PowerScope RTM3004 Schweizer Taschenmesser mit Skalpell

DESIGN&ELEKTRONIK-Ressortredakteur Dr. Constantin Tomaras will es genau wissen: Mit diversen Spezialtastköpfen am RTM3004 analysiert er die Leistungsintegrität seines Raspberry Pi Modell 3B, von der AC-Netzspannung am Eingang bis hin zum 1,8-V-DC/DC-Wandlerausgang auf der Platine.
DESIGN&ELEKTRONIK-Ressortredakteur Dr. Constantin Tomaras will es genau wissen: Mit diversen Spezialtastköpfen am RTM3004 analysiert er die Leistungsintegrität des Raspberry Pi Modell 3B, von der AC-Netzspannung am Eingang bis hin zum 1,8-V-DC/DC-Wandlerausgang auf der Platine.

Zum Produktstart evaluiert der Praxisbericht eine späte Betaversion des RTM3004: Sein rauscharmes FrontEnd ergibt eine kleinste Spannungsbasis von 500 µV und adressiert mit dem ProbeInterface und bis zu 1-GHz-Bandbreite insbesondere Leistungsintegritätsmessungen an eingebetteten Schaltungen.

Am Rohde & Schwarz-Oszilloskop RTB2000 [10-bit-A/D-Wandler, 10,1-Zoll-Touchscreen (WXGA), bis zu 300-MHz-Bandbreite] ragte vor allem Nutzerführung und Signalanzeige heraus: Die Design&Elektronik-Leser kürten das Gerät bei der Leserwahl 2017 zum »Innovator des Jahres«. Knapp ein Jahr nach Markteinführung erhebt Rohde & Schwarz dieses Konzept im Vorfeld der embedded world 2018 mit zwei neuen Geräten zur Serie: die Geräte von 2000er- bis 4000er-Klasse besitzen das gleiche HMI. Zusätzlich wird das 1000er-Gerät RTC1000 vorgestellt, eine Weiterentwicklung von HM1200.

Rezensiert werden das Hard- und Softwaredesