RoodMicrotec / Interview »Auf Zuverlässigkeit, Qualität und Liefertreue kommt es an«

Martin Sallenhag, RoodMicrotec

Nach schwierigen Jahren hat RoodMicrotec wieder auf die Erfolgsspur zurückgefunden. Wir sprachen mit Martin Sallenhag, CEO des Unternehmens, über die Neuausrichtung.

Markt&Technik: Vor neun Jahren sind die niederländische Rood Testhouse International N.V. und die deutsche Microtec GmbH zu RoodMicrotec verschmolzen. War das im Hinblick auf die damalige weltweite Finanzkrise nicht recht gewagt?

Martin Sallenhag: Der Merger zwischen Rood und Microtec war ein guter und absolut richtiger Schritt, der das Unternehmen wirklich nach vorne gebracht hat. Unser Portfolio überlappte sich stellenweise, in anderen Bereichen ergänzte es sich hervorragend. Indem wir die unterschiedlichen Kompetenzen jeweils an einem Standort gebündelt haben, konnten wir Synergien nutzen und natürlich auch Kosten sparen. Beides war in der damals nicht ganz einfachen Situation genau das, was wir brauchten.

Und doch hat es einige Jahre gedauert, bis RoodMicrotec nachhaltig auf die Erfolgsspur zurück gefunden hat…

Nach der Übergangsphase haben wir gesehen, dass es so wie bislang nicht weitergehen konnte. Wir mussten etwas anders machen. Vor allem mussten wir langfristiger planen können, nicht nur die Spitzen ausgleichen, wenn unsere Kunden selber die Kapazitäten gerade nicht frei hatten. Das hatte nämlich zur Folge, dass wir in der einen Woche völlig ausgebucht waren, in der nächsten nur wenig zu tun hatten. Die längerfristige Planung in den Griff zu bekommen war die Hauptaufgabe und der eigentliche Grund für unsere Neuausrichtung.

Blickt man auf die neueren Umsatzzahlen, scheint das durchaus gelungen zu sein. Wie ist der aktuelle Stand?

Nun, es ist heute mehr denn je eine Partnerschaft statt einer Kunde-Lieferanten-Beziehung. Wir steigen jetzt deutlich früher in die Projekte ein und übernehmen größere Teile der Supply-Chain für den Kunden. Dadurch können wir unsere Kapazitäten besser planen. Die Dienstleistungen, mit denen das Unternehmen groß geworden ist, beispielsweise die Fehleranalyse und Test, führen wir natürlich weiter. Das ist prozessrelevant für unsere Stammkunden, die uns zum Teil seit mehr als 15 Jahren begleiten.

Aber mehr denn je ist es heutzutage wichtig, das Supply-Chain-Management für den Kunden zu übernehmen, sodass er sich ganz auf seine Entwicklung, seine Idee und deren Umsetzung konzentrieren kann. Alles andere nehmen wir ihm ab und er braucht sich damit nicht mehr zu belasten. Zu Beginn eines Projektes kann das noch ein relativ geringer Auftragsumfang sein, denn oft ist es zunächst nur die Prototypenphase, in der unsere Test- und Qualifikationsdienstleistung in Anspruch genommen wird. Wenn der Kunde aber erst einmal sieht, was wir ihm alles abnehmen können, wird es interessant. Denn dann sind wir auch in der Serienphase mit von der Partie. Letztendlich können und wollen wir das Back-End für den Kunden sein – und damit durchaus ein gutes Maß der Gesamtverantwortung tragen. Für den Kunden ist das auch ein gutes Gefühl. Wenn er uns an seiner Seite weiß, kann er große Teile seines Projektes schon gleich abhaken – nach dem Motto „Diesen Punkt brauche ich nicht zu bedenken, dafür habe ich RoodMicrotec“. Das A und O dabei ist, dass man als Partner ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit, Qualität und Termintreue bietet. Darauf muss sich der Kunde verlassen können.

Ihr Umsatz verteilt sich zu je 40 % auf den Industrie- und den Automotive-Markt, 20 % entfallen auf Medizintechnik und andere Applikationen. Wie positionieren Sie sich in diesen Zielmärkten?

Industrie 4.0 ist vor allem in Deutschland ein hochaktuelles Thema, das viel Zukunftspotenzial birgt. Dabei wird es vor allem um lange Laufzeiten und dauerhaften Support gehen. Hier sehe ich uns im Vorteil gegenüber den großen Mitbewerbern: Die stellen den Support für ältere Bauteile nämlich irgendwann ein, wenn nicht pro Jahr Stückzahlen von 1 Million oder mehr abgenommen werden. Wir hingegen sind klein und flexibel genug, diese Anforderungen über viele Jahre zu halten. Die Automobilindustrie ist in einer spannenden Phase: Hybrid- und Elektrofahrzeuge sind im Kommen, ebenso autonome Fahrzeuge. Das Interessante dabei: Beides kommt gleichzeitig. Das bringt für alle Beteiligten eine Menge Herausforderungen mit sich. Aber auch Chancen, wenn man sich gut darauf einstellt. Hinsichtlich der Medizintechnik sehe ich eine gute Zukunft für Europa. Gerade hier entstehen viele interessante Ideen für medizintechnische Anwendungen wie etwa Lab-on-Chip, z.B. für die Blutanalyse oder auch Retina-Implantate. Dennoch wird dieser Markt für uns noch nicht das Volumen des Industrie- oder Automotive-Segments erreichen.

Streben Sie mittel- bis langfristig eine Verschiebung Ihrer Zielmärkte an?

Nein. Unser Ziel ist es, diese Verteilung zu halten. Die breite Aufstellung auf diese drei Märkte ist für uns von elementarer Bedeutung. Automotive und Industrie sind traditionell stark in Europa und auch die Medizintechnik ist hierzulande sehr innovativ. Damit sehen wir uns gut und sicher aufgestellt für die Zukunft.