Einfach neue Geschäftsmodelle aufbauen Offene Blockchain-Plattform für die europäische Industrie

Contractus hat das Konzept der Blockchain- Plattform über das  vergangene Jahr soweit entwickelt, dass sie für Unternehmen gebrauchsfertig vorliegt. Auf dieser Basis können dann die interessierten Firmen mit ihrem spezifischen Know-how ihre Geschäftsmodelle entwickeln.
Contractus hat das Konzept der Blockchain-Plattform über das vergangene Jahr soweit entwickelt, dass sie für Unternehmen gebrauchsfertig vorliegt. Auf dieser Basis können dann die interessierten Firmen mit ihrem spezifischen Know-how ihre Geschäftsmodelle entwickeln.

»Wir entwickeln eine europäische Blockchain-Plattform für neue Geschäftsmodelle«, sagt Stev Heinert, Marketing Manager von Contractus. »Das ist ein ganz neuer Ansatz.«

Markt&Technik: Contractus will die Blockchain-Technik für Anwendungen in der Industrie zugänglich machen. Auf welche Industriesektoren hat sich das Unternehmen spezialisiert?

Stev Heinert: Wir haben uns auf keine bestimmte Branche spezialisiert. Viele Unternehmen können das selber tun, sie kennen ihr Geschäft von innen besser als wir. Außerdem gibt es Spezialisten mit dem entsprechenden Detailwissen, die die Blockchain-Technik auf die jeweiligen speziellen Anwendungen zuschneiden. Wir kennen uns in keiner Branche so gut aus, dass wir das leisten könnten, zumal als Start-up. Unsere Idee besteht vielmehr darin, eine europäische Blockchain zu etablieren, auf der dann Unternehmen aller Art ihre spezifischen Geschäftsmodelle aufbauen können.  

Die Differenzierung von Contractus besteht also darin, dass Sie gerade nicht Systeme für spezielle Branchen anbieten?

Genau, wir bieten mit evan.network eine Blockchain-Plattform an, aus der die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle optimal entwickeln können. Weil wir nicht von vorne herein an eine spezielle Branche gedacht haben, ist die Plattform sehr flexibel und vor allem: Es handelt sich um eine offenes Netzwerk, die Plattform steht allen offen. Wir initiieren sie jetzt, sie geht dann aber in eine dezentrale Organisation über, in der die teilnehmenden Unternehmen über die weitere Entwicklung des Netzwerkes bestimmen. Jeder kann dann auf Basis der von evan.network das für ihn und sein Geschäftsmodell Beste herausholen. Die Architektur, die wir anbieten, hat es in dieser Form bisher nicht gegeben.

Es gibt bereits solche Plattformen von der Bitcoin bis zu Ethereum und Iota, um nur die bekanntesten zu nennen…

…die alle eben ihre Besonderheiten haben. Wir bauen auf der Blockchain von Ethereum auf – allerdings nicht auf der Public-Variante – und wandeln sie so ab, dass sie die mittlerweile bekannten Nachteile, etwa der der Bitcoin-Blockchain, umgeht. Dazu zählen die hohen Transaktionskosten und langen Transaktionszeiten sowie der hohe Energiebedarf.

Kann in der M2M-Kommunikation und im Handel von Daten das System von Iota nicht ähnliches leisten?

Iota hat sich auf den Datenfluss zwischen den Maschinen konzentriert. Für die effektive Nutzung von Smart Contracts ist aber die dauerhafte Speicherung von Informationen existenziell. Iota setzt eher auf kurzfristigere Speicherung. Unternehmen brauchen aber Revisionssicherheit und eine dauerhafte Speicherung. Hierzu gibt es bei IOTA kein ausgereiftes Konzept. Die technischen Voraussetzungen sind dafür nicht vorhanden. Wer genau hinsieht, kann der Roadmap von Iota auch nicht entnehmen, dass in dieser Richtung etwas Konkretes geplant wäre. Wir sehen Smart Contracts aber als den zentralen Bestandteil einer Industrie-Blockchain an.  

Wäre der Ansatz von Iota also bereits überholt?

Nein, wie gesagt, Iota hat seine spezifischen Stärken: Es ist sehr wichtig, die Daten zwischen Maschinen effektiv auszutauschen. Das kann Iota sehr gut. Deshalb sehen wir hier gar keine Wettbewerbssituation, sondern könnten uns vorstellen, dass sich unsere beiden Systeme sehr gut ergänzen. Im Moment aber will sich Iota auf dem Markt bekannt machen und möglichst breit als Anbieter positionieren, der alles abdeckt.

Contractus setzt also auf eine private Blockchain?

Ja, wir starten mit wenigen, um das Netzwerk aufzubauen, den Masternodes. In der Bitcoin-Blockchain entsprächen sie den Minern. Dann werden aber in Abhängigkeit der Verbreitung des Netzwerkes weitere Unternehmen aufgenommen. Weil die Unternehmen unabhängig sind und aus verschiedenen Branchen kommen, ist das aus unserer Sicht kein Problem. Das System wäre immer noch sehr dezentral organisiert.