Elektronik-Zeitreise Computerland DDR?

Der P 8000 compact aus den Elektro-Apparate-Werken in Treptow, DDR, kann als Abteilungsrechner eingesetzt werden.
Der P 8000 compact aus den Elektro-Apparate-Werken in Treptow, DDR, kann als Abteilungsrechner eingesetzt werden.

Diese Woche jährt sich die deutsche Wiedervereinigung zum 27. Mal. Das nehmen wir als Anlass, in unserer Elektronik-Zeitreise einen Bericht zu veröffentlichen, der einen Blick auf die PC- und Computer-Landschaft in der DDR wirft. Im Frühling 1990, also wenige Monate vor der Wiedervereinigung.

Das innovative Niveau der Hardware aus DDR-Produktion liegt um Jahre hinter der westlichen Technik zurück. Trotzdem ist die DDR auf diesem Gebiet kein Entwicklungsland. Mit Hilfe von westlichen Firmen wollen die DDR-Computerhersteller in den nächsten Monaten die Produktion hochfahren, um mit neuen Geräten zumindest auf dem eigenen Markt konkurrenzfähig zu sein.

Er stand bei dieser Frühjahrsmesse in Leipzig noch etwas alleine auf dem Stand des größten DDR-Computerherstellers, der EC 1835 turbo von Robotron. Aber immerhin, er war der erste 386er-Rechner aus dem DDR-Vorzeigekombinat.

Gerade eine Woche vor Messebeginn als Prototyp im Robotron-Büromaschinenwerk Sömmerda fertiggeworden, mit einem 386er-Prozessor aus westlicher Herstellung ausgestattet und mit 16 MHz getaktet, stellt dieser Rechner die Spitzenleistung der DDR-Computerindustrie dar. War in Leipzig noch von einem Preis von 40.000 DDR-Mark die Rede, so hieß es eine Woche später in Hannover auf der Cebit: »Das ist nicht mehr diskutabel, der Rechner wird 4600 DM kosten.«

Gefertigt  werden soll der serienmäßig mit einer 20-Mbyte-Festplatte ausgestattete EC 1835 turbo ab Herbst 1990 im thüringischen Sömmerda – mit dem Original-Intel-Prozessor und weiteren zugekauften Baugruppen. Die COCOM-Bestimmungen, die bisher die Einfuhr dieser Baugruppen in die DDR verhindert haben, spielen nach Aussagen der Robotroniker »in der Praxis keine Rolle mehr«.

In Sömmerda will auch das taiwanesische Computer-Unternehmen Aquarius demnächst Personal Computer für den europäischen Markt fertigen.

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150.000 bis 200.000 Computer pro Jahr werden gebraucht

Für die nächsten Jahre rechnet der Robotron-Generaldirektor Friedrich Wokurka mit einem Bedarf von »mindestens 150.000 bis 200.000 Personal Computern jährlich« für die DDR. Aus eigener Kraft werden die Betriebe des Landes diese Nachfrage nicht decken können.

Workurka: »Wir sind nicht gegen eine Öffnung unseres Marktes für PC-Hersteller aus dem Westen.« In der Praxis ist dies schon längst geschehen: Zwischen 150.000 und 250.000 westliche Rechner – meist allerdings einfache Heimcomputer wie der Commodore VC64 – haben in den letzten Jahren den Weg in die DDR gefunden. Heute bieten überall in der DDR kleine Unternehmen Rechner aus westlicher Produktion und den dazugehörigen Service an. Die großen Hersteller sind mittlerweise selbst vor Ort aktiv, beispielsweise Atari.

Wenn erst die Währungsunion zwischen der DDR und der Bundesrepublik da ist, fällt auch die letzte Schranke, die fehlenden Devisen der DDR-Anwender.

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