Editorial Die immer wieder überraschenden Schweinezyklen

Heinz Arnold
Chefredakteur   •  HArnold@markt-technik.de
Heinz Arnold Chefredakteur • HArnold@markt-technik.de

Wie oft doch Prognosen in der letzten Zeit danebenlagen. Was sagt das über die Speicherpreise?

Über den Ausgang so mancher Wahl und ihre Auswirkungen auf die Politik brauchen wir hier gar nicht zu reden. Es genügt, den Blick auf so etwas Einfaches wie den Halbleitermarkt zu werfen. Doch war er jemals einfach zu prognostizieren? In gewisser Weise ja, denn er war schon immer durch kräftige Zyklen geprägt. Den jeweils nächsten Auf- bzw. Abschwung zu prognostizieren, stellte also kein besonderes Wagnis dar, auf den Schweinezyklus an sich war Verlass. Die Schwierigkeit lag darin, den tatsächlichen Eintritt der Zyklen vorherzusehen, denn sie hielten sich nicht immer an einfache Muster. Das führte immer wieder zu Überraschungen.

Nun haben Marktforscher das Wachstum des Halbleitermarkts für dieses Jahr kräftig nach oben korrigiert und die ursprünglichen Prognosen vom Jahresanfang verdoppelt: Gartner rechnet jetzt mit einem Plus von 12,3 Prozent auf 386 Mrd. Dollar – aus der Sicht der IC-Hersteller also eine prächtige Entwicklung. Die Systemhersteller wird es dagegen weniger freuen, wenn sie mehr für die Halbleiter ausgeben müssen, und die Endanwender auch nicht. Doch wer ist überhaupt davon betroffen?

Der Markt bläht sich in Dollar gemessen deshalb so auf, weil die DRAM- und NAND-Flash-Speicher-Preise mal wieder in die Höhe schießen. Diese Entwicklung überlagert, was sich sonst noch so auf dem IC-Markt tut. Und wenn man davon ausgeht, dass allein die Speicherpreise sich seit Mitte letzten Jahres verdoppelt haben, dann dürften die Umsätze der meisten anderen Chip-Kategorien zwar noch steigen, aber eher moderat.

Da passt es ins Bild, dass TSMC seine Prognose für den Halbleitermarkt nicht verdoppelt, sondern nur um 3 Prozentpunkte auf 7 Prozent angehoben hat – trotz der gestiegenen Speicherpreise. Für den Foundry-Markt revidierte das Unternehmen das Wachstum sogar auf nur 5 Prozent. Das eigene Wachstum schätzt TSMC jetzt auf 5 bis 10 Prozent.

Und weil – wie bei Schweinezyklen üblich – die Speicherpreise aufgrund knapper Kapazitäten und hohen Bedarfs in die Höhe schießen, dürfte es wiederum kein besonders großes Wagnis sein, einen Rückgang der Speicherpreise vorherzusagen. Ob das schon 2018 oder erst 2019 sein wird – wer weiß?

Viel dürfte davon abhängen, wie sich die Kapazitäten in China entwickeln werden. Ob die Firmen dort ihre hochfliegenden Pläne tatsächlich in die Realität umsetzen können und selbst wenn dies gelingen sollte, wann es greifen könnte – all dies liegt ja noch in den Sternen. Und auch so manche geplante Übernahme – Toshibas Speichersparte steht ja zum Verkauf – dürfte Auswirkungen haben. Der Halbleitermarkt wird uns also weiter mit seinen Schweinezyklen in Atem halten und noch für manche Überraschung sorgen.