Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2021 Logik-ICs und China dominieren

Wirtschaftsmeldungen der Elektronik-Redaktion

2016 war ein gutes Jahr für die Halbleiterindustrie weltweit. Zwar wird erwartet, dass sich das gemittelte Wachstum in den kommenden fünf Jahren reduziert – aber es soll dennoch höher ausfallen, als in den zurückliegenden fünf Jahren.

Mit dem weiterhin wachsenden Markt wird es für die Halbleiterindustrie zunehmend schwerer an die Wachstumsraten der Vergangenheit anzuknüpfen. Konnte in den Jahren 1991 bis 2000 noch ein Marktwachstum von 9,5 Prozent erreicht werden, so liegt seit 2000 das gemittelte Wachstum bei vier Prozent. Der weltweite Umsatz mit Halbleitern hat 2016 eine Größe von 339 Mrd. US-Dollar erreicht. Bis 2021 wird vom ZVEI, der die Zahlen in seiner aktuellen Mikroelektronik Trendanalyse bis 2021 vorstellte, ein weiterer Anstieg auf 389 Mrd. US-Dollar erwartet – was einem mittleren jährlichen Wachstum von 2,8 Prozent entspricht. Nachdem in den vergangenen fünf Jahren die Umsätze in Europa und den USA negativ ausfielen, sollen in den kommenden Jahren bis 2021 alle Regionen zu der positiven Entwicklung beitragen – wobei China als einzige Region weiterhin ein überdurchschnittliches Wachstum vorhergesagt wird.

Unverändert konstant zeigt sich dagegen der Anstieg bei den Halbleiterstückzahlen, der seit den 1980er Jahren bei durchschnittlich neun Prozent liegt. Die Halbleiterindustrie wird nach wie vor geprägt von Fortschritten in der Fertigungstechnik, mit denen die Kosten pro Halbleiterbauteil gesenkt werden können.

China ist größter Halbleiterabnehmer

Mit einem Marktanteil von 31,8 Prozent wurde China 2016 zum größten Abnehmerland für Halbleiterbauteile. Damit verdrängt China die Asien/Pazifik-Region zum zweiten Mal von der Spitzenposition. Vor allem Europa mit 9,6 Prozent und Japan mit 9,5 Prozent verlieren seit über zehn Jahren kontinuierlich Marktanteile, aber auch Amerika (19,3 Prozent) und die Asien/Pazifik-Region (29,7 Prozent) mussten 2015 Marktanteile abgeben – lediglich Japan konnte seinen Anteil gegenüber 2015 um 0,2 Prozentpunkte erhöhen. Auch für Deutschland war das letzte Jahr mit einem zurückgehenden Marktanteil von vier Prozent auf 3,7 Prozent verbunden, was 12,4 Mrd. US-Dollar entspricht. Mit 6,7 Prozent sinkt damit der Halbleitermarkt 2016 in Deutschland stärker als der europäische Halbleitermarkt, für den ein Rückgang um 4,8 Prozent auf 31,3 Mrd. US-Dollar registriert wurde.

Halbleiterhersteller aus USA dominieren

52 Prozent aller weltweiten Halbleiterhersteller – ohne Foundries – haben ihren Hauptsitz in den USA. In den letzten fünf Jahren stieg dieser Anteil sogar von 50 auf 52 Prozent. Im gleichen Zeitraum gingen die Anteile für Japan – von 19 Prozent auf 11 Prozent – und Taiwan – von sechs Prozent auf fünf Prozent zurück. Zuwächse verzeichnen dagegen Südkorea – von 14 Prozent auf 17 Prozent – und Europa – von 9 Prozent auf 12 Prozent, dank der Übernahme von Freescale durch NXP. Chinesische Halbleiterhersteller spielen mit einem Anteil von zwei Prozent weiterhin eine sehr kleine Rolle – auch wenn sie ihren Anteil gegenüber 2011 verdoppelt haben. Wenn die EU als eine Einheit gezählt wird, dann dominieren Unternehmen aus nur sechs Ländern die weltweite Halbleiterindustrie zu 99 Prozent.

