Kommentar DRAM-Konsolidierung: Ende der Zyklen?

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Es gibt nur noch drei große DRAM-Hersteller, die den DRAM-Markt bestimmen. Die DRAM-Preise steigen. Bedeutet das das Ende der Zyklen?

1 Mio. Dollar - so viel Geld hätte der Anwender 1985 für eine DRAM-Speicherkapazität von 1 GByte auf den Tisch legen müssen. Das war die Zeit, als die 256-Kbit-DRAMs langsam zur üblichen Speichergröße wurden und ein solcher Chip rund 64 Dollar kostete. Die 1-MBit-Generation fuhr langsam hoch. Schon damals war das Geschäft mit DRAMs außerordentlich zyklisch und die amerikanischen Speicherhersteller waren gerade dabei, ihre Dominanz auf dem Markt zu verlieren. Einige amerikanische Hersteller wie etwa Mostek hatten aufgrund des Preisverfalls enorme Verluste wegzustecken. Ich kann mich erinnern, dass mir Vin Prothro - damals CEO von Dallas Semiconductor (die um 2000 Maxim übernommen hatte) - seine Erfahrungen aus der wilden Zeit zu Beginn der 80er schilderte: »Wir verloren damals in einem Quartal mehr Geld als wir bis dahin verdient hatten.« Daraus zog er die Lehre, niemals mehr auf nur ein Produkt und schon gar nicht auf Speicher allein zu setzen (und gründete Dallas Semiconductor).

Zu Beginn der neunziger Jahre waren die japanischen Hersteller die eindeutigen Sieger: Sie hatten den Speichermarkt erobert. Mehr noch: Die Hersteller in den USA und Europa fürchteten sich vor dem Tron-Projekt, in dessen Rahmen die Japaner auch die Herrschaft über die Prozessoren und Controller erringen wollten. Es sollte dann ganz anders kommen: Japan glitt ins Jahrzehnt der Stagnation ab, die Koreaner übernahmen die Führung Speichermarkt, Tron verlief im Sande. Doch trotz der heftigen Verschiebungen auf dem Speichermarkt glätten sich - anders als so manche Experten vorhersagten - die Zyklen nicht. Wegen offener oder verdeckter Subventionen konnten sich viele Hersteller halten und es kamen soger neue - wie in Taiwan - hinzu. So mancher asiatische Hersteller, der nach hiesigen Kriterien eigentlich pleite gewesen wäre, konnte Anfang der 2000er Jahre munter weiter produzieren - und die Preise drücken. Ein spätes Opfer war Qimonda, deren Technik ursprünglich in einem Gemeinschaftsprojekt mit IBM, Siemens und Toshiba entwickelt worden war. Qimonda, der Spinoff vom Siemens-Spin-off Infineon ging spät als reiner Speicher-Hersteller ins Rennen, zu diesem Zeitpunkt war die Technik allerdings schon veraltet. Der weiter anhaltende Preisdruck besiegelte dann das Ende des einzigen europäischen DRAM-Herstellers. Doch auch die japanischen Hersteller wurden hart gebeutelt. Und es ist fast schon ein Witz , dass ein Großteil der ursprünglich über Firmen wie NEC, Hitachi und Mitshubishi verteilten DRAM-Aktivitäten schlussendlich nach mehreren Konsoldierungswellen beim einzig überlebenden großen DRAM-Hersteller in den USA - Micron - gelandet sind.

Wie viel sich getan hat, zeigt ein Blick auf die aktuellen Top Ten der DRAM-Hersteller: Von Zehn kann schon lange nicht mehr die Rede sein, den Markt bestimmen nur noch drei Große. Diese Konsolidierung scheint jetzt Auswirkungen auf die Preise zu nehmen. Im zweiten Quartal dieses Jahres stiegen die Margen im DRAM-Markt laut IHS um 27 Prozent - der höchste Wert seit dem dritten Quartal 2010. Die Durchschnittspreise für DRAMs sind um 12 Prozent geklettert. IHS macht nicht zuletzt die „Disziplin“ mit der die Hersteller ihre Kapazitäten planen, dafür verantwortlich, dass Preise und Margen steigen.

Nur noch wenige Hersteller, bisher eher ungewohnte Disziplin und weiterer steigender Speicherbedarf - wäre da die Prognose allzu gewagt, dass die Anwender zwar einer gehobenen, dafür aber auch relativ stabilen Preiskurve entgegenblicken können? Da wäre ich sehr vorsichtig. Denn erstens geht die technische Entwicklung munter weiter - von Flash und Alternativen zu sprechen, würde an dieser Stelle zu weit führen - und zweitens kann ich mich an Vorhersagen so mancher Analysten noch Ende der 90er erinnern: Weil der Speicherbedarf weiter rasant steige blieben DRAMs über viele Jahre knapp - die Zeit der Zyklen sei vorbei. Aus heutiger Sicht würde ich eher formulieren: die Zeit der Zyklen ist vorbei - sobald die Zeit der Halbeiterindustrie vorbei ist. Und das wird ja voraussichtlich noch ein Weilchen dauern.

Ihr Heinz Arnold