Continental setzt auf Industrie 4.0 »Wir denken Out-of-the-Box«

Dr. Markus Fischer, Continental: »Die künstliche Intelligenz ist innerhalb von Continental ein zentrales Thema im Rahmen der Entwicklung der Mobilität. Wir stehen daher in engem Austausch mit Kollegen verschiedener IT- und R&D-Gruppen. Es laufen derzeit Pilotstudien und wir arbeiten daran, das Thema so zu vernetzten, dass wir das Rad nicht neu erfinden, sondern uns innerhalb der Continental-Gruppe dazu austauschen.«

Warum Industrie 4.0 Teil der Unternehmensstrategie von Continental ist und welchen Mehrwert kollaborative Robotik, 3D-Druck und Big Data für die Fertigung bringen, erläutern Dr. Hans-Jürgen Braun, Head of CEP, und Dr. Markus Fischer, Head of Industrial Engineering, Continental, Regensburg.

Mit 30 Standorten sind die Central Electronic Plants von Continental – kurz CEP – eine der größten Automotive-Elektronikfertigungen weltweit und spielt auch bei Industrie 4.0 ganz vorne mit.

Markt&Technik: Was heißt Industrie 4.0 für die Elektronikwerke von Continental?

Dr. Braun: Industrie 4.0 hat für uns einen hohen Stellenwert, strategisch und technologisch. Industrie 4.0 heißt für uns “Wir denken Out-of-the-Box” – und schauen weit über den Tellerrand. Alle Aktivitäten, Konzepte und Ideen laufen gebündelt in einem eigenen „Competence Center Industrie 4.0“ zusammen, das wir vor zwei Jahren ins Leben gerufen haben und das Dr. Markus Fischer leitet. Wir setzen im Rahmen von Industrie 4.0 auf die Technologien Advanced Robotik, Augmented Reality als HMI-Schnittstelle, Big Data Analytics und 3D-Druck. Die Wegbereiter für diese Technologien wiederum sind nach unserem Verständnis künstliche Intelligenz, Software as a Service, Cloud Storage und Smart Sensors & Actuators. Diese Elemente von Industrie 4.0 sind für uns kontinuierliche und disruptive Innovationen, die wir zur Optimierung aller Prozesse in der Fertigung und Logistik betrachten und nutzen. Industrie 4.0 ist für uns aber auch jenseits dessen ein Ansatz, attraktive Arbeitsplätze zu schaffen, die mobiles und flexibles Arbeiten ermöglichen.

Industrie 4.0 unterstützt uns nachhaltig auch zur Emissions- und Energiereduzierung beim Gebäudemanagement. Wir können beispielsweise Klimaanlagen bei niedrigen Laufzeiten der Produktion automatisiert herunterfahren.

Wie koordinieren Sie die Industrie-4.0-Aktivitäten innerhalb der CEP?

Dr. Braun: Wir haben mit dem Competence Center Industrie 4.0 ein Netzwerk geschaffen, in dem wir intensiv zusammenarbeiten. Wir wollen natürlich vermeiden, dass wir das Rad zweimal erfinden, und wir wollen schnell in der Umsetzung sein. Industrie 4.0 ist auch ein Teil unserer CEP-Strategie- und daher werden Teile auch zentral gesteuert im Rahmen unserer Strategie 2020. Das sind zum Beispiel die Themen “Die ideale SMT-Linie“, ein Projekt, das an drei Standorten läuft oder „Smart Devices“, wo an vielen Standorten unterschiedliche Anwendungen erarbeitet und dann ausgerollt werden. Durch unser Competence Center binden wir alle Mitarbeiter weltweit ein, um schnell und effizient unsere Fabrik der Zukunft zu gestalten.

Dr. Fischer: Es ist durchaus gewollt, dass unterschiedliche Werke auch an ähnlichen Themen arbeiten. Innovationsfreude in den einzelnen Werken soll gefördert werden. Wir haben auf der ganzen Welt, in allen 30 Werken, Industrie-4.0-Projekte. Ausprobieren – und auch Scheitern – ist ausdrücklich erlaubt. Wichtig ist aber, dass alle Projekte erfasst werden. Dazu haben wir bei CEP eine tagesaktuelle Datenbank. Nehmen wir das Beispiel „ideale SMT Linie“: Alles was sinnvoll erscheint, bauen wir in die SMT-Linie ein und testen es. Wenn es sich nach der Validierung als sinnvoll herauskristallisiert, wird die Optimierung auf 300 bis 400 Linien übertragen. Big Data hingegen ist ein strategisches Thema, das schon allein deshalb zentral gesteuert werden muss, weil wir dafür hochspezialisierte Mitarbeiter wie Big-Data-Analysten benötigen.

Welche der eingangs genannten Technologien würden Sie nach Ihrem Verständnis als disruptiv einordnen und warum?

Dr. Braun: Im Gegensatz zu kontinuierlichen Innovationen wie der kollaborativen Robotik kann der 3D-Druck einen grundlegenden Paradigmenwechsel einläuten: Es könnte durchaus sein, dass wir Gehäuse, die heute noch beim Lieferanten gefertigt werden, in Zukunft mittels 3D-Druck selbst herstellen werden, um nur ein Beispiel zu nennen.

Wo setzen Sie den 3D-Druck heute schon ein?

Dr. Braun: Wir haben bereits 3D-gedruckte Greifer für unsere Roboter realisiert, setzen den 3D-Druck im Musterbau ein und arbeiten bereits daran, mittels 3D-Druck Komponenten für unsere Produkte in Kleinserien herzustellen. Darüber hinaus setzen wir den 3D-Druck auch in der Logistik für die Verpackungsplanung ein. Auf Basis der 3D-gedruckten Prototypen macht der Lieferant seine Verpackungsvorschläge.

Dr. Fischer: Wir sind außerdem dabei, ein Competence Center für 3D-Druck aufzusetzen, um neue Themen wie den Metalldruck voranzutreiben. Für uns geht es darum, nah am Ball zu bleiben, um den Zug bzw. den Break Even Point für den 3D-Seriendruck nicht zu verpassen. Wir haben – wie gesagt – bereits 3D-Drucker offline in Betrieb, aber noch nicht in der Großserie. Aber auch dafür wird der richtige Zeitpunkt kommen, und dann wollen wir vorne mit dabei sein.