Der Rollout startet jetzt Digimondo – Low-Power-WANs für Smart Cities

Low-Power-Wide-Area-Networks bilden eine kostengünstige und effektive Infrastruktur, über die die Dinge im IoT sehr effektiv miteinander kommunizieren können – solange die Datenraten relativ gering sind.

Digimondo setzt auf den LoRa-Standard, um auf dieser Basis neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen - bis hin zu Smart Cities. "Wir wollen Städte smart machen", sagt Marcus Walena, CEO von Digimondo.

Digimondo ist ein junges Unternehmen mit Sitz in Berlin und Hamburg, das sich auf den Aufbau der Infrastruktur von Low-Power-WANs spezialisiert hat und dazu Infrastrukturen auf Basis von LoRa-Technologie aufbaut. "Wir wollen in Deutschland die Nummer 1 unter den Anbietern von Low-Power-WLANs werden und legen jetzt mit dem Rollout von LoRa in Deutschland richtig los", sagt Marcus Walena. Da trifft es sich gut, dass Digimondo nicht irgendein Start-up mit einer guten Geschäftsidee ist, sondern eine Tochter von E.ON Deutschland.

Digimondo hat bereits einige Pilotprojekte in Deutschland aufgesetzt, beispielsweise in der Stadt Gehrden bei Hannover. In diesem Fall sorgt die LoRa-Infrastruktur dafür, dass Stromzähler automatisch ausgelesen werden. Die Idee zum Projekt entstand im April 2015. Schon im Juni 2015 konnten 25 Stromzähler installiert werden, die ihre Verbrauchsdaten über LoRa übertragen. "Wir konnten das Projekt so schnell umsetzen, weil wir Hard- und Software-Entwickler beschäftigen, die die Entwicklung in Zusammenarbeit mit den Kunden schnell vorantreiben", erklärt Walena.

Das Pilotprojekt hat nach seinen Worten gezeigt, dass LoRa seine Vorteile im Metering voll ausspielen kann: Es ermöglicht die Kommunikation über vergleichsweise lange Distanzen, und es bietet eine sehr gute Abdeckung in geschlossenen Räumen. In Gehrden arbeitet ein Zähler sogar unter dem Boden eines Schwimmbades - "das ist wie in einem Bunker", so Walena - und die Kommunikation klappt trotzdem. Für die Kommunikation selber sorgt ein IC von Semtech. Walena: "Weil wir mit allen Beteiligten, vom IC- über den Modem- und Zählerhersteller bis zum Backend, eng zusammengearbeitet und alles intern entwickelt haben, gab es kaum Probleme an den Schnittstellen."

Das heißt nicht, dass alles ganz einfach war. Ein Schlüssel für den Erfolg bestand darin, dass es gelungen ist, den Protokoll-Overhead um alles zu bereinigen, was nicht unbedingt für die Kommunikation gebraucht wurde. Erst so wurde die vollständige Abdeckung möglich, wie der Zähler unter dem Schwimmbad eindrucksvoll zeigt. Und hier kommt wieder ein Vorteil von LoRa ins Spiel: "Wir haben bei LoRa die volle Kontrolle über das gesamte System, einschließlich der Kommunikation zu den Kunden. Wir haben sogar unser eigenes Netzwerk-Software-Betriebssystem entwickelt. Unter anderem wurde es erst dadurch möglich, den Protokoll-Overhead zu reduzieren." Das eigene Betriebssystem und das Know-how im eigenen Haus sieht er deshalb als wichtige Differenzierungskriterien an. Erst wenn alles aus einer Hand komme, könne das System optimal aufgebaut werden, so dass die Kunden von einer preiswerten, reibungslos funktionierenden und einfach zu bedienenden Technik profitierten.

Und darauf kommt es an: Denn die Endanwender wollen sich erstens nicht mit der Technik herumschlagen, zweitens wollen sie die volle Kontrolle, und drittens wollen sie keine zusätzlichen Kosten. Genau das leistet die Infrastruktur. Die Zähler lassen sich sehr preiswert fertigen, und auch die Betriebskosten für das Gesamtsystem sind gering. Wie viel für einen Zähler zu bezahlen ist, will Walena im Moment noch nicht sagen, der Preis läge aber deutlich unter dem, was heute in den Medien an Zahlen genannt werde.

In großen Städten zieht LoRa jetzt ein
 
Mit den Erfahrungen aus diesem Projekt und den anderen Piloten in Deutschland ist sich Marcus Walena jetzt sicher, dass das ganze System stabil funktioniert und im großen Stil ausgerollt werden kann. In Hamburg und Berlin stehen die Netze bereits, in diesem Jahr folgen München, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Essen und Düsseldorf. Außerdem baut Digimondo die LoRa-Infrastruktur an deutschen Flughäfen, See-Häfen und in einem Smart-City-Projekt in Tschechien auf. Darüber hinaus entwickelt Digimondo mit weiteren Herstellern auch Zähler für Gas und Wasser, die ab Sommer dieses Jahres erhältlich sein sollen.

Digimondo baut seine LPWAN-Netze für Premium-Sendequalität und -Abdeckung auf, dazu müssen pro Stadt bis zu 100 LoRa-Antennen aufgebaut werden, je nachdem ob die Landschaft bergig oder flach ist und wie die Bebauung der Stadt aussieht. Die mit den Modems ausgestatteten Geräte kommunizieren dann direkt mit den Antennen. Im Pilotprojekt in Gehrden in der Nähe von Hannover gibt es keine Hochhäuser, und die Landschaft ist flach, so dass die Entfernung zwischen Geräten und Antenne bis zu 3 km betragen darf.