Bewegung bei geplanter Übernahme Qualcomm und Broadcom planen Treffen am 14. Februar

Broadcom wagt sich an die größte Übernahme der Halbleitergeschichte - und will sie auch gegen den Widerstand von Qualcomm durchsetzen.
Broadcom wagt sich an die größte Übernahme der Halbleitergeschichte - und will sie auch gegen den Widerstand von Qualcomm durchsetzen.

Qualcomm und Broadcom planen laut Quellen aus dem Silicon Valley, sich übermorgen, also am Mittwoch den 14.2., zu treffen, um über Broadcoms Übernahmeangebot zu sprechen. Es ist das erste Treffen beider Parteien, bei dem über den möglichen Deal diskutiert werden soll.

Das Treffen soll stattfinden, nachdem Broadcom in der vergangenen Woche sein Bar- und Aktienangebot von 70 Dollar auf 82 Dollar pro Aktie erhöht hatte und weitere Zugeständnisse gemacht hat, einschließlich der Zahlung von 8 Mrd. Dollar Trennungsgebühr, falls Anti-Kartellbehörden den Deal blockieren sollten.

Qualcomm will bislang zu diesen Konditionen nicht auf das Geschäft eingehen. In einer Stellungnahme schriebt Qualcomms Aufsichtsratschef Paul E. Jacobs: "Ihr Angebot unterbewertet den Materialwert von Qualcomm." Allerdings sei das Unternehmen bereit, sich erneut an einen Tisch mit dem Verhandlungspartner zu setzen.

Der Kaufpreis pro Anteil teilt sich laut Broadcoms Angebot in 60 US-Dollar in bar und zusätzlich 22 US-Dollar als Anteil in Broadcom-Aktien - insgesamt 82 US-Dollar pro Anteil. Broadcoms CEO Hock Tan sei ebenfalls bereit, sich noch einmal zu treffen. Allerdings sei das Angebot des Herstellers final. Beide Unternehmen beziehen sich in ihren Stellungnahmen dabei auch auf die Interessen ihrer jeweiligen Aktieninhaber.

Im Rahmen der Übernahme von Qualcomm hat Broadcom auch eine Kampagne mit Qualcomm-Aktionären gestartet, um den Vorstand von Qualcomm zu ersetzen. Beide Unternehmen werden sich vor ihrem Treffen am 14. Februar mit den Beratungsunternehmen ISS und Glass Lewis treffen, um zu erörtern, warum die Aktionäre von Qualcomm sie bei einer für den 6. März geplanten Abstimmung unterstützen sollten.

Ein Problem für Qualcomm ist dabei, dass die Übernahme von NXP, welche den Firmenwert selbstredend nach oben treibt, immer noch nicht abgeschlossen werden konnte, ganz im Gegenteil. Nicht nur, dass die chinesischen Regulierungsbehörden immer noch keine Zustimmung vermeldet haben, die Frist für den Erwerb der noch ausstehenden NXP-Aktien musste bereits zum 2. Mal diesmal auf den 23. Februar verlängert werden.

NXPs Geschäftsjahr 2017 spricht für Unterbewertung

Die NXP-Aktionäre argumentieren, dass das Angebot von Qualcomm im Wert von 110 Dollar pro Aktie verbessert werden muss. Sie sind jedoch frustriert, da Qualcomm noch keine Verhandlungen über die Erhöhung des Gebots eröffnet hat, wie man aus Insider-Kreisen im Silicon Valley hört. Was dabei für eine Unterbewertung von NXP spricht, ist das am 7.2. präsentierte Jahresergebnis 2017 von NXP. Obwohl auf den ersten Blick ein Umsatzrückgang von 2,5 % auf 9,256 Mrd. Dollar zu Buche steht, liegt dies alleine an dem Verklauf des Standard-Produktgeschäftes. Dieses ging um 90 % von 1,22 Mrd. Dollar auf 120 Mio. Dollar zurück. Das strategisch wichtige High-Performance-Mixed-Signal-Geschäft wuchs hingegen um 8 % auf 8,745 Mrd. Dollar, Automotive dabei um 11 % und Secure Connected Devices (SCD) sogar um 29 %.

Gleichzeitig muss Qualcomm die chinesischen Aufsichtsbehörden weiterhin überzeugen, den Deal voranzutreiben. Chinas Handelsministerium wartet darauf, dass Qualcomm genügend Zugeständnisse macht, um die Zustimmung zu erhalten. Die Agentur hat Bedenken von inländischen Unternehmen zugetragen bekommen, dass Qualcomm die Lizenzgebühren für Technologie in Bereichen wie mobile Zahlungen erhöhen könnte und dass das kombinierte Unternehmen es den lokalen Chipherstellern erschweren könnte zu wachsen.

Broadcom hatte angeblich letzte Woche eine Zusammenkunft schon am gestrigen Wochenende angestrebt, hat nun aber zugestimmt, sich am Mittwoch zu treffen. Der Kartellrechtsberater von Broadcom, Daniel Wall von Latham & Watkins LLP, sagte vergangene Woche in einer Anhörung bei der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission, Broadcom sei bereit, zwei Qualcomm-Geschäftsbereiche zu verkaufen, um kartellrechtliche Probleme zu lösen. Dies seien seine WiFi-Netzwerk-Prozessoren und HF-Front-End-Chips für Mobiltelefone.