geplanten Übernahme von Wolfspeed. Laut seiner Aussage hat die Behörde CFIUS (Comittee on foreign Investment in the United States), welche die Übernahme als Risiko für die nationale Sicherheit eingestuft hatte, keine geeigneten Maßnahmen genannt, die die Bedenken der Behörde in zufriedenstellender Weise entkräften könnten.

Ploss erklärte vielmehr, daß ein „ganz erhebliches Risiko“ besteht, daß die „Übernahme nicht wie geplant oder sogar überhaupt nicht durchgeführt werden kann“. Auf die Frage, “ob sich die Übernahme erledigt habe”, antwortete Ploss, daß die Wahrscheinlichkeit für den Deal “sehr gering sei”. Auch ein möglicher Erfolg eines “modifizierten Deals” sei sehr zweifelhaft. Bei HF-Anwendungen werde man weiterhin Kunde bei Wolfspeed bleiben und bei den Materialien bei Wolfspeed-Mutter Cree. Es werde natürlich Verzögerungen bei der “time to market” geben, weil man viele Dinge jetzt selbst entwickeln müsse. Die technische Kompetenz dafür sei im Hause vorhanden.

Unabhängig davon stellte der CEO die Wichtigkeit von Verbindungshalbleitern für Leistungselektronik und Hochfrequenzanwendungen heraus. Am Beispiel der zukünftigen LTE-Infrastruktur 5G erklärte Ploss, daß Frequenzen von bis zu 80 GHz erforderlich seien, während heute „nur“ 1 GHz erreicht werden.

Was zukünftige Akquisitionen angeht, erklärte Ploss, daß die technologisch führenden Firmen immer noch in den USA sitzen und es in Asien und Europa derzeit keine Optionen gibt. Ansonsten wiederholte er die schon bekannten Kritieren für interessante Übernahmekandidaten.

Durch den Kauf von NXP durch Qualcomm erwartet Infineon innerhalb von 3 Jahren eines größeren Wettbewerb bei der Mobilfunk-Infrastruktur und bei Sicherheitslösungen für Smartphones. Auswirkungen durch den Brexit wird es nach Vorstandseinschätzung keine geben – Punkt.

„Nachhaltige Lösungen nur bei Zusammenarbeit“

Am Ende seiner Rede wurde Ploss politisch: Er warb nachhaltig für eine Zusammenarbeit aller Regionen der Welt und sagte, „nationale Alleingänge oder gar Abschottung sind keine Antwort auf globale Probleme“. Der Infineon-Chef erklärte, daß Internet habe die Welt vernetzt und „die Digitalisierung kennt keine Grenzen mehr.“ Der nächste Kontinent sei in der digitalen Welt nur ein Mausklick entfernt. Infineon unterstützte ohne wenn und aber den freien Welthandel, da der typische Halbleiter-Chip in seiner Herstellungsgeschichte rund 2x um die Welt reise.

Um die Digitalisierung erfolgreich zu gestalten, müsse es neue Angebote für Bildung und Qualifizierung geben, um die Begeisterung für Innovationen zu entfachen, müssten aus allen gesellschaftlichen Bereichen Impulse kommen, so der Appell von Ploss am Ende seiner Rede.

Es wäre zu schön, um wahr zu sein.