Interview mit Analog-Guru Bob Dobkin »Wir haben von Digital sehr profitiert«

Bob Dobkin, Mitbegründer und CTO von Linear Technology, an seinem Arbeitsplatz.
Bob Dobkin, Mitbegründer und CTO von Linear Technology, an seinem Arbeitsplatz.

Bob Dobkin ist eine lebende Legende in der analogen Schaltungstechnik. DESIGN&ELEKTRONIK hat den CTO von Linear Technology gefragt, wie sich analoge Schaltungen weiterentwickelt haben, inwiefern die Analogtechnik von der Digitaltechnik profitiert hat und manches mehr aus beinahe 50 Berufsjahren.

DESIGN&ELEKTRONIK: Bob, wie lange entwickeln Sie schon analoge ICs? Was war ihr erstes Design?

Bob Dobkin: Ich begann 1968 für Bob Widlar bei National Semiconductor zu arbeiten. Damals gab es zwar bereits Operationsverstärker, aber keiner davon war schneller als ein Megahertz. Und so entwarf ich den LM318, ein Baustein der bis zwanzig Megahertz geht. Meines Wissens nach wird er immer noch produziert.

Wie viele ICs haben Sie seit 1968 entworfen?

Vielleicht waren es 25, aber Schaltungsteile von mir sind in bestimmt 100 bis 200 ICs implementiert.

Was befriedigt Sie besonders beim Entwurf analoger ICs?

Ich empfinde meine Arbeit als interessant und sie bereitet mir Freude. Es ist sehr schwierig, Dinge so zum Laufen zu bringen, wie man sich das vorgestellt hat. Ich finde es sehr anregend, sehr effiziente Schaltungen mit einer minimalen Anzahl Transistoren zu entwerfen. In den späten 1960er, frühen 1970er Jahren mussten die Schaltkreise sehr klein sein, da die Wafer noch klein waren. Auch empfinde ich es als erfüllend, Chips zu entwerfen, die trotz der vielen Prozessvariablen einfach und stabil herzustellen sind.

Was macht einen guten Analogentwickler aus Ihrer Sicht aus?

Geduld sowie der unbedingte Wunsch nach Perfektion. Wenn du es perfekt machen kannst, dann wird auch der Chip perfekt funktionieren und einfach zu fertigen sein. Man darf sich nicht mit weniger als dem allerbesten zufriedengeben. Das war stets mein Ziel beim Entwurf von Schaltungen.

Können Sie uns ein Beispiel dafür geben, was Sie mit »perfekt« meinen?

Der LT4180 beispielsweise hat ein neues Feature, von dem wir wussten, dass es machbar sei, aber nicht wussten wie. Die Idee ist, die Last mit der korrekten Versorgungsspannung zu versorgen. Um das zu gewährleisten, nutzt man normalerweise Fühlerleitungen, aber in diesem Fall ging das nicht, denn der Baustein durfte nur drei Anschlüsse haben. Basta! Ich wusste: Das geht, aber eben nicht wie. Es kostete mich einige Jahre, um schließlich eine Lösung zu finden.

Beim »Virtual Remote Sense« moduliert der Regler auf die Ausgangsgleichspannung eine kleine hochfrequente Wechselspannung. Wenn man über den Eingang der Last einen Kondensator schaltet, ist der Lasteingang HF-mäßig kurzgeschlossen, und der LT4180 kann mithilfe der Wechselspannung und dem resultierenden Wechselstrom die Impedanz der Zuleitung bestimmen und so den Spannungsabfall über die Leitung kompensieren.

Woran arbeiten Sie momentan?

Zurzeit arbeite ich an keinem eigenen Projekt, sondern ich versuche meinen Mitarbeitern dabei zu helfen, ihre Designs zum Laufen zu bringen. Ich arbeite quasi als Mentor. In fünf Jahrzehnten sammelt man so seine Erfahrungen, und deshalb kann ich meinen Mitarbeitern helfen, effizienter zu sein und nicht dieselben Fehler zu begehen wie ich. Außerdem habe ich jetzt die nötige Zeit, Artikel, Datenblätter und Patente zu schreiben sowie unsere neuesten Innovationen beispielsweise der Presse näherzubringen.