Nokia-CEO Stephen Elop Vom Katastrophenmanager zum Totengräber

Sinkende Marktanteile, wohin man nur schaut: Vor genau einem Monat haben wir an dieser Stelle die vier schlimmsten Fehler von Nokia-CEO Stephen Elop analysiert und dachten, schlimmer geht es nicht mehr - weit gefehlt! Ein zartes Pflänzchen Hoffnung, das neue Smartphone N9, von der Presse und Kunden gefeiert, wurde von Elop sofort wieder zertrampelt. Zudem hat er einen der weltgrößten Provider, AT&T, vergrault, so dass sich die Frage stellt: Arbeitet Elop wirklich für Nokia oder doch noch für seinen Ex-Arbeitgeber Microsoft?

Egal, was der Markt entscheidet, Nokia-CEO Stephen Elop zeigt sich beratungsresistent und setzt weiterhin konsequent auf Windows Phone - zum Entsetzen der ausbleibenden Kunden und der Telekommunikationsanbieter, denen die Integration von Skype das Geschäft kaputtmacht.

Dabei könnte sich Elop, um die richtigen Schlüsse zu ziehen, einfach die aktuellen Verkaufszahlen des taiwanischen Handy-Herstellers HTC, dessen Umsatz im Mai um 114 % und im Juni um 88 % über dem der entsprechenden Vorjahresmonate lag und dessen Marktanteil mittlerweile bei 11 % liegt, ansehen. HTC ist nämlich der einzige Hersteller, der sowohl Android- als auch Windows-Phone-Smartphones (als Microsofts größter Partner in den Handy-Industrie) produziert und die Verkäufe getrennt ausweist. Hier ist das Ergebnis: Im ersten Quartal 2011 verkaufte HTC 9,7 Mio. Smartphones, davon 9,3 Mio. mit Android und 400.000 mit Windows Mobile und Windows Phone - zusammengerechnet. Dieses Verhältnis von 23:1 zu Gunsten von Android gegenüber 2 (!) Microsoft-OS hat nunmehr dazu geführt, dass HTC offen sagt, seine Aufmerksamkeit weg von Microsoft hin zu Android zu lenken - eine wenig überraschende und wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung. Selbst Microsoft-CEO Steve Ballmer musste auf der Microsoft Partner Conference in Los Angeles einräumen, dass Windows Phone "bisher ein Reinfall ist".

Nun aber zu Nokia und Stephen Elop. Das kürzlich vorgestellte Smartphone N9 mit dem Betriebssystem MeeGo, das Nokia in Zusammenarbeit mit Intel entwickelt hatte und dessen Weiterentwicklung mittlerweile von Elop eingestampft wurde, ist laut Fach- und Wirtschaftspresse das beste Gerät seit Jahren aus dem Hause Nokia. Sogar die Investorenherzen hüpften vor Freude, der Wert von Nokia-Aktien - man mag es kaum glauben - stieg nach der Ankündigung rasant an. Elop hätte ja nun diese Erfolgsstory so weit wie möglich ausschlachten und Anweisung geben können, diese sensationelle Smartphone-Linie möglichst schnell mit Nachfolgegeräten auszubauen. Es wäre vermutlich nichtmal zu spät gewesen, Intel wieder ins Boot zu holen, ein Freundschaftsbesuch in Santa Clara bei Boß Paul Otellini, angesichts der Tatsache, dass Intel mit Macht ins Geschäft mit Mobilgeräten strebt, hätte der Chipgigant einem Werben von Elop vermutlich nicht widerstehen können.

CTO Richard Green, der erst im Mai 2010 zu Nokia gekommen war und sich für eine Weiterentwicklung von MeeGo ausgesprochen haben soll, hat jedenfalls schon seine eigenen Schlüsse hinsichtlich Elops "Strategie" gezogen: Er hat sich vorläufig bis zum Jahresende beurlauben lassen, dass er überhaupt nochmal zurückkommt, erscheint fraglich.

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Handy-Chef Stephen Elop als Totengräber

Durch katastrophale Fehlentscheidungen trägt Nokias Ex-CEO Stephen Elop die Verantwortung für einbrechende Aktienkurse, sinkende Marktanteile und den Boykott durch die wichtigsten Telekommunikations-Provider.

Was aber macht Elop? Statt zu überlegen, wie man das N9 und MeeGo vorantreiben kann, präsentiert er in einer "geheimen Session", von der einen Tag später ein Video auf YouTube auftaucht,  ein Windows-Phone-Smartphone, das bis auf einem Knopf identisch zum N9 aussieht. Die Folge: Nokias Aktienkurs entwickelt sich wieder in die bekannte Richtung - nach unten.

Das Beste folgte jedoch wenig später: "Selbst wenn das N9 und MeeGo ein Erfolg werden sollten, wird kein weiteres MeeGo-Handy geben", ließ sich Elop öffentlich zitieren. Diese abstruse Einstellung, nämlich sich nicht an erfolgreichen Produkten zu orientieren, gipfelte darin, dass Elop auch noch alles dafür tat, dass nichtmal das N9 hohe Verkaufszahlen erreichen kann: Er traf die Entscheidung, dass das N9 in den sechs größten europäischen Märkten (Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Niederlande) erst gar nicht verkauft wird. Kein Kunde darf sich an MeeGo und dem N9 erfreuen, stattdessen wurden exakt diese sechs Länder für den Start des ersten Windows-Phone-Smartphones aus dem Hause Nokia definiert. Wir halten also fest: Die für Nokia wichtigsten Märkte dürfen nicht durch MeeGo verbrannt werden, damit alle Kunden später brav Windows Phone kaufen. Auf die Idee, dass die Kunden einfach statt Nokia-Handys Geräte anderer Hersteller mit Android oder Apple-OS kaufen könnten, weil Sie - wie durch HTC und andere Hersteller bewiesen - Windows Phone einfach nicht haben wollen, kommt Elop scheinbar nicht.

Spätestens hier stellt sich die Frage, wessen Interessen Elop eigentlich vertritt: Die der Nokia-Aktionäre, die möglichst hohe Profits sehen wollen, oder die seines Ex-Arbeitgebers Microsoft, der sein Betriebssystem Windows Phone - bislang vergeblich - im Markt etablieren will - entscheiden Sie selbst. Auf jeden Fall hat seine "Strategie" schon ein Ergebnis erzielt: Nokia musste die Preise seiner Handys um durchschnittlich 15 % senken, wodurch die wirtschaftlichen Verluste weiter ansteigen dürften.