»Historische Lücke« geschlossen Hintergründe zur B&R-Übernahme durch ABB

Durch den Kauf von Bernecker&Rainer erweitert der Schweizer Elektrokonzern ABB sein Angebot um Speicherprogrammierbare Steuerungen, Industire-PCs und Servomotoren für die Industrieautomatisierung. ABB-Geschäftsführer Ulrich Spiesshofer sprach von einer historischen Lücke, die nun geschlossen sei.

Als die wichtigste strategische Firmenübernahme in der Geschichte von ABB bezeichnete Ulrich Spiesshofer den Kauf von Bernecker&Rainer (B&R) mit Stammsitz in Österreich. Für die Industrieautomatisierung bietet ABB Sensorik und Analysetools, Antriebe und Antriebssteuerungen, Fertigungs- und kollaborative Roboter und auch Prozessleitsysteme an. Seit jeher fehlt es aber an Speicherprogrammierbaren Steuerungen, Industrie-PCs und Servomotoren für die Maschinen- und Fabrikautomation. Gewissermaßen ein Geburtsfehler, wie Spiesshofer es ausdrückte. Mit der Übernahme von B&R und seinen 3000 Mitarbeitern – darunter etwa 1000 Entwickler und Applikationsingenieure – kann ABB sein Sortiment nun in diesem Punkt erweitern und eine für lange Zeit klaffende Lücke schließen. Damit sei ABBs Angebot in der industriellen Automatisierung komplettiert, ohne dass es ungewollte Überlappungen mit dem B&R-Portfolio gebe, erklärte Spiesshofer weiter.

Integration von B&R in ABB

Die Übernahme ist laut ABB voraussichtlich im Sommer 2017 abgeschlossen. Danach wird das österreichische Unternehmen als Teil der ABB-Division Industrieautomation den neuen Geschäftsbereich Maschinen- und Fabrikautomation bilden. Geleitet wird er vom B&R-Geschäftsführer Hans Wimmer. Für den Zeitraum der Firmenzusammenlegung werden die beiden Firmengründer, Erwin Bernecker und Josef Rainer, für ABB als Berater tätig sein.

Die Wachstumsgeschichte des Unternehmens (durchschnittlich 11 Prozent über die letzten zwanzig Jahre) soll auch nach der Integration fortgeschrieben werden. Das mittelfristige Umsatzziel wurde mit 1 Mrd. US-Dollar ausgegeben; aktuell erwirtschaftet B&R etwa 600 Mio. US-Dollar.

Die Entwicklung von offenen Systemarchitekturen für die Maschinen- und Fabrikautomation und der relativ hohe Investitionsgrad in Forschung und Entwicklung wird laut ABB beibehalten werden. Das bei B&R vorhandene Fachwissen für die Entwicklung von Simulationssoftware und für webbasierte Visualisierung wird das digitale Angebot der Schweizer (ABB Ability) ergänzen.

Gemessen am Umsatz ist Siemens der klare Marktführer in der Industrieautomatisierung. Danach folgt ABB mit seiner neuen Tochter B&R, die Geschäftsbeziehungen zu etwa 4000 Maschinenbaukunden unterhält, auf Platz zwei.