Roll-out in Deutschland startet SigFox baut Präsenz mit Hochdruck aus

Peter Grundig, GREATech

»SigFox ist im Gegensatz 
zu anderen LPWA-Netzen reguliert. Das sorgt dafür, dass die 
Kommunikation sehr zuverlässig ablaufen kann. Sobald die 
Anwenderzahl in den LPWA-Netzen steigt, wird sich die Spreu 
vom Weizen trennen.«
Peter Grundig, GREATech: »SigFox ist im Gegensatz zu anderen LPWA-Netzen reguliert. Das sorgt dafür, dass die Kommunikation sehr zuverlässig ablaufen kann. Sobald die Anwenderzahl in den LPWA-Netzen steigt, wird sich die Spreu vom Weizen trennen.«

Auf der embedded world hat SigFox angekündigt, das SigFox-Netzwerk über ganz Deutschland auszurollen. Es soll landesweit vor Ende 2017 in Betrieb gehen. Auch weltweit baut SigFox die Präsenz mit Hochdruck aus.

Deutschland ist das 14. Land, in dem SigFox sein Netzwerk etabliert. Mit dem Aufbau des Netzes in Deutschland will SigFox die Partner in der viertgrößten Wirtschaft der Welt in die Lage versetzen, neue IoT-Services und Produkte zu entwickeln. Die Vielfalt der möglichen Anwendungen umfasst den gesamten IoT-Bereich von der Industrie 4.0 über Logistik, Tracking, Alarmsysteme, Agrartechnik, Smart Cities bis hin zu Fitness- und Gesundheits-Anwendungen. Zu den IC-Herstellern, die entsprechende Chips anbieten, gehören Silicon Labs, Texas Instruments, Atmel und On Semiconductor. Module gibt es von Adeunis, Atim, Nemeus, Radiocrafts, TD Next und Telit.

Sobald die Installation in Deutschland abgeschlossen ist, erstreckt sich das SigFox-Netz vom Mittelmeer bis nach Skandinavien über ein zusammenhängendes Gebiet in Westeuropa. Derzeit deckt SigFox bereits Frankreich, Portugal, Spanien, die Niederlande und Großbritannien ab (einschließlich der zehn größten Städte). In Belgien, Dänemark, Irland, Italien, Luxemburg und den USA ist der Rollout im Gange. Zu den Städten, die SigFox abdeckt, gehören Bogota, Dublin, Mailand, München, San Francisco, Santiago de Chile, Wien und Warschau. Bis Ende dieses Jahres möchte SigFox allein in den USA seine Präsenz von derzeit zehn Städten auf 50 Städte ausbauen.

In Europa hat OTIO, eine Tochter der Groupe HBF und Hersteller von Lighting- und Smart-Home-Produkten, mit SigFox einen Vertrag abgeschlossen, nach dem das Unternehmen eine Million Mitglieder der OTIS-ALERT-Produktlinie mit SigFox-Kommunikation ausstattet. Sie soll in Deutschland, Frankreich und Spanien verkauft werden. Die Produktlinie umfasst Rauch- und CO2-Detektoren, Temperatursensoren, Stromausfallmelder und Einbruchsmelder. Die SigFox-Geräte sollen ab September dieses Jahres zur Verfügung stehen.
Rund eine Million Einbruchsmelder hat die Securitas Direct Verisure Group in Spanien ausgeliefert. In Frankreich sollen demnächst weitere 200.000 Einheiten folgen. Damit will das Unternehmen, nach eigenen Angaben der zweitgrößte Hersteller von Feuer- und Einbruchsmeldern sowie drauf aufbauenden Service-Leistungen der Welt, seine Kunden vor Ausfällen des GSM-Netzwerkes und vor Störversuchen durch Dritte schützen. Hier kommt einer der Vorteile von SigFox ins Spiel: Wer die Kommunikation stören will, braucht dazu Geräte, die über eine sehr hohe Leistung verfügen. Solche Geräte sind nicht einfach auf dem freien Markt zu beschaffen.

Für Maker und IoT-Start-ups

Derzeit baut SigFox in den einzelnen vertikalen Sektoren Partnernetze auf. Zudem organisiert das Unternehmen Workshops in ganz Europa, um der Maker-Community, IoT-Start-ups und Technikbegeisterten im Rahmen von Hands-on-Sessions mit Live-Demos und Prototypen zu zeigen, was mit der Technik alles möglich ist. Mit Hilfe von fertigen Evaluation-Kits können die Teilnehmer danach gleich mit eigenen Projektideen loslegen.

