Embedded-Computer Wer bei Kontron jetzt die Fäden zieht

Baut das neue Geschäftsfeld Smart Energy massiv aus: CEO Hannes Niederhauser.
Hannes Niederhauser, Vorstand S&T AG.

Nachdem der frühere Vorstand Rolf Schwirz verbrannte Erde hinterlassen hat, zieht jetzt ein alter Bekannter bei Kontron die Fäden im Hintergrund.

Nach starken Verlusten und der Entlassung des Vorstands zur Mitte des Jahres kündigt Kontron erneut ein Restrukturierungsprogram an. Um das Ergebnis zu verbessern sollen 300 Mitarbeiter gehen. Bei ingesamt 1200 Angestellten ist das fast ein Viertel der Belegschaft.

Nachdem Vorstand Rolf Schwirz im Juli seinen Hut nehmen musste hatte der damalie Aufsichtsratsvorsitzende Sten Daugaard den Posten des Vorstands übernommen. Schon im November hatte Daugaard dann allerdings angekündigt, dass er seine Position zur Verfügung stellt. Außerdem traten die Aufsichtsratsmitglieder Rainer Erlat (Vorsitzender), Harald Joachim Joos und Martin Bertinchamp von ihren Ämtern zurück – laut Pressemitteilung, um den Platz für eine Neubesetzung des Aufsichtsrats frei zumachen, die »die neue Aktionärsstruktur reflektiert«.

Inzwischen ist klar, wer der neue Aktionär ist: die österreichische S&T. Sie hat von den bisherigen Investoren Warburg Pincus und Triton Partners einen Anteil von 29,9 Prozent an der Kontron AG erworben und dazu inzwischen auch die kartellrechtliche Freigabe erhalten.Die freigewordenen Aufsichtsratsposten werden mit Richard Neuwirth, Michael Jeske und Michael Roider besetzt, alle drei Führungskräfte der S&T.

S&T ist ein IT-Systemhaus mit Sitz im österreichischen Linz. Vorstandsvorsitzender ist Hannes Niederhauser, der Kontron nach dem Verkauf durch BMW Ende der neunziger Jahre mit zwei anderen Firmen vereint und im Jahr 2000 an die Börse gebracht hatte. Nach der Übernahme mehrerer anderer Firmen, u.a. PEP Modular Computers, Kaufbeuren, und Jumptec, Deggendorf, stieg Kontron schnell zum Marktführer im Embedded-Computing auf. Nach eigenen Angaben ist Kontron noch immer Nummer zwei im weltweiten Embedded-Computing-Markt. Hannes Niederhauser hatte nach dem Rückzug aus Vorstand und Aufsichtsrat von Kontron in die S&T investiert und sich dort engagiert. Als Kontron sich im Zuge der Restrukturierung auf den neuen Standort Augsburg konzentriert hatte, half S&T bereits dem ehemaligen Kontron-Werk in Roding, um in Eigenregie als »Roding Embedded« weiter zu produzieren. Inzwischen wurde Roding Embedded in die S&T AG integriert und Michael Roider, seinerzeit Entwicklungsleiter, hat nun einen Sitz im Kontron-Aufsichtsrat bezogen.

Dass Niederhauser nun drei seiner Führungsleute im Aufsichtsrat installieren konnte, zeigt, wer jetzt bei Kontron das Sagen hat – auch wenn Niederhauser selbst nicht direkt in Erscheinung tritt. Für die notwendige Kapitalerhöhung, um den Kontron-Deal zu finanzieren, konnte Niederhauser seinen taiwanischen Fertigungspartner Ennocon gewinnen, zu dem auch Kontron Geschäftsbeziehungen pflegt. Mit 2400 Mitarbeitern ist S&T übrigens doppelt so groß wie Kontron vor der bevorstehenden Entlassungswelle. Die strategische Perspektive sieht so aus, dass Kontron durch Kooperation mit Ennocon und Synergieeffekte mit S&T wieder in die Gewinnzone und in ruhigere Fahrwasser geleitet werden soll. Ennocon tritt dabei als Fertigungsdienstleister auf während S&T die Kontron-Geräte als Systemintegrator in Komplettlösungen wie Cloud-Infrastruktur oder Netzwerksicherheit übernehmen könnte.

Update 6.12.:

In einer Ad-hoc-Meldung hat Kontron bekanntgegeben, dass der Aufsichtsrat Hannes Niederhauser mit sofortiger Wirkung als COO zum Mitglied des Vorstands bestellt hat.

Bilder: 10

Kontron-Fertigung in Augsburg

Ein Besuch im neuen Kontron-Headquarter in Augsburg und ein Gang durch die Industriecomputer-Fertigung.