Phoenix Contact Power Supplies »Anlagenverfügbarkeit der Kunden im Fokus«

Michael Heinemann, Phoenix Contact Power Supplies: »Industrie 4.0 findet bei uns seine reale Ausgestaltung in den Geräten der 4. Generation der Quint-Power-Stromversorgungen. Sie lässt sich per NFC am Gerät oder bereits im E-Shop in vielerlei Hinsicht an die Kundenbedürfnisse anpassen – und das bereits ab Stückzahl 1.«

Im neuen Werk in Nanjing im Norden Chinas will Phoenix Contact laut Geschäftsführer Michael Heinemann die Produktionskapazität verdoppeln.

Zudem sollen die Power Supplies aus diesem Werk eine hohe Verfügbarkeit erreichen. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Heinemann mit einem klar zweistelligen Wachstum.

Markt&Technik: Phoenix Contact hat vor drei Jahren seine Stromversorgungsaktivitäten am neuen Standort Paderborn zusammengezogen. Wie hat sich der Bereich Phoenix Contact Power Supplies bisher entwickelt?

Michael Heinemann: So gut, dass wir vor kurzem ein weiteres Gebäude gekauft haben. Unsere Mitarbeiterzahl hat sich in den letzten drei Jahren von 130 auf 170 Mitarbeiter erhöht. Wir sind 2014 in unser Bürogebäude in Paderborn eingezogen. Nun haben wir die angrenzende Produktions- und Logistikhalle übernommen. Neben 20.000 Quadratmetern Hallenfläche haben wir auch Büroflächen von rund 5.000 Quadratmetern hinzubekommen und damit auch unsere Bürokapazitäten erweitert. Das dürfte für die nächsten Jahre reichen.

Sie haben am Standort Paderborn die Bereiche Entwicklung, Marketing und Vertrieb konzentriert. In welchem Maße produzieren Sie in Paderborn?

Etwa die Hälfte der Mitarbeiter dort arbeitet im Bereich der Entwicklung. Durch den Kauf des neuen Gebäudes waren wir jetzt auch in der Lage, hier eine komplette EMV-Absorberhalle einzurichten. Wir nutzen diese Einrichtung entwicklungsbegleitend. Wir schauen nicht erst am Ende der Entwicklung, ob ein Gerät die EMV-Anforderungen einhält, sondern optimieren es laufend während der Entwicklung. Wenn wir dazu immer in das zertifizierte EMV-Labor Phoenix Testlab nach Blomberg fahren müssten, würde das einfach deutlich mehr Zeit kosten. Die Endprüfung der Geräte auf EMV-Verträglichkeit erfolgt aber nach wie vor bei Testlab.

Sie produzieren Ihre Geräte in China. Welche Aufgabe kommt da der kleinen Fertigung in Paderborn zu?

Auch hier hat sich in den letzten drei Jahren einiges getan. Zu Beginn befanden sich in Paderborn nur der Musterbau und eine Kleinserienfertigung, in der sehr viel von Hand erledigt wurde. Heute können wir in Paderborn das komplette Produktionsumfeld unserer Stromversorgungen abbilden. Für uns ist die Pilotlinie in erster Linie wichtig, um am produktionsorientierten Design einer Stromversorgung zu feilen. Erst wenn das Produkt optimal auf die Produktion abgestimmt ist, transferieren wir die Serienfertigung nach China.

Das klingt so, als hätte es da in der Vergangenheit gewisse Abstimmungsprobleme gegeben?

Wir haben ganz einfach festgestellt, dass es wesentlich zeit- und kosteneffektiver ist, wenn die letzte Anpassung an die Produktion hier in Paderborn und nicht erst in China erfolgt. Hier haben alle Beteiligten Zugriff und sind vor Ort. Aus diesem Grund war es für uns so wichtig, hier das komplette Produktionsumfeld abzubilden.

Sie haben vor kurzem eine neue Fertigungsstätte in Nanjing in China in Betrieb genommen. Gab es Probleme mit der alten Fabrik im Süden Chinas, oder brauchen Sie einfach mehr Fertigungskapazität?

Der Grund für diese Entscheidung ist sehr banal: Wir wollten mit einer weiteren, unabhängigen Fertigungsstätte eine noch höhere Verfügbarkeit unserer Produkte sicherstellen. Deshalb haben wir uns auch für eine andere Region entschieden, um hinsichtlich verschiedener Vorkommnisse wie etwa Erdbeben oder andere Naturkatastrophen eine möglichst große Distanz zwischen die beiden Produktionsstätten zu legen und so für ein hohes Maß an Verfügbarkeit zu sorgen. Hinzu kommt natürlich, dass wir unsere Produktionskapazität in den nächsten fünf Jahren verdoppeln wollen. Der Bau einer neuen Fertigungsstätte schien uns da der richtige Weg zu sein. Im letzten Jahr lag unsere Produktionskapazität bei 2,5 Millionen Geräten.

Hat die Wahl des Fertigungsstandortes Nanjing auch Kostengründe? Loten Sie im Norden Alternativen zum Seetransport aus? Stichwort neue Seidenstraße?

Nein, wenn Sie die Gehaltsstruktur in China vergleichen, dann wäre das heute kein Grund mehr, nach Nanjing zu gehen. Hinsichtlich der Transportwege, vor allem nach Europa, beobachten wir das Projekt der neuen Seidenstraße mit Interesse. Wir prüfen aber auch die Möglichkeiten, die uns die transsibirische Eisenbahn bietet.

Welches Leistungsspektrum decken Sie aktuell mit Ihren Geräten ab? Sehen Sie einen Trend zu höheren Leistungen?

Unser Produktspektrum deckt heute Leistungen von 15 W bis 1 kW ab. Das gilt für den Standardbereich. Wenn wir uns die kundenspezifischen Lösungen ansehen, dann können wir dort heute Lösungen liefern, die Ausgangsleistungen von 10 bis 30 kW bieten. Zu einem sehr hohen Prozentsatz handelt es sich bei unseren Produkten um Netzteile. Der Anteil der DC/DC-Wandler ist sehr gering. Im Bereich der Standardnetzteile sehe ich derzeit keinen Grund, noch höhere Leistungen anzubieten. Mit 1 kW als Obergrenze sind wir da sehr gut aufgestellt.