Übernahme perfekt Intel kauft »Wireless Solutions« von Infineon

Samsung, Broadcom oder vielleicht sogar Apple? Die Gerüchte darüber, wer neben Intel die Wireless-Sparte von Infineon übernehmen könnte, war lang. Am Ende kriegt sie der weltweit größte Chip-Hersteller für 1,4 Milliarden Dollar. 3.400 Infineon-Mitarbeiter werden ihren Arbeitgeber wechseln. Dazu gehört auch Infineon-Vorstand Hermann Eul.

Das Wireless-Geschäft soll nun als ein eigenständige Geschäftseinheit bei Intel weitergeführt werden. Die Kunden von Infineon werden von Intel weiterbetreut, auch was die ARM-basierenden ICs betrifft. Die Übernahme, die Intel mit Barmitteln finanziert, soll im ersten Quartal abgeschlossen sein. 3.400 Mitarbeite werden von Infineon zu Intel wechseln, etwa 1.600 von ihnen arbeiten derzeit in Deutschland. Von Intel gab es die Aussage, dass alle Mitarbeiter an ihren entsprechenden Standorten übernommen werden. Chef der Sparte wird der bisherige Infineon-Vorstand Hermann Eul. Eul sagte, dass er sich darauf freue, das HF-Geschäft bei so einem großen Unternehmen wie Intel unter ganz neuen Bedingungen fortzuführen.

Beide Seiten bezeichneten die Übernahme als »strategisch«. Für Intel ist es die Möglichkeit sich in dem Geschäft für mobile Geräte zu stärken. Denn im gesättigten Markt für PC- und Server-Prozessoren sind die Wachstumsaussichten eher gering. Dabei drängt die Zeit denn einer neuen Marktstudie von IC Insights zufolge könnte Intel in den nächsten Jahren als weltweit größter Chip-Hersteller von Samsung überholt werden.

Für Infineon ist der Verkauf der Wireless-Sparte ein Weg, sich auf das Automotive-, Industrie- und Sicherheits-Geschäft zu konzentrieren. Zwar hat die Wireless-Sparte seit der BenQ-Pleite eine sensationelle Erfolgsgeschichte hingelegt aber immer wieder gab es Zweifel, ob diese Sparte in Zukunft mit der Konkurrenz wie etwa Qualcomm mithalten kann. Ein Kritikpunkt war etwa, dass die Sparte zu klein sei. Bei der Pressekonferenz zur Übernahme sagte Infineon-Chef Peter Bauer, dass die Investitionen in diese Sparte für die Zukunft zu hoch geworden wären und Infineon nicht groß genug dafür wäre.

Intel-Chef Paul Otellini betonte im Rahmen der Übernahme die Bedeutung des Marktes für mobile Geräte: »Der weltweite Bedarf an Wireless-Lösungen wächst weiterhin mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit. Die Akquisition des WLS-Geschäfts von Infineon stärkt eine Säule unserer Computing-Strategie, Internet Connectivity, und ermöglicht es uns, ein Produktportfolio anzubieten, das die ganze Bandbreite an Wireless-Optionen abdeckt – von WiFi und 3G, bis zu WiMAX und LTE. Da immer mehr Geräte über Computing-Funktionen und Internetzugang verfügen, sind wir überzeugt davon, dass Intel gut positioniert ist, um das Wachstumspotenzial in jedem Computing-Segment zu nutzen – von Laptops bis zu mobilen Endgeräten.«

Infineon-Chef Peter Bauer sagte zu dem Verkauf: »Der Verkauf von WLS ist eine strategische Entscheidung, um den Wert von Infineon zu steigern. Wir können nun unsere Ressourcen ganz auf starkes Wachstum in unseren Kernsegmenten Automotive (ATV), Industrial & Multimarket (IMM) und Chip Card & Security (CCS) konzentrieren. Das bietet eine hervorragende Perspektive für alle Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre von Infineon. Alle Seiten profitieren stark von dieser Transaktion. Dank der außergewöhnlichen Anstrengungen der Mitarbeiter und des Managements in den vergangenen Jahren, ist WLS heute in einer exzellenten Position, um mit dem neuen Eigentümer weiter zu wachsen, der ideal zu diesem Geschäft passt.«

Interessanterweise sahen das die Anleger nach Bekanntwerden der Übernahme nicht so, der Aktienkurs von Infineon gab am Montag Morgen etwas nach. Medienberichten zufolge hatte die Anleger eine höhere Übernahmesumme erwartet. Im Vorfeld hatten Analysten den Wert der Wireless-Sparte auf bis zu 1,5 Milliarden Euro veranschlagt.

Der Wireless-Bereich hatte 2009 mit einem Umsatz von 917 Millionen Euro zu rund einem Drittel des Gesamtumsatzes von Infineon beigetragen.