Interview mit Volker Koppert »Breit aufstellen und zugleich beweglich bleiben«

Mensch-Maschine-Schnittstellen applikationsspezifisch realisieren

Bei den Schnittstellen in elektronischen Geräten handelt es sich meist um Leiterplatten-Klemmen und -Steckverbinder, die je nach Einsatzfall verschieden hohe Ströme übertragen. Volker Koppert (Phoenix Contact) spricht mit Elektronik-Redakteur Alfred Goldbacher über aktuelle Lösungsansätze.

Elektronik: Verbindungstechnologien sind so vielfältig wie ihre Einsatzgebiete. Welche neuen Lösungen können Hersteller ihren Kunden heute noch bieten?

Volker Koppert: Echte Innovationen müssen sich nicht nach dem technisch Machbaren richten, sondern nach aktuellen und künftigen Marktanforderungen. Dabei kommt es nicht zwangsläufig nur auf höhere Leistungsfähigkeit an. Entscheidend für den Markterfolg sind auch Gesamtkostenbetrachtungen über den Lebenszyklus einer Technologie, einer Komponente, eines Gerätes oder einer Anlage. Eine Frage, die wir uns als Hersteller immer wieder aufs Neue stellen müssen, ist: Wie können wir unsere Kunden bei dieser Gesamtbetrachtung unterstützen?

Und wie lautet die Antwort?

Koppert: Eine einzige Antwort darauf gibt es nicht. Genau deswegen müssen wir uns technologisch breit aufstellen und trotzdem beweglich bleiben. Beispiele sind weiterentwickelte Schnellanschlusstechnologien wie hebelbedienbare Federanschlüsse, prozessoptimierte Through-Hole-Reflow-Komponenten für die hochautomatisierte Montage oder branchenspezifische Lösungen für die Beleuchtungsindustrie. Häufig sind die zugrunde liegenden Technologien für die jeweilige Anwendung angepasst und die verwendeten Materialien bekannt. Der Kunde profitiert dann von der hohen Zuverlässigkeit, von vereinfachten Montageprozessen oder vom optimierten Design.

Ein gutes Stichwort. Welche Rolle spielt Design für Ihre Kunden?

Koppert: Wie in der Konsumgüterindustrie, spielen auch in der Industrieelektronik Optik und Haptik eine Rolle. Wenn beispielsweise eine Leiterplattenklemme eine bestimmte Farbe oder Form haben soll, so muss diese mit Kriterien wie Funktionalität und Betriebssicherheit in Einklang gebracht werden. Der Auswahlprozess und die Übernahme in das Gerätedesign können wegen notwendiger Qualifizierungen und Normierungen daher mehrere Monate dauern. In dieser Zeit kann sich auch das technische Design nochmals ändern. Auf diese Zyklen müssen wir als Hersteller auch betriebswirtschaftlich eingestellt sein, um den Prozess begleiten und auch Änderungen umsetzen zu können.

Worin besteht denn für Sie als Hersteller in diesem Fall die Herausforderung?

Koppert: Die Herausforderung ist, dass wir als Hersteller das finanzielle Risiko für unsere Werkzeuge tragen. Wir investieren damit kurzfristig in ein langfristiges gemeinsames Erfolgsversprechen. Das kann sich nur erlauben, wer finanziell stabil aufgestellt ist und unterschiedliche Märkte bedienen kann.

Gab und gibt es im Laufe der letzten Jahre Tendenzen, welche Anschlusstechniken diese Märkte bevorzugen oder eher ablehnen?

Koppert: Die Märkte haben sich lokal sehr stark diversifiziert. Je nachdem, welche Industrien den lokalen Markt beherrschen, sind dort robuste Leistungsanschlüsse, komfortable Schnellanschlüsse oder besonders hohe Packungsdichten gefragt. Daher umfasst unser Produktprogramm allein in diesem Bereich mehr als 40.000 Produkte. Nur so können wir unseren Kunden immer die am besten geeignete technische Lösung für die Anforderungen des Marktes anbieten.

Was spricht aus technischer oder kommerzieller Sicht für den robusten Schraubanschluss und wo kommt er hauptsächlich zum Einsatz?

Koppert: Der große Vorteil des Schraubanschlusses ist seine Einfachheit. Weltweit versteht jeder Anwender intuitiv das Prinzip einer Schraube.
Das Vertrauen in diesen einfachen Arbeitsschritt ist entsprechend hoch. Schraubendreher ansetzen – festziehen – fertig.