 

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Mikroelektronikmarkt 2016

Aktuelle Entwicklung des Mikroelektronikmarkts bis 2016.

 

Produktionsstandorte überwiegend in Asien

Auch wenn Unternehmen aus den USA die Halbleiterindustrie dominieren, produziert wird überwiegend an Standorten in Asien. Führender Standort ist 2016 weiterhin Japan, mit einem Anteil von 20 Prozent an der weltweiten Produktionskapazität – wenn auch rückläufig und mit überwiegend älteren Fertigungsanlagen. Mit 19 Prozent Anteil folgt dicht Taiwan und Südkorea mit 17 Prozent. Beide konnten in den letzten fünf Jahren ihre Anteile um einen Prozentpunkt steigern. China verzeichnet für diesen Zeitraum den deutlichsten Zuwachs von elf Prozent auf 14 Prozent – zum Teil durch den Bau neuer Foundries. Der Anteil der Produktionskapazität in den USA ging um zwei Prozentpunkte auf zwölf Prozent zurück, die gerundeten Anteile von Singapur und Europa blieben dagegen gleich.

Leading Edge: Südkorea und Taiwan

Mehr als die Hälfte der Produktionskapazitäten für Halbleiterstrukturen <25 nm stehen in Südkorea (40 Prozent) und Japan (17) Prozent. Taiwan erreicht hier einen Anteil von 13 Prozent – gleichauf mit den USA – erreicht aber im Segment 40 nm bis 25 nm eine dominierende Spitzenposition mit einem Anteil von 44 Prozent der Produktionskapazität. Auffällig ist, dass ältere Fertigungsprozesse für größere Strukturen nicht aussterben. Sie werden z.B. in Europa für Leistungshalbleiter und Smart-Power-ICs verwendet, in Japan sogar für komplexere ICs.

Logik-ICs größtes Segment

Unverändert bilden Logik-ICs das größte Segment im Gesamthalbleitermarkt mit einem Anteil von 27 Prozent. Speicher (Anteil: 22,7 Prozent) und Mikrocontroller/Mikroprozessoren/DSPs landen auf Rang drei mit 17,9 Prozent. Das hohe Interesse an Logik-ICs geht auf SoCs zurück, die damit auch direkt für den Rückgang im Bereich der Prozessoren und Mikrocontroller verantwortlich sind. Das größte jährliche Wachstum können Halbleitersensoren mit 23,2 Prozent aufweisen – mit einem Anteil der von 2,6 Prozent im Jahr 2015 auf 3,2 Prozent in 2016 stieg. Hier haben europäische und deutsche Hersteller einen deutlichen Anteil.

Wichtigster Abnehmer in Europa: Automobilindustrie

Weltweit wurden 2016 die meisten Halbleiter in Geräten und Systemen der Kommunikationstechnik verbaut – mit einem Anteil von 31,5 Prozent, 5,8 Prozentpunkte weniger als 2015. In Computern landeten 2016 mit 29,5 Prozent der Halbleiter, 0,7 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor. Die Segmente Industrie und Automobil verzeichnen dagegen beide eine Zunahme – 2,2 Prozentpunkte bzw. 1,5 Prozentpunkte auf 12,9 Prozent bzw. 11,6 Prozent. Nach vielen Jahren des Rückgangs konnte für das Segment Unterhaltungselektronik im letzten Jahr eine Steigerung des Marktanteils um 2,5 Prozentpunkte auf 13,5 Prozent registriert werden. Diese Werte lassen sich jedoch nicht auf Europa oder Deutschland übertragen. In Europa bildet die Automobilindustrie den wichtigsten Abnehmer von Halbleitern mit einem Anteil von 33 Prozent, gefolgt von dem Segment Industrieelektronik mit 23 Prozent. Beide Branchen haben in Deutschland seit 2000 auch für ein deutliches Wachstum des Gesamtumsatzes beigetragen – Automobil: 103 Prozent (weltweit 243 Prozent); Industrie: 49 Prozent (weltweit 177 Prozent).