EU sagt wohl ja zu NXP-Übernahme Was bedeutet das für Broadcom?

Wie die Grafik von Statista zeigt, kämen Qualcomm und Broadcom einfach aufaddiert  auf einen Marktanteil von 8,4 Prozent. Zudem ist Qualcomm gerade dabei, NXP zu übernehmen. Dann müsste auch der dieser Anteil in Höhe von 2,7 Prozent dazu gerechnet werden, so dass der theoretische Angteil von 11,1 Prozent erreicht würde.
Wie die Grafik von Statista zeigt, kämen Qualcomm und Broadcom einfach aufaddiert auf einen Marktanteil von 8,4 Prozent. Zudem ist Qualcomm gerade dabei, NXP zu übernehmen. Dann müsste auch der dieser Anteil in Höhe von 2,7 Prozent dazu gerechnet werden, so dass der theoretische Angteil von 11,1 Prozent erreicht würde.

Ende des Jahres wird die EU Qualcomm voraussichtlich grünes Licht für die Übernahme von NXP geben. Das dürfte Broadcom gefallen.

Im Moment diskutieren die Experten eifrig darüber, ob die Übernahme von Qualcomm für Broadcom sinnvoll ist. Schon darüber dass NXP Freescale übernommen hatte, haben so manche die Stirn gerunzelt und der Kauf  von NXP durch Qualcomm hat für einige Falten mehr auf den Analystenstirnen geführt. Umso größer die Aufregung über den Schritt von Broadcom. Bedeutet er den Aufbruch in neue Märkte wie Automotive und dem Internet of Things? Oder steht am Ende doch nur eine noch größere Konzentration auf Smartphone-Chips? Wie wird sich ein solcher Deal auf das derzeit wegen Patentstreitigkeiten getrübte Verhältnis zwischen Qualcomm und Apple auswirken? Der Fragen stellen sich noch viele mehr. Doch Broadcom-CEO Hock Tan stürmt unbeeindruckt voran.

Und dass, wo doch noch offen ist, ob die Behörden der EU dem Kauf von NXP durch Qualcomm zustimmen werden. Bloomberg will jetzt erfahren haben, dass die Kommission der EU die Übernahme noch in diesem Jahr durchwinken werde. Wenn der Kauf wie geplant tatsächlich ohne weitere Schwierigkeiten über die Bühne geht, wird Qualcomm, die bisher vor allem Chips für Smartphones lieferte, zum führenden Anbieter von ICs für den schnell wachsenden Automotive-Markt aufsteigen, nachdem NXP zuvor schon Freescale geschluckt hatte. Qualcomm setzt mit dem 47-Mrd.-Dollar-Kauf einen neuen Rekord: Die bisher größte Übernahme in der Halbleitergeschichte.

Doch dieser Rekord könnte schon demnächst übertroffen werden: Eben wenn es Broadcom gelingen sollte, seinerseits Qualcomm zu übernehmen. Derzeit sind dafür Summen zwischen 103 und 130 Mrd. Dollar im Gespräch.

Feindliche Übernahme

Das gegenwärtige Angebot ist Qualcomm allerdings zu niedrig, weshalb Hock Tan bereits in den Kampfmodus gewechselt ist und klar gestellt hat, dass er auch eine feindliche Übernahme nicht scheue. Erfahrung in Übernahmen hat er genügend gesammelt, hat er doch erst Avago über fünf große Zukäufe seit 2013 groß gemacht und Avago in Broadcom umgetauft, nachdem es sich 2015 die bisherige Broadcom für 37 Mrd. Dollar einverleibt hatte.

Derzeit ist Broadcom zudem dabei, Brocade zu übernehmen. Das stößt in den USA auf Widerstände, denn bei Broadcom handelt es sich um ein Unternehmen mit Sitz in Signapur. Das gefällt dem Committee on Foreign Investment in the United States (CIFUS) nicht und nicht zuletzt aus diesem Grund hatte Hock Tan mit großem Tam Tam angekündigt, den Firmensitz in die USA »zurückverlegen« zu wollen.

»Zurück« deshalb, weil nicht nur die Broadcom 1991 in den USA gegründet wurde, sondern auch weil Vorgänger Avago sich auf zahlreiche amerikanische Wurzeln berufen kann, drunter so illustre Namen wie Hewlett Packard und AT&T. So könnte er die amerikanischen Behörden milde stimmen, zunächst für den Kauf von Brocade, der in 5,9 Mrd. als geradezu als klein erscheint, dann aber für allem in Hinblick auf den Einkauf von Qualcomm.

Die Regulierungsfragen

Wer Spaß an juristischen Problemen hat, kann weiter darüber nachdenken, was wohl die Regulierungsbehörden in aller Welt zu den Plänen von Hoch Tan sagen werden. Wenn nun die europäische Kommission dem Kauf von NXP durch Qualcomm zustimmt, was wird sie wohl über Broadcom denken? Und wenn es wie oben angedeutet, gelingen sollte, die US-Behörden zu Befürwortern der größten Übernahme in der Chipgeschichte zu machen – dann wird es interessant, wie die chinesischen Stellen reagieren. Denn nicht nur die USA haben ihre eigenen Interessen, auch China verfolgt die Strategie, das eigene Land groß zu machen. Diese Strategie ist langfristig angelegt und sicherlich nicht nur am nächsten Deal orientiert, der sich zufällig so einstellt.