Merck setzt auf OLED-Ink für TV-Geräte Kommen OLED-Panels schon bald aus dem Drucker?

OLEDs waren das beherrschende Thema auf dem Meeting des Deutschen Flachdisplay-Forums e.V. in Darmstadt. Ausrichter des 2-tägigen Treffens der Displayspezialisten war das Chemieunternehmen Merck.
OLEDs waren das beherrschende Thema auf dem Meeting des Deutschen Flachdisplay-Forums e.V. in Darmstadt. Ausrichter des 2-tägigen Treffens der Displayspezialisten war das Chemieunternehmen Merck.

»Aus technologischer Sicht ist das deutlich früher als 2025 machbar«, versichert Dr. Udo Heider, VP OLED&Quantum Materials bei Merck. Der Spezialist für LC-Granulate und auch für OLED-Materialien will mit OLED-Ink der Fertigung von großformatigen OLED-Panels schon bald zum Durchbruch verhelfen

Sofern die TV-Gerätehersteller bereit seien, die hohen Investitionskosten zu stemmen, könnten bereits in »2, 3 Jahren marktreife Produkte auf Basis der OLED-Tinten erhältlich sein«, präzisiert Mercks Vice President.

Display-Experte Prof. Karlheinz Blankenbach von der Hochschule Pforzheim, überdies Vorsitzender des Deutschen Flachdisplay-Forums e.V. (DFF), sagte während des DFF-Meetings Mitte Oktober in Darmstadt, dass dieser Zeitraum durchaus realistisch sei, eine zeitliche Verschiebung könnte allerdings angesichts der enormen Kosten fürs Equipment erfolgen.
Dass etwa die koreanische LG, nach dem Ausstieg von Samsung momentan einziger Anbieter von OLED-Fernsehern, rasch auf die Drucktechnologie umschwenken wird, ist nicht gerade wahrscheinlich. Samsung setzt derzeit ganz auf TFT-Panels, die mit Cadmium-freien Nanokristallen dotiert sind (das Quantum-Material liefert ebenfalls Merck), könnte aber bei einer möglichen Rückkehr zu OLED das neuere Verfahren mit Tinte verwenden. Bei der Fertigung von OLED-Fernsehern auf Basis von OLED-Granulat ist Samsung jedenfalls ein gebranntes Kind: Die zu geringe Ausbeute führte zu wirtschaftlich nicht vertretbaren Herstellungskosten, sodass man nach nicht einmal 2 Jahren die Reißleine zog.
Merck hat in Japan bereits eine Pilotanlage für OLED-Ink aufgebaut, die in der Testphase diverse TV-Gerätehersteller - auch in China - beliefert. Die Kapazitäten der Anlage reichen für jährlich einige tausend OLED-Fernseher aus. Sollte tatsächlich rasch die Stückzahlenproduktion erfolgen, »so wären wir allemal schneller mit der Erhöhung unserer Kapazitäten als die TV-Gerätehersteller mit dem Bau ihrer großen Fertigungsanlagen«, ist sich Heider sicher. Mindestens drei Gründe sprächen für das Druckverfahren mit OLED-Ink im Vergleich mit dem von LG für seine aktuellen OLED-TV-Geräte praktizierten Aufdampfen von OLED-Material: Es sind weniger Prozessschritte erforderlich, was ebenso die Kosten senkt wie die höhere Energieeffizienz, zudem ist die Skalierbarkeit hin zu größeren Diagonalen einfacher umsetzbar. Momentan ist OLED-Ink nur für großformatige Displays geeignet, Heider geht von Diagonalen ab 65 Zoll aus. Für kleine OLED-Displays sind die mit derzeitiger Tinte erreichbaren Pixel noch zu groß. Das Verfahren, bei dem man den Tinten die Halbleiterzutaten beimischt, hat übrigens Merck zusammen mit dem Druckerspezialisten Seiko Epson entwickelt.
Dass Merck aber auch weiterhin erst einmal vorrangig auf die OLED-Granulate setzt, lässt sich daran ablesen, dass Ende letzten Jahres eine neue Anlage in Darmstadt für die Reinigung der Granulate durch Sublimation in Betrieb gegangen ist, für die 30 Mio. Euro investiert worden sind. Basis für diese Entscheidung war sicherlich zum einen die eigene Einschätzung des OLED-Bedarfs, aber auch die Prognosen der ISF (Imaging Science Foundation): Demnach wächst der Bedarf für kleinformatige OLED-Displays in den nächsten 5 Jahren um durchschnittlich 16 %, bei großformatigen Displays steigt aber die Nachfrage um enorme 46 %. Derzeit sind Smartphones noch die Hauptabnehmer von OLED-Granulat, auf sie entfallen 2016 etwa 75 % des Bedarfs, auf OLED-TVs nur 25 %. Sollte die Prognose eintreffen, werden aber bereits binnen 5 Jahren Fernseher auf OLED-Basis die stärkste Nachfrage generieren. Für den Siegeszug von OLED spricht zudem, dass auf der diesjährigen IFA in Berlin Philips, Panasonic und Sony sowie diverse chinesische Hersteller OLED-Fernseher präsentiert haben.