Display-Trends 2017: 5 Fragen an Adkom »Bessere Ablesbarkeit, höhere Farbtreue«

Jochen Frey, Adkom Elektronik: »Die Akzeptanz für PMOLEDs ist in jüngerer Vergangenheit stark gewachsen.«
Jochen Frey, Adkom Elektronik: »Die Akzeptanz für PMOLEDs ist in jüngerer Vergangenheit stark gewachsen.«

Auch 2017 »wird der Trend zu Verbesserungen in puncto Blickwinkel, Kontrast, Ablesbarkeit und höherer Farbtreue anhalten«, ist Adkom-Geschäftsführer Jochen Frey überzeugt.

Markt&Technik: Gibt es denn überhaupt noch Bedarf für derartige Verbesserungen?
Jochen Frey, Adkom Elektronik: Ja, obwohl es Stand heute kaum noch Einschränkungen gibt. So können auch ältere Displaytechnologien etwa mit VA-Folien oder Z-Achsen-Polarisatoren dieses moderne Erscheinungsbild ebenfalls leisten. Unser Fokus liegt im Vergleich mit den Elektronikriesen auf mittelständischen Unternehmen und somit bei kleineren bis mittelgroßen Bedarfsmengen. Bei dieser Kundengruppe sieht das Forderungstableau für ein spezifisches Produkt und dessen praktischer Umsetzung in neue Produkte vielfältiger aus. Bedürfnisse und Auswahlkriterien in der Consumer Electronic gehen eindeutig mehr in die Richtung »State of the Art«-Technologie. Für das Gros unserer Industriekunden gilt dies auch, aber es kommt noch hinzu, dass dort meist in wesentlich längeren Produktlebenszyklen gedacht werden muss. Denken die einen in Kategorien von wenigen Jahren bis zum Ersatz durch ein Nachfolgeprodukt, sind es in der Welt unserer Kunden Zeiträume von teileweise 10 Jahren und länger, die es planerisch zu bedenken gilt. Das bedeutet, dass ein vielschichtigeres Gerüst an Entscheidungskriterien entsteht, das in unsere Design-Empfehlungen Eingang finden müssen. Zusätzlich zu den Anforderungen an eine zukunftsfähige Technologie stehen Fragen zur Langzeitverfügbarkeit, zur Zuverlässigkeit und einer möglichst hohen Kosteneffizienz im Raum, die es gilt, gleichberechtigt zu werten. Auch Überlegungen hinsichtlich einer einfachen Austauschbarkeit spielen vielfach eine große Rolle, wie uns beispielsweise der TFT-Markt gelehrt hat. Oftmals sind geänderte Display-Interfaces und -Treiber der Grund für eine EOL-Stellung, in den meisten Fällen gibt es einen Nachfolger mit denselben mechanischen Abmessungen. Wer nun die Anbindung zwischen Display und Controller austauschbar gestaltet hat, stößt auf weniger Probleme beim Re-Design seiner Hardware.

Wie setzt sich das Portfolio ihres Unternehmens derzeit zusammen?
Die Adkom Elektronik ist seit nunmehr 25 Jahren im Displaymarkt aktiv. Unsere Kernstärke liegt seit Gründung des Unternehmens in der Entwicklung kundenspezifischer Displays und Dienstleistungen rund um diese. Die für uns gängigen Bilddiagonalen liegen daher bei Größen von kleiner 1,0 bis hin zu 15,0 Zoll und lassen sich auf die meisten gängigen Technologien übertragen. Erweitert hat sich unser Dienstleistungsspektrum von einer Design-Beratung hin zu komplexen Steuerungen, Platinen und embedded Systemen. Somit haben wir seit Jahren konsequent Schritte hin zu einem am Markt bekannten Value-Added-Lieferanten vollzogen, was sich in einem breiten Spektrum an Dienstleistungen ausdrückt. Stand vor vielen Jahren lediglich die Entwicklung des Displays im Vordergrund, geht es heute verstärkt um komplette Steuereinheiten in all ihren Facetten.

