smartPORT-Traffic-Light-Projekt Eine Handvoll Sicherheit

Kleiner Aufkleber, große Wirkung: Mit Hilfe von RFID-Tags werden auch Personen von der intelligenten Ampel erkannt.
Kleiner Aufkleber, große Wirkung: Mit Hilfe von RFID-Tags werden auch Personen von der intelligenten Ampel erkannt.

Startschuss für eine bessere Verkehrsführung: Die erste intelligente Ampel im Hamburger Hafen soll den LKW-Verkehrsfluss optimieren und Personen schneller und sicherer durch das immer stärker befahrene Hafenareal leiten.

„Wir werden unsere Verkehrsprobleme nicht allein mit Stahl und Beton lösen können.“ So bringt Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch die prekäre Lage der Hansestadt auf den Punkt. Schon die Anfahrt zur ersten intelligenten Ampel tief im Hamburger Hafen bestätigt diese Einschätzung nachdrücklich: Baustelle reiht sich an Baustelle, das Verkehrsaufkommen ist hoch, und die Ampelschaltung scheint eher auf dem Zufallsprinzip als auf einer gezielten Verkehrssteuerung zu beruhen.

 

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Das smartPORT-Traffic-Light-Projekt

Das smartPORT-Traffic-Light-Projekt

Eine wirklich intelligente Ampelsteuerung kann dagegen maßgeblich zu einer Verbesserung des Verkehrsflusses beitragen. Eine solche Anlage mit dem Projektnamen „smartPORT Traffic Light“ wurde nun an der Kreuzung von Kattwykdamm und Moorburger Elbdeich in Betrieb genommen. Mit Hilfe der Vehicle-to-X-Kommunikation (V2X) erkennt die Ampel, wenn sich Fahrzeuge oder Personen der Kreuzung nähern. Technisch kommen dabei zwei verschiedene Systeme zum Einsatz: Die Kommunikation zu den Fahrzeugen erfolgt mittels des WLAN-Derivats 802.11p. Mit einem entsprechenden Transmitter ausgerüstete Fahrzeuge können dann innerhalb eines Radius von rund zwei Kilometern ihre aktuelle Position und Geschwindigkeit sowie weitere Daten an die die Ampel übertragen.

Großes Interesse an intelligenten Lösungen

Für die Erkennung von Fußgängern kommen RFID-Tags zum Einsatz. Diese lassen sich als Aufkleber etwa an der Kleidung oder einer Tasche anbringen. Die intelligente Ampel erkennt solche Tags allerdings nur dann, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe befinden. Alle eingehenden Informationen überträgt das Ampelsystem per Mobilfunk an ein Backend, wo die eigentliche Datenverarbeitung und Verkehrssteuerung stattfindet. Über eine Verlängerung der Grünphase beim Eintreffen einer Kolonne oder die Übertragung einer Geschwindigkeitsempfehlung an die Fahrzeuge soll der Verkehrsfluss optimiert werden. Gerade im Hafengelände sind viele mit schweren Containern beladene Lkws unterwegs, für die jeder stärkere Brems- und anschließende Beschleunigungsvorgang eine erhebliche Steigerung des Kraftstoffverbrauchs und damit auch des CO2-Ausstoßes bedeutet.

Entsprechend groß ist das Interesse sowohl der Hamburger Hafenbehörde HPA als auch der Logistik-Initiative Hamburg an einer intelligenten Verkehrssteuerung. Bis September soll die intelligente Ampel erprobt werden, dann fällt die Entscheidung, ob und wie schnell die rund 70 Ampeln im Hamburger Hafen umgerüstet werden. Die benötigte Hardware soll pro Ampel zwar nur einen zweistelligen Euro-Betrag kosten, allerdings müssen natürlich auch alle Lkws, die davon profitieren wollen, eine entsprechende Onboard-Einheit erhalten. Auch eine Ausweitung des Konzepts auf die gesamte Stadt Hamburg ist möglich: „Wir sind grundsätzlich bereit, größere finanzielle Investitionen für eine Umrüstung der Infrastruktur zu tätigen“, so Horch.

V2X auf dem Weg zum Serieneinsatz

Die Technik für die drahtlose Kommunikation über V2X und RFID stammt von NXP, die zudem auch für Datenschutz und -sicherheit zuständig sind. Als weiterer Projektpartner hat Siemens die Ampelanbindung sowie die verkehrstechnischen Anpassungen begleitet. Kurt Sievers, Geschäftsführer von NXP Deutschland, kann sich bei der Vorstellung des smartPORT-Traffic-Light-Projekts einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Ich habe mich immer darüber beschwert, dass wir die Technik zwar an unserem Innovationsstandort Hamburg entwickeln, sie dann aber von anderen Städten wie etwa Singapur angewendet wird.“ Umso mehr freue er sich, dass die V2X-Technik nun in auch in Hamburg zum Einsatz komme.

Grundsätzlich sieht Sievers die V2X-Kommunikation auf einem guten Weg: „Die Ankündigung von GM mit dem neuen Cadillac CTS diese Technik nächstes Jahr auf die Straße bringen zu wollen, ist sicherlich ein wichtiges Signal für die gesamte Branche.“