Sicherheit und IoT Dezentrale Netze: Nicht das Problem sondern die Lösung!

Sicherheit – also Safetey und Security – stand im Mittelpunkt der CEO-Roundtable-Diskussion auf der electronica.

Rick Clemmer, CEO von NXP, stimmte auf das Thema ein, indem er zunächst einen spürbaren Schub in Richtung mehr Sicherheit prophezeite, und zwar wegen des autonomen Fahrens: »90 Prozent der Unfälle passieren aufgrund menschlicher Fehler, schon halbautonomes Fahren auf Ebene 3 wird unsere Welt viel sicherer machen. Und nebenbei können wir auch noch in den Autos lesen.«

Noch einen Trend hat er entdeckt: »Wir sind jetzt auf einer Eben angelangt, auf der die Technik gar nicht mehr die Hauptrolle spielt. Applikationen und Lösungen stehen nun im Vordergrund.« Dem stimmt Carlo Bozotti, CEO von STMicroelectronics, zu: »Nicht mehr die Digitalisierung steht im Vordergrund, sondern das Zusammenwachsen der Technologien.«

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CEO-Roundtable auf der electronica 2016

Sicherheit – also Safety und Security – stand im Mittelpunkt der CEO-Roundtable-Diskussion auf der electronica.

Das bedeutet aber auch, dass die zugrunde liegende Architektur der Netzwerke nicht mehr zentral sein kann, sondern dass verteilte Insel entstehen.« Das bringe mehrere Vorteile: eine höhere Effizienz, eine höhere Flexibilität, um beispielsweise die Instandhaltungskosten zu senken und die Produktivität zu erhöhen – aber auch eine höhere Sicherheit. Damit war der rote Faden wieder aufgenommen: Sicherheit.
Doch schafft uns nicht die zunehmende Vernetzung erst die Probleme? Ist nicht allenthalben zu hören, dass es sogar nötig wäre, manches gar nicht erst zu vernetzen, um die Sicherheit zu gewährleisten?

Da kann Prof. Franz H. P. Fitzek, 5G-Experte von der TU Dresden, nur den Kopf schütteln. Gerade vermaschte, dezentrale Netze böten die Möglichkeit, Fehler zu detektieren und Teile des Netzes im Bedarfsfall zu isolieren: »Die Vernetzung ist nicht das Risiko, sondern die Lösung!« End-to-End-Security und zentrale Ansätze seien ohnehin tot. Allerdings sei das Internet heute lahm, es könne Fehler nicht schnell genug detektieren und nicht schnell genug reagieren. Dazu war das Internet ursprünglich auch nicht ausgelegt. Jetzt müssen aber die Security und Safety von Anfang an integriert werden. Mit 5G wäre das auch möglich. Dabei sei es an sich kein Problem, mit 10 GBit/s zu übertragen, eine Latency von 1 ms zu erreichen und das Ganze auch noch sicher zu machen.

»Aber alle drei Dinge gleichzeitig umzusetzen, das ist ein Problem«, so Fitzeck. Doch auf welcher Ebene muss man anfangen? Ist es ein Hardware- oder ein Software-Problem? »Zunächst müssen die Halbleiterhersteller sicherstellen, dass ihre Komponenten so arbeiten, wie es von ihnen erwartet wird«, sagt Reinhard Ploss, CEO von Infineon. Und es müssen Sicherheitsvorkehrungen auf der Chipebene vorgesehen sein. »Wenn ein Auto gehackt wird, kann auch das Netz nicht mehr helfen«, so Ploss. Wir bräuchten also beides, ein flexibles Netzwerk bzw. flexible Plattformen, und wir dürften den Systemen nicht erlauben, Fehler zu machen. Aber schon die Hardware macht Fehler, darauf weist Prof. Fitzek hin. Im Airbus würden sich schon fünf Systeme gegenseitig überwachen, um Fehler zu vermeiden. Schon ohne Hacker-Angriffe seien also tiefgehende Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Und ja, sie müssten natürlich auf der Ebene der Halbleiter beginnen.