Sensordaten per Software nutzbar machen »IT beißt sich die Zähne aus«

Viele Unternehmen möchten gerne Sensordaten zur Entscheidungsfindung nutzen. Dazu ist viel IT-Wissen nötig, das aber erst dann zum Zuge kommen kann, wenn die Daten auch aus dem Sensor ausgelesen und passend aufbereitet wurden.
Viele Unternehmen möchten gerne Sensordaten zur Entscheidungsfindung nutzen. Dazu ist viel IT-Wissen nötig, das aber erst dann zum Zuge kommen kann, wenn die Daten auch aus dem Sensor ausgelesen und passend aufbereitet wurden.

Maschinendaten decken Optimierungspotenziale für die Produktion auf und ermöglichen neue Geschäftsfelder. Dafür müssen sie aber erst einmal ausgelesen und aufbereitet werden. IT-Fachkräfte alleine können das meist nicht bewältigen, verriet Christoph Papenfuss von Osisoft im Interview.

Elektronik: Herr Papenfuss, Ihre Firma beschäftigt sich seit 35 Jahren mit dem Auslesen von Maschinendaten. Diese Kompetenz ist durch den Trend Industrie 4.0 gefragter denn je. Hat nun Ihre große Stunde geschlagen?

Christoph Papenfuss: Ganz falsch ist das sicherlich nicht. Da wir schon sehr lange auf diesem Gebiet tätig sind, kennen wir alle gängigen Kommunikationsprotokolle und auch solche, die sozusagen sehr exotisch sind. Über unsere PI-Software lassen sich Daten aus über 450 Standards auslesen, aufbereiten und visualisieren. Diese Breite ist einzigartig am Markt und ein großer Vorteil für uns.

 

Die Nutzung von Maschinendaten zur Optimierung der Produktion oder zur Bereitstellung neuer Dienstleistungen ist ein sehr allgemeines Konzept der Industrie 4.0. Was wird heute konkret umgesetzt?

Papenfuss: Eine Methode zur Effizienzsteigerung, die ein großer Chemiekonzern betreibt, ist der Vergleich von verschiedenen Produktionsstandorten, an denen dieselben Produkte mit denselben Prozessen hergestellt werden. Die zeitliche Schwankungsbreite kann hier bis zu sechs Stunden betragen und anhand der Produktionsdaten lässt sich ermitteln, weshalb der eine Standort denselben Herstellungsprozess sechs Stunden schneller durchführt als der andere.
Ein weiteres Beispiel ist die Kostensenkung im Bergbau. Ein Minenbetreiber nutzt dort die Motordaten seiner Transportfahrzeuge zur Erkennung und Beseitigung von Schlaglöchern. In der Regel bremsen die Fahrer vor einem Schlagloch ab und beschleunigen zum Herausfahren relativ stark, was letztlich die Kosten in die Höhe treibt. Ein solches Verhalten lässt sich per Software schnell erkennen, durch das Definieren von Schwellenwerten für gewisse Parameter. Werden sie in charakteristischer Weise über- oder unterschritten, schickt die Wartungszen­trale ein Team los. Sind die Motordaten noch mit Geodaten kombiniert, wissen die Wartungsmitarbeiter auch gleich, wo sich das Schlagloch befindet.