Trends 2018: Displays OLEDs – vom LCD-Jäger zum Gejagten?

Prof. Dr. Blankenbach von der Hochschule Pforzheim.

Schon lange verharren OLEDs als LCD-Nachfolger in den Startlöchern. Apple könnte nun den Startschuss gegeben haben, aber μLEDs und QLEDs setzen schon zum Überholmanöver an. Ein Gastkommentar von Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach.

2018 könnte das Jahr des Durchbruchs für die organischen Leuchtdioden (OLEDs) im Display-Bereich werden, nachdem nunmehr auch Apple auf diese Technologie in seinem neuesten iPhone setzt. Die Aussage dürfte zumindest für kleine Diagonalen richtig sein. Samsung produziert ja schon seit Jahren OLEDs für die hauseigenen Smartphones. Preislich liegen hochqualitative LCDs und OLEDs bei den für Smartphones typischen Größen in etwa gleichauf, sodass die Vorteile der OLED bezüglich Bautiefe und »Always On Display« und gekrümmtes Design voll zum Tragen kommen.

Etwas anders sieht es bei größeren Diagonalen aus: wenige Tablets, keine Laptops und PC-Monitore sowie vergleichsweise wenige Fernseher sind mit OLEDs ausgestattet. Es läuft also auf die Frage hinaus, ob in der OLED-Technologie das Potenzial steckt, um von der Premiumnische in den preissensitiveren Mid-Range-Markt zu expandieren. Dort könnten gedruckte OLEDs eine mögliche Lösung eröffnen. Im Bereich professioneller und industrieller Displays konnten OLEDs, bis auf kleinformatige, monochrome Character- und Passiv-Matrix-Grafikanzeigen bisher nicht Fuß fassen.

 

LCD-Technologie passt aktuell am besten zur Monitor- und Fernsehindustrie

Die aktuellen Trends in der Monitor- und Fernseh-Branche lauten High Dynamic Range (HDR) und ein größerer Farbraum. Beide Eigenschaften sind auch für den »Laien« im Showroom leicht erkennbar. HDR nach ST 2084 fordert u. A. eine Leuchtdichte von 10.000 cd/m² und REC 2020 fordert praktisch monochromatische Farborte.

Beide Trends sind mit OLEDs schwer umzusetzen: Eine Hohe Leuchtdichte erhöht die Einbrenngefahr und reduziert die Lebensdauer; REC 2020 lässt sich für die Color-by-White-TVs (Fertigungsprinzip von LG) nicht umsetzen. Auch die RGB-OLED-Emitter (Fertigungsprinzip von Samsung, das aber wirtschaftlich nicht auf TV-Format skalierbar ist) besitzen Emissionsspektren, die nicht schmalbandig genug sind. Hinzu kommt noch der Trend zum Stromsparen, der bei Fernsehern vom Gesetzgeber mitbestimmt wird.

Also doch LCDs als Sieger? Hier ist ja die Lichterzeugung von der Graustufenmodulation getrennt, und somit können höchste Leuchtdichten prinzipiell einfach durch mehr Backlight-LEDs erzielt werden. Der größere Farbraum REC 2020 ist durch Quantum-Dot-Backlight-Folien erreichbar und wird in Form von Samsungs High-End-LCD-TVs bereits heute angeboten.

Also könnte der Gewinner tatsächlich LCD lauten, gerade auch wegen des unkomplizierten Aktive-Matrix-Backplanes im Vergleich zu emissiven Prinzipien.