IEDM 2016, San Francisco Menschliche Hypervernetzung

Leti-CEO Marie Noelle Semeria: »Einen Univeralspeicher gibt es nicht.«
Leti-CEO Marie Noelle Semeria: »Einen Universalspeicher gibt es nicht.«

Das französische Forschungsinstitut CEA-Leti fühlt sich neben der Weiterentwicklung fortschrittlicher Technologien auch dem Allgemeinwohl verpflichtet. Auf der IEDM hatte Leti Si-integrierbare Laser, bionische MEMS-Sensoren und Si-Interposer mit mm-Wellen-Antennen für 5G im Gepäck.

In den Mittelpunkt der europäischen Keynote zur IEDM 2016 rückte CEA-Leti-CEO Marie Noelle Semeria das Thema »Symbiotische energiesparende, smarte und sichere Technologien im Zeitalter der Hypervernetzung«. Semeria lieferte eine umfassende, optimistische Bewertung einer sich schnell verändernden Welt, in der Hypervernetzung und das Internet der Dinge eine zentrale Rolle spielen werden. Wichtig sei dabei, den Menschen in den Mittelpunkt der Entwicklung zu stellen und dabei symbiotische Entwicklungsstrategien anzuwenden. Dies wird tiefgreifende Veränderungen in den Beziehungen der Menschen untereinander und in ihrem Verhältnis zur physischen Welt einleiten.
Semeria zeigte das enorme Potential auf, das in der allgegenwärtigen Vernetzung steckt, und den Menschen, der Gesellschaft, Unternehmen und Regierungen Vorteile bringen kann. Sie stellt sich eine Welt vor, in der die Forschung einen symbiotischen Entwicklungsansatz verfolgt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dies soll entlang verschiedener technologischer Achsen vorangetrieben werden, so dass Schlüssel-Innovationen entstehen, die sich an gesellschaftlichen Herausforderungen orientieren und diese beeinflussen.
»Das schwindelerregende Tempo des technologischen Fortschritts hat die Gesellschaft in das Zeitalter der Hypervernetzung katapultiert und verändert in dramatischer Art und Weise, wie Menschen leben, kommunizieren, Informationen austauschen, arbeiten, reisen, sich um ihre Gesundheit kümmern und einkaufen, « erklärt Semaria. »Durch die Konvergenz von Miniaturisierung, drahtloser Vernetzung, Erhöhung der Speicherkapazitäten und Datenauswertung wird das Internet der Dinge (IoT) zum Epizentrum eines tiefgreifenden sozialen, geschäftlichen und politischen Wandels.«
Das IoT, mit Milliarden von einfach vernetzbaren und kostengünstigen Geräten, »hat die Welt in ein globales Dorf verwandelt, und versetzt Mensch und Maschinen in die Lage, in symbiotischer Weise zu interagieren, jederzeit und überall – sowohl in der physischen als auch in der Cyber-Welt,« stellt Semeria fest. »Es ist eine ganz neue Wirtschaft entstanden, als neue Produkt-as-a-Service-Geschäftsmodelle durch intelligente, vernetzte Produkte ermöglicht wurden, die den Besitz von Produkten nicht mehr erforderlich machen.«
In Forschungs- und Entwicklungsstrategien, wo symbiotisch Technologien entwickelt werden, erhöht sich das mit diesen Technologien verbundene Innovationspotenzial stark. »Leti beschäftigt sich mit Hardware- und Softwaretechnologien, die sammeln, filtern, Daten verarbeiten, speichern, übertragen und Informationen auf effiziente Weise analysieren. Heute ist entscheidend, dieser Technologien nicht als unabhängig voneinander zu betrachten«, mahnt Semeria.
In ihrem Vortrag befasst sich Semeria auch mit vielen globalen Herausforderungen, die dem Zeitalter der Hypervernetzung vorausgehen, wie der Klimawandel, Armut, knapper werdende natürliche Ressourcen und Verschmutzung sowie den großen Herausforderungen, die der rasche technologische Fortschritt erste verursacht hat. Dazu gehören die negativen Nebenwirkungen von Cyber-Technologien, die von der Digital-Sucht einiger Jugendlicher bis hin zu Cyber-Angriffen auf Systeme und Gefahren für die persönlichen Daten und die Privatsphäre reichen.
»Die hypervernetzte Gesellschaft ist Herausforderungen ausgesetzt, die kollektives Lernen und die Anpassung, sowohl der Hauptakteure als auch der Nutzer, erfordert. Diese müssen die Bildungsfähigkeit und rechtlichen Rahmenbedingungen vorantreiben, um die richtige Balance zwischen Verantwortung und Freiheit für alle Akteure, Menschen und Unternehmen zu entwickeln«, sagt Semeria.
»Hypersicherheit ist eine entscheidende Komponente, um dem Anstieg der Cyber-Angriffe, entgegenzuwirken, denen unsere modernen Gesellschaften bei den Cyber-Infrastrukturen (Banken, Kommunikation, Business, etc.) ausgesetzt sind. Cyber-Sicherheit und unaufdringliche Überwachungstechnologien werden entwickelt, um gesellschaftlichen Frieden im Alltag zu gewährleisten.«
Verstöße gegen den Datenschutz und die nicht genehmigte Verwendung personenbezogener Daten haben weit verbreitete Bedenken bezüglich der Privatsphäre aufkeimen lassen. »Den Austausch von Informationen aus Sicherheitsgründen zu geschäftlichen oder hoheitlichen Zwecken nehmen Bürger häufig als Verlust der Kontrolle von Freiheit und Privatsphäre wahr«, kritisiert Semeria.