Welche LCD-Technologie dominiert und welche führen ein Nischendasein?
Aus meiner Sicht sind zwar zum Beispiel alphanummerische Module und Standard-7-Segmenter als einzige Typen stark rückläufig, was aber auch die Lebenszyklen der entsprechenden Produkte widerspiegelt. Viele haben jetzt ihren Zenit überschritten und bedürfen eines Re-Designs. Technologien wie PMVA und FFSTN erfreuen sich aktuell einer größeren Aufmerksamkeit als Alternative für ältere Anzeigen. Oftmals ist der vorherrschende Kostendruck der Faktor, dem technische Neuerungen bei nicht wenigen Applikationen entgegenwirken. Für stromkritische Anwendungen ist dies ebenfalls ein Aspekt. Von einer übergreifenden Ablösung herkömmlicher Display-Technologien kann im Industriesektor daher noch nicht die Rede sein. Der Bedarf an Monochromen Displays ist nach wie vor gegeben.

Wie sieht Adkom die zukünftigen Chancen von OLED in der Industrie, was sind noch Handicaps und könnten statt OLEDs eher Quantum-Dot-Displays zum Zuge kommen?
Die Akzeptanz für PMOLEDs ist in jüngerer Vergangenheit stark gewachsen. Durch signifikante Verbesserungen in der Lebensdauer können sie ihre Vorteile in Bauhöhe und der Verwendung ohne Hinterleuchtung ausspielen. Bessere Schwarzwerte und ein höherer Kontrast tragen allgemein dazu bei, PMOLEDs als Alternative zu kleineren TFTs bzw. monochromen Grafikmodulen zu sehen. Natürlich müssen bei Verwendung von OLEDs softwareseitig Vorkehrungen für eine Minderung von Einbrennrisiken getroffen werden. Unserer Meinung nach werden in näherer Zukunft aktive Matrix-OLEDs nicht über Gebühr in der Industrie eingesetzt, weil es noch kein entsprechendes Angebot für den industriellen Mittelstand gibt und die Hauptabnehmer aus den Reihen der Consumer-Elektronik kommen. Quantum-Dot-Displays sind sicherlich eine tolle Alternative für OLEDs, aber auch diese sind bisher nur im Consumer-Bereich vertreten. Der Einsatz in der Industrie hat bis dato noch die Hürde der Schwermetallbelastung. In unserer reglementierten Normenwelt wäre eine Cadmium-Freiheit eine echte Notwendigkeit.

Wird LVDS als native Schnittstelle in naher Zukunft abgelöst und wenn ja: durch welche – oder gibt’s künftig keine dominierende mehr, sondern eine Koexistenz diverser nativer Interfaces?
Eine generelle Aussage, wohin die weitere Entwicklung bei Schnittstellen geht, ist zum heutigen Tag außerordentlich schwer zu treffen. Man kann die unterschiedlichen Interfaces den verschiedenen Displaydiagonalen bzw. Auflösungen zuordnen und es wird wohl auf lange Zeit hin tatsächlich auf eine Koexistenz der unterschiedlichen Schnittstellen hinauslaufen. Während die CPU bzw. SPI-Interface hauptsächlich bei kleinen, niedrig auflösenden Displays verwendet wird, sind RGB-Interfaces dominierend im Bereich ab 2,2 bis etwa 10 Zoll und bei Auflösungen bis hin zu WXGA. Die LVDS-Schnittstelle kommt bei Größen ab 6,5 Zoll für Auflösungen von bis zu 8k zum Einsatz. Daher sehe ich derzeit noch keine Ablösung des LVDS-Standards. Während die Masse der Industrieanwendungen sich im Bereich zwischen 2,4 und 10,1 Zoll konzentriert, werden RGB und Konsorten noch lange weiter im Einsatz sein. Für uns steht eine reine Marktbetrachtung durch die Technikbrille somit nicht im Vordergrund. Dort stehen für uns immer der Kunde, seine Wünsche und Möglichkeiten im Fokus.

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Ein Fokus von Adkom liegt auf E-Paper-Displays