Kooperation mit Vertriebspartnern

Außerdem kooperiert SigFox mit Vertriebspartnern, um die Entwicklung des IoT zu beschleunigen. Die Niederlassung von Sigfox in München hat kürzlich Aurelius Wosylus über-nommen, der von Gemalto überwechselte, einem internationalen Unternehmen für digitale Sicherheit. Wosylus war dort als Leiter für Geschäftsfeldentwicklung, eingebettete Märkte und IoT tätig.

Einer der deutschen Vertriebspartner ist die in Mülheim an der Ruhr ansässige GREATech GmbH. Das Unternehmen vertreibt zertifizierte SigFox-Module von Radiocrafts, eine norwegische Firma, deren Wurzeln auf die später von TI übernommene Chipcon zurückgehen. Das kürzlich vorgestellte Modul RC1628, das eine Fläche von 12,7 x 25,4 mm einnimmt, ist für -40 bis 85 °C ausgelegt. GREATech entwickelt und fertigt aber auch als Design-House unter den Marken Sensoco und Syncronice eigene Hardware.

Geschäftsführer Peter Grundig ist von den Vorzügen der SigFox-Technik überzeugt: "Die Technik funktioniert mit einem Link-Budget von 162 dB über lange Strecken - und zwar bidirektional." Im freien Gelände könne SigFox Distanzen von 30 bis 50 km überbrücken, in Städten zwischen 3 bis 10 km. In Europa nutzt SigFox die Frequenz von 868 MHz, was dazu beiträgt, dass sie in Gebäuden eine höhere Reichweiter erreicht als alternative Techniken auf Basis von 2,4 GHz. Jede Nachricht (12 Byte pro Mitteilung, max. 140 Mitteilungen pro Tag) wird dreimal extrem schmalbandig auf drei verschiedenen Frequenzen gesendet. Damit sei die Zuverlässigkeit der Übertragung sehr hoch. Außerdem ist SigFox Roaming-fähig, ebenfalls ein wichtiger Aspekt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die geringe Leistungsaufnahme. So würde ein Energiezähler, der mit einer 2,5-Ah-Batterie ausgestattet ist, auf Basis herkömmlicher M2M-Technik im Bereich von Wochen und Monaten arbeiten können, dann muss die Batterie getauscht werden. Über SigFox verbundene Zähler können mit dieser Batterie 20 Jahre auskommen.

"Vor allem ist SigFox reguliert. Das sorgt dafür, dass die Kommunikation sehr zuverlässig ablaufen kann", sagt Peter Grundig. "Andere Techniken kommen mir vor, als ob im Stadion jeder ein Megaphon hat und seine Sprüche durchsagt, wann immer, so lange und so oft er will. So kann Funk nicht funktionieren. Sobald die Anwenderzahl in den LPWA-Netzen steigt, wird sich die Spreu vom Weizen trennen." Er selber verspürte auf der embedded world in Nürnberg erhebliches Interesse und Nachfrage. Allein dass in Gebäuden kein zentrales Gateway mehr erforderlich ist, um beispielsweise Zähler auslesen oder Alarmsysteme installieren zu können, wirke ausgesprochen attraktiv. Auf diese Weise könnten ganz neue Geschäftsmodelle entstehen, beispielsweise für Versicherungen.

Damit mache man sich natürlich nicht überall Freunde, wie die Beispiele Uber oder AIRbnb zeigten: "SigFox ist disruptiv, das gibt Ärger", fasst er zusammen. Allerdings scheint er dem Ärger frohgemut entgegen zu sehen. Er ist überzeugt, mit SigFox genau die richtige Technik an der Hand zu haben, um disruptiven Geschäftsmodellen zum Durchbruch zu verhelfen.

Wer selber Projekte auf Basis von SigFox entwickeln möchte, kann ab demnächst damit starten. SigFox stellt kleine Basisstation und USB-Sticks für den Einsatz in PCs zur Verfügung, die das SigFox-Netz simulieren, so dass alle, die in Gegenden wohnen, in denen noch keine SigFox-Abdeckung besteht, über die nächsten Monate ihre Entwicklungen vorantreiben können. Und wie bereits gesagt: Unterdessen geht der SigFox-Ausbau weiter schnell voran. "Bis Mitte dieses Jahres werden wir bereits die wichtigsten zwei Dutzend Städte in Deutschland abdecken", erklärt Peter Grundig.