Bieterschlacht Toshiba-Speicher: Der Preis ist heiß

Übernahmen gehören zum Halbleitermarkt.
Übernahmen gehören zum Halbleitermarkt.

Jetzt wollen auch Apple, Amazon und Google die NAND-Speicher von Toshiba übernehmen. Ob das den Preis weiter nach oben treibt?

Das Geschäft mit den NAND-Speichern läuft für Toshiba gut, das Unternehmen hält 20 Prozent am NAND-Flash-Speicher-Markt. Und die Preise steigen derzeit kräftig nach oben.

Toshiba will sich also – anders als andere japanische Unternehmen –  von der Halbleitersparte nicht ganz freiwillig trennen. Denn alles läuft gut. Grund ist vielmehr die amerikanische Tochter Westinghouse, die Atomkraftwerke baut und kürzlich Insolvenz anmelden musste. Die horrenden Verluste, die auf bis zu 9 Mrd. Dollar geschätzt werden, bringt Toshiba insgesamt ins Schwanken und das Unternehmen ist nun gezwungen, sein Tafelsilber zu verkaufen, um zu retten, was noch zu retten ist.

Für andere Unternehmen bedeutet das: Hier soll ausnahmsweise mal eine japanische Halbleitersparte verkauft werden, die an sich gesund ist. Es könnten sich also Chancen auftun. Für die liebe Konkurrenz, aber auch für Firmen, denen eine eigene NAND-Speicherfertigung gerade gelegen käme. Und so verwundert es auch nicht, dass sich insgesamt rund zehn Unternehmen und Bietergemeinschaften um die NAND-Speichersparte von Toshiba reißen.

Wenn nun Apple, Amazon und Google mitmischen, dürfte der Preis für die Halbleiterabteilung von Toshiba weiter in die Höhe getrieben werden.

Laut Nikkei Asian Review sind unter den Bietern Silver Lake Partner und Broadcom. Am Geld scheint es nicht zu mangeln, Broadcom will mit Silver Lake Partner angeblich 17,9 Mrd. Dollar für die NAND-Speicher von Toshiba springen lassen.

In solchen Kreisen kennt man sich selbstverständlich. Silver Lake Partners war schon beteiligt, als NXP 2006 aus Philips als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert wurde. Auch als es darum ging, 2015 Freescale Semiconductor zu übernehmen, waren Silver Lake Partners nebst Kohlberg Kravis wieder mit von der Partie. Die 17,9-Mrd.-Dollarübernahme  ging dann aber an ein Konsortium unter Führung von Blackstone  zusammen mit der Carlyle Group, Permira Funds und der Texas Pacific Group.

Doch zurück zu den offenbar so verlockenden NAND-Speichern von Toshiba: Auch Western Digital sei interessiert – der Massenspeicherhersteller kooperiert mit Toshiba bereits, denn die NAND-Speicher passen gut ins eigene Angebot. Schließlich seien auch die Chiphersteller SK Hynix und Micron unter den Bietern sowie Finanzinvestoren wie Bain Capital. Da dürfen in der Gerüchteküche auch Namen wie TSMC und Foxcon nicht fehlen.

Der muntere Wettstreit dürfte – wenn davon auszugehen ist, dass es sich um einen solchen handelt und die Gerüchte nicht absichtlich gestreut wurden – den Preis nach oben treiben.  

Wie das geht, müsste Toshiba wissen. Denn als die Japaner Westinghouse 2006 für 5,4 Mrd. Dollar übernommen hatten, galt die Technologie (AP1000) der Firma – sie wollte Atomkraftwerke einfacher und kostengünstiger machen – als  durchaus attraktiv und Toshiba stach General Electric über den Preis aus. Das stellte sich als Fehlschlag heraus und kostete sehr viel Geld. Außerdem hatte Toshiba mit dem hausgemachten Buchhaltungsskandal in Japan zu kämpfen.

Jetzt tritt Toshiba die Flucht nach vorne  an, um sich auf ihre Stärken zu besinnen. Die liegen weniger in den Halbleitern als vielmehr im klassischen Maschinenbau. Auf dieses Kerngeschäft will sich Toshiba offenbar gesundschrumpfen.

Wie es aussieht, kann das Unternehmen zumindest mit einem guten Preis für die Speichersparte rechnen. Bleibt zu hoffen, dass es den glücklichen Gewinnern, die sich die NAND-Speicher von Toshiba einverleiben, nicht ähnlich geht, wie Toshiba mit Westinghouse.