Aixtron Übernahme und Unternehmen gefährdet?

Guido Pickert, Aixtron: »Im Falle einer erfolgreichen Transaktion, können wir unser Technologieportfolio in der vollen Breite weiterentwickeln und zur Marktreife führen.«
Guido Pickert, Aixtron: »Im Falle einer erfolgreichen Transaktion, können wir unser Technologieportfolio in der vollen Breite weiterentwickeln und zur Marktreife führen.«

Scheitert die 670-Mio.-Euro-Übernahme von Aixtron wegen der Blockade aus den USA doch noch?

Ein generelles Veto, wie so häufig zu hören, ist die Eingabe von Präsident Obama zur Aixtron-Übernahme durch Grand Chip Investment (GCI) nicht. Darauf legt Guido Pickert, Unternehmenssprecher von Aixtron, Wert: »Es handelt sich um einen Erlass des US Präsidenten, der zunächst vollständig analysiert und in seiner Tragweite verstanden werden muss. Der Deal lebt noch.«

Der Unterschied zum Veto ist, dass es sich nicht um ein totales Nein handelt. Was diese Order des Präsidenten in der Realität bedeutet, ist noch nicht klar. Dies herauszufinden, obliegt nun den Juristen. »Wir betreten hier alle Neuland«, erklärt Pickert. Die wirtschaftlichen Fakten gibt es aber auch noch. Immerhin generierte Aixtron zum 30.9.16 rund 20 Prozent des Umsatzes in Amerika. Ob GCI unter den Umständen, dass es Schwierigkeiten auf dem amerikanischen Markt geben könnte, die Übernahme weiter verfolgen würde, bleibt abzuwarten.

Erstaunlich ist aber schon, dass das Bundeswirtschaftsministerium zunächst eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Übernahme erteilt hatte, diese aber dann wieder kassiert hat, weil neue Erkenntnisse geprüft werden müssten. Wo die neuen Erkenntnisse herkommen und welchen Inhalt sie haben, ist nicht klar. Dass auf den Anlagen von Aixtron ICs gefertigt werden können, die auch in militärischen Geräten Einsatz finden könnten, dürfte so neu niemanden sein.  

Dass die Anlagen, die Aixtron fertigt, als Dual-Use-Güter eingestuft sind, ist seit langem bekannt. Es müssen also für bestimmte Länder Ausfuhrgenehmigungen erstellt werden. Das war bisher nach Angaben von Aixtron kein Problem. Es liegt in der Natur der Sache, dass Aixtron selber nicht nachvollziehen kann, wo die Chips, die auf den Maschinen hergestellt werden, schlussendlich landen.

Doch warum sucht Aixtron überhaupt nach Investoren? Das liegt daran, dass die LED-Welle für den Maschinenbauer schon vorbei ist. »In den letzten Jahren haben wir jährlich rund 30 Prozent unseres Umsatzes für Forschung und Entwicklung unserer Hochtechnologie ausgegeben. Da das Umsatzniveau unserer existierenden Produkte nicht ausreichte, um diese hohen Zukunftsaufwendungen zu finanzieren, haben wir Verluste in Kauf genommen«, sagt Guido Pickert. Die weiteren neuen vielversprechenden Technologien stecken aber noch in den Kinderschuhen und kosten weiter Geld – bevor sie dann richtig zur Umsatzsteigerung beitragen könnten.

Deshalb ist das Management von Aixtron überzeugt, dass es für das Unternehmen außerordentlich wichtig sei, Möglichkeiten für weiteres Wachstum zu eröffnen. Hierbei ist sich das Management sicher, in GCI einen geeigneten Partner gefunden zu haben. Die Investoren seien geprüft worden, es handele sich um ein seriöses Vorhaben. Der Bestand von Aixtron und seiner Standorte sei geregelt, dass Know-how abfließen könnte, befürchtet das Management nicht, und der hohe Bedarf an weiterem Kapital für F&E sei mit der Übernahme gesichert. Außerdem hätten andere High-Tech-Firmen durchaus schon gute Erfahrungen mit chinesischen Investoren gemacht.