Apple, Dell, Kingston und Seagate dabei Toshiba-Übernahme-Gruppe formiert sich neu

Toshiba muss dringend TCM verkaufen, was sich aber schwierig gestaltet. Zumindest der Verbleib an der Börse von Tokio ist vorerst gesichert.
Bain Capital will dafür sorgen, dass Toshiba Memory weiterhin ein unabängiges japanisches Unternehmen bleibt.

Bain Capital bringt neue Mitbieter ins Spiel und will, dass Toshiba Memory mehrheitlich japanisch bleibt.

Laut Bain Capital habe Western Digital seine Position überschätzt: Die legitimen Anstrengungen Toshibas,  dafür zu sorgen, dass die Tochter Toshiba Memory auch nach dem Verkauf eine unabhängige japanische Firma bleibe, hätte Western Digital einfach ignoriert und seine Rolle in diesem Spiel überschätzt.  

Um das Bain-Konsortium gegenüber der Gruppe um Western Digital zu stärken, sind jetzt Apple, Dell, Kingston Technology und Seagate Technology hinzugekommen. Apple hatte schon einmal verlauten lassen, keine Chips mehr von Toshiba kaufen zu wollen, wenn Western Digital die Kontrolle übernehme. Bain will jetzt eine industrieweite Unterstützung organisieren – damit Toshiba Memory ein unabhängiger Hersteller  bleibe. Insgesamt 22 Mrd. Dollar will die Gruppe für Toshiba Memory bezahlen – und das nötige Fingerspitzengefühl beweisen.

Das habe Western Digital nicht getan: Nach der Übernahme von SanDisk im vergangenen Jahr war Western Digital plötzlich auch in die Rolle als Joint-Venture-Partner der NAND-Flash-Abteilung von Toshiba geschlüpft, die unter dem Namen Toshiba Memory in diesem Jahr als selbständige Einheit gegründet wurde.

Das Joint Venture zwischen SanDisk und Toshiba war über Jahre reibungslos und erfolgreich verlaufen. Daraus leitete Western Digital das Recht für sich ab, bestimmen zu dürfen, an wen Toshiba die NAND-IC-Speichertochter verkaufen dürfe. Am liebsten wollte Western Digital selbst unter den Käufern sein und ist deshalb Teil eines Bieterkonsortiums, dem auch die Investment-Firma KKR angehört.

Trotz des Zeitdrucks unter dem Toshiba steht – von einem schnellen Verkauf dürfte das Überleben des Konzerns nach dem US-Debakel abhängen – hatte Toshiba aber auf einen Verkauf gesetzt, in dessen Rahmen Toshiba Memory weiterhin mehrheitlich ein japanisches Unternehmen geblieben wäre. Dies geschah auch mit Segen des MITI.

Western Digital dagegen zeigte Toshiba die kalte Schulter. Allzu forsch waren die Amerikaner für japanische Verhältnisse aufgetreten. Von kartellrechtlichen Untersuchungen, die eine Beteiligung von Western Digital – über SanDisk ja nun auch Hersteller von NAND-Flash-ICs – zur Folge gehabt hätte, ganz zu schweigen. Sie hätten die Verkaufsprozedur ebenfalls verzögert. Das Verhältnis zwischen Western Digital und Toshiba ist – nachdem sich die Unternehmen gegensetig auch noch verklagt hatten – nur mehr als zerrüttet zu beschreiben.  

Ende September müssten die Verkaufsverhandlungen abgeschlossen sein. Nur dann hätte Toshiba noch Aussicht darauf, den Verkauf bis Ende März 2018 abzuschließen und weiterhin an der Börse von Tokio notiert zu werden.