Das war der Wireless Congress 2016 Vor dem nächsten Boom

Zum 13. Mal fand auf der Electronica 2016 der Wireless Congress Systems & Applications statt.

Industrie 4.0, industrial Internet und IoT beflügeln die Entwicklung neuer Funktechniken. Aktuelles Beispiel sind Low Power Wide Area Networks (LPWAN), denen ein rapides Wachstum prophezeit wird. Gleich mehrere Funkverfahren konkurrieren hier untereinander – und mit dem Mobilfunk.

Mit dem Thema „Wireless for Wide Area with Low Power“ hat sich der diesjährige Wireless Congress Systems & Applications den aktuellen Trend zu Low Power Wide Area Networks (LPWAN) als Motto gewählt. Bisher waren die Versorgungsunternehmen, z.B. für Energie und Wasser, nahezu alleinige Anwender dieser noch neuen Funktechniken. Doch bereits für nächstes Jahr sagen die Marktforscher von IHS Markit ein starkes Wachstum für den Einsatz von LPWAN in Industrieapplikationen voraus. Für die folgenden Jahre bis 2019 erwarten sie sogar ein noch wesentlich höheres Wachstum für LPWAN-Techniken, das zum überwiegenden Teil durch industrielle Applikationen getrieben wird. Im Jahr 2019 sollen fast 80 Mio. LPWAN-fähige Geräte für den Einsatz in der Industrie ausgeliefert werden, von insgesamt wenig mehr als 110 Mio. LPWAN-Geräten (Bild 1).

Dann werden insgesamt 191 Mio. Geräte per LPWAN kommunizieren, 105 Mio. allein in industriellen Applikationen. Diese Daten präsentierte Dale Ford, Technology Vice President & Chief Analyst von IHS Markit (Bild 2), in seinem Vortrag „LPWAN & M2M Applications“ mit dem er den Wireless Congress 2016 auf der Electronica am 9. November einleitete.

Im zweiten Eröffnungsvortrag legte Prof. Dr.-Ing. Hans D. Schotten, Universität Kaiserslautern und Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (Bild 3), den Fokus auf die Funkkommunikation für Industrie 4.0 – auf die fünfte Mobilfunkgeneration und LPWAN. Er machte deutlich, dass die Anforderungen an 5G weit über die Bedürfnisse der Produktionsautomatisierung im Rahmen von Industrie 4.0 hinausgehen. Mit 5G sollen zu den Kommunikationsanforderungen der Industrie auch die Versorgungswirtschaft, die Transport- und Logistikbranche und Anwendungen in Automobilen adressiert werden können. Dazu gab er einen Überblick zu den Arbeiten innerhalb des deutschen Forschungsprogramms „Zuverlässige, drahtlose Kommunikation in der Industrie“ [1].

Begrüßt wurden die Teilnehmer des 13. Wireless Congress Systems & Applications von Prof. Dr.-Ing. Axel Sikora, Hochschule Offenburg und Hahn-Schickard Gesellschaft für Angewandte Forschung e.V. (Bild 4), der den Kongress eröffnete. Er moderierte auch die Podiumsdiskussion am zweiten Kongresstag zum Thema „Low Power Wide Area Networks for Industrial IoT – Licensed versus Unlicensed Bands?“.

Im Rahmen der Diskussion hob Aurelius Wosylus, Director Sales & Partners bei Sigfox in Deutschland, hervor, dass die bisher eher träge Mobilfunkbranche, als Reaktion auf die Einführung der LPWAN-Techniken im lizenzfreien Sub-GHz-Band, in weniger als einem Jahr neue Standards wie LTE Cat NB1 verabschiedet hat. Er lenkte auch das Augenmerk auf preissensitive Applikationen, für die eine Kommunikation per Mobilfunk schlicht aus Kostengründen gar nicht in Frage käme.