TerraE Eine Akku-Foundry für Deutschland

Sven Bauer, CEO von BMZ, Dr. Ulrich Ehmes, ehemals CEO von Leclanché und Holger Gritzka, CEO von TerraE (v.l.n.r.), erläutern derzeit Interessenten vor allem die Vorteile des Foundry-Konzepts für Industriepartner. Parallel zur Suche nach industriellen Partnern, konzentrieren sich die Gründungsgesellschafter von TerraE derzeit auf die Auswahl die passenden Produktionsstandortes für die geplante Giga-Fabrik.

Think Big! Dieser Devise folgend plant die neue gegründete TerraE den Bau einer Giga-Fabrik für Lithium-Ionen-Zellen in Deutschland.

Ziel des im Mai gegründeten Unternehmens ist es, schrittweise Fertigungskapazitäten von jährlich bis zu 34 GWh bis zum Jahr 2028 aufzubauen. TerraE verfolgt dabei ein Foundry-Konzept. Finanziert werden soll das Vorhaben durch industrielle Partner und Finanzinvestoren. TerraE will mit verschiedenen Zellformaten die Märkte Industrie und Elektromobilität adressieren.

In einer ersten Reaktion auf die Unternehmensgründung zeigte sich Bundesforschungsministerin Johanna Wanka erfreut darüber, »dass durch gezielte Forschung und gute Kooperation mit der Wirtschaft die Grundlage für diese Firmengründung geschaffen wurde«. Sie versicherte, die Batterieforschung in Deutschland weiter zu unterstützen, und damit Impulse für den Ausbau der industriellen Produktion zu geben.

Aktuell konzentrieren sich die drei Gründungsgesellschafter, Sven Bauer von BMZ, Europas führender Hersteller von industriellen Batteriemodulen, Dr. Ulrich Ehmes, ehemals CEO des Schweizer Batterieherstellers Leclanché, und Holger Gritzka, bislang Manager beim Anlagenbauer thyssenkrupp system Engineering, auf die Erläuterung des Business-Konzepts »Foundry« im Bereich der Akku-Produktion und auf erste Sondierungsgespräche zur Standortsuche der im ersten Schritt angestrebten Pilot-Fab mit 1,5 GWh. Die Zeit drängt etwas, denn der erste Spatenstich soll bereits in einem Jahr erfolgen.

Momentan liegt die weltweite Produktionskapazität im Lithium-Ionen-Bereich nach Angaben von Lux Research bei etwa 74 GWh. Bis 2020 erwarten die Analysten einen Ausbau der Produktionskapazitäten auf etwa 240 GWh. Mit Lithium-Ion setzen wir auf die klar dominierende Elektrochemie der Zukunft, versichert auch Bauer. Das Business-Konzept der Foundry TerraE zielt, wie Gritzka erläutert, vor allem darauf ab, industriellen Partnern durch den Einstieg bei TerraE ein höheres Maß an Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Wie Gritzka ausführt, ist im ersten Schritt geplant, mit einem Investitionsvolumen von rund 300 Millionen Euro eine Pilot-Fab zu errichten, die jährlich 1 GWh Rundzellen (18650, 21700) und 0,5 GWh Pouch-Zellen produziert. Als Produktionsstart für diese Pilot-Fab steht das 4. Quartal 2019 im Raum. In einem zweiten Schritt rückt dann nach 2020 auch der Bereich der großen prismatischen Lithium-Ionen-Zellen für Elektrofahrzeuge in den Fokus der TerraE-Aktivitäten. Vor diesem Hintergrund ist dann auch die geplante Steigerung auf bis zu 34 GWh im Jahr 2028 verstehen.

Nach Angaben von Gritzka befinden sich Gespräche mit ersten industriellen Partnern bereits im fortgeschrittenen Stadium. Dabei soll es sich um ein Unternehmen aus dem Power-Tool-Bereich und eines aus der Automationsbranche handeln. Aktuell laufen zudem erste Gespräche mit etwa einem halben Dutzend Bundesländer, die eventuell für den Standort der Foundry in Frage kommen. »Wir gehen mit einer Liste von 20 Punkten in diese Gespräche«, berichtet Gritzka, »zu diesen 20 Punkten zählen neben der wichtigen Frage nach qualifizierten Fachkräften eine ganze Reihe harter und weicher Faktoren«.

Auch wenn bislang noch keine Standortpräferenz absehbar ist, so hat sich das sächsische Wirtschaftsministerium schon einmal dahingehend positioniert, dass man das Konzept einer solchen Foundry mit einer staatlichen Förderung von bis zu 25 Prozent unterstützen könnte. Im Hinblick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, gehen die Initiatoren von TerraE davon aus, dass etwa 70 bis 80 Mitarbeiter pro GWh benötigt werden.

Der Erfolg von TerraE steht und fällt damit, ob es mittelfristig gelingt, in die Top 5 der Batterie- und Akku-Branche vorzustoßen, was die Produktionskapazität angeht. Nur wenn das gelingt, ist die Wettbewerbsfähigkeit garantiert. »Niemand wird bereit sein, einen höheren Preis in Kauf zu nehmen, nur weil wir in Deutschland fertigen«, stellt Bauer fest. Dass es gelingen kann, auch dank des Know-hows des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus, in puncto Preisniveau mit den asiatischen Anbietern mitzuhalten, davon sind die Initiatoren von TerraE überzeugt.

Finden sich in den nächsten Monaten die passenden Industriepartner und Finanzinvestoren, könnte es im zweiten Schritt interessant werden, was die Förderungstöpfe angeht. Engagieren sich zwei EU-Länder in Sachen Giga-Fabrik, wäre eine IPCEI-Förderung eines solchen Projekts möglich. Die Fördersummen würden dann nicht mehr nach hunderten von Millionen Euro bemessen, sondern würden wohl deutlich über 1 Milliarde Euro liegen. Für die Initiatoren von TerraE, gibt es also noch eine ganze Menge zu tun, bevor Ende 2019 wahrscheinlich die ersten Zellen ausgeliefert werden können. Mehr über das Projekt TerraE erfahren Sie in einem Thema der Woche in der Ausgabe 27/2017 der Markt&Technik.