Interview mit Dr. Peter Wawer, Infineon Wir müssen unser Systemverständnis noch weiter stärken

Unser Power-Redakteur Ralf Higgelke mit Dr. Peter Wawer (rechts), dem neuen Division President Industrial Power Control (IPC) bei Infineon Technologies.
Unser Power-Redakteur Ralf Higgelke mit Dr. Peter Wawer (rechts), dem neuen Division President Industrial Power Control (IPC) bei Infineon Technologies.

Seit Juli 2016 leitet Dr. Peter Wawer die Geschäftssparte Industrial Power Control (IPC) bei Infineon Technologies. Die DESIGN&ELEKTRONIK fragte ihn nach seinen ersten Eindrücken in der neuen Position, welche Ziele er ansteuert und welche Übernahmen Infineon noch anpeilt.

Herr Dr. Wawer, seit Sommer 2016 sind Sie Division President IPC. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus? Ich denke, Ihr Vorgänger Dr. Helmut Gassel, hat Ihnen eine hervorragend aufgestellte Division übergeben, oder?

Dr. Peter Wawer: Absolut. Die Division steht gut da und liefert verlässlich gute Ergebnisse. Es macht wirklich Spaß, in diesem neuen Umfeld und mit den Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten. Die ersten Wochen habe ich intensiv dafür genutzt, den Markt und unsere Kunden kennenzulernen. Dies bedeutete tiefreichende Diskussionen, vor allem mit unseren Leitkunden in den verschiedenen Regionen weltweit. Das war für mich essenziell, um mir die unterschiedlichen Themen besser zu erschließen. Dabei habe ich viel Wertvolles im Hinblick auf unsere Wettbewerbsfähigkeit gelernt, wie die Kunden unsere Produkte sehen und welche Erwartung sie uns gegenüber haben.

Das war also zum einen der Blick nach außen, aber wichtig war auch der Blick nach innen, auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Da galt es, das Team kennenzulernen: Stärken, Schwächen, Potenziale. Denn nur mit diesem Team können wir gewinnen. Es geht ja letztlich darum, unsere hervorragende Marktposition nicht nur zu verteidigen, sondern zu entscheiden, in welchen Bereichen wir besonders wachsen wollen.

Sie werden sicher auch eigene, neue Akzente für IPC setzen. Welche sind dies, und warum?

Infineon war schon immer technologisch sehr stark. Unser überproportionales Wachstum in den letzten Jahren hängt vor allem damit zusammen. Darauf können wir zu Recht stolz sein, und auch in Zukunft wollen wir uns durch technologische Kompetenz vom Wettbewerb differenzieren und erfolgreich bleiben. Allerdings wird das nicht ausreichen. Unsere Ingenieurs-Expertise müssen wir kombinieren mit einem noch besseren Go-to-Market-Ansatz und noch mehr Kundenverständnis. Wir wollen unsere technologische Kompetenz zum größten Nutzen unserer Kunden einsetzen, um Produkte zu definieren, die für sie den größten Mehrwert schaffen.

Etwas, was ja Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon, als Marschroute ausgegeben hat.

Ganz genau, die Unternehmensstrategie von Infineon, verdichtet im strategischen Ansatz »vom Produkt zum System«. Von der Technologie über das Produkt kommend, wollen wir vor allem unser Systemverständnis noch mehr stärken, also besser verstehen, wohin sich die Systeme unserer Kunden weiterentwickeln. Dadurch können wir unsererseits die Entwicklung rechtzeitig starten, um zum richtigen Zeitpunkt die auf Kosten und Performance optimierten Produkte anbieten zu können.

Wir sind bei IPC überzeugt: »One size does NOT fit all« – ein Einheitsprodukt ist eben nicht für alle Anwendungen die passende Lösung. Wenn wir die verschiedenen Märkte und die Kunden in diesen Märkten besser verstehen, können wir im Idealfall sogar Halbleiterlösungen anbieten, an die der Kunde noch gar nicht gedacht hat. Da wollen wir hin.

Das ist also Ihre Maßgabe für die nächste Zeit?

Dies ist ganz klar ein Schwerpunkt. Ein weiterer Schwerpunkt sind die neuen Halbleitermaterialien, sprich Wide-Bandgap-Halbleiter wie vor allem Siliziumkarbid und Galliumnitrid. Bei diesen neuen Materialien verfolgen wir ambitionierte Ziele und haben entsprechend noch viel vor in den nächsten ein, zwei Jahren.

Was fasziniert Sie an der Leistungselektronik?

Schon während meines Studiums hat mich Leistungselektronik interessiert, insbesondere die erneuerbaren Energien. Deshalb habe ich auch im Bereich Fotovoltaik promoviert. Bei Siemens Halbleiter arbeitete ich danach in der ersten Zeit als Technologie-Entwickler. So schließt sich der Kreis, angefangen beim Studium und meiner frühen Berufstätigkeit: Thematisch bin ich jetzt da, wo meine berufliche Laufbahn begonnen hat. Es ist zwar das erste Mal, dass ich bei Infineon ganz intensiv mit Leistungselektronik und erneuerbare Energien verbunden bin. Aber da schwingen auf jeden Fall noch viele Emotionen bei mir mit – und einiges an Know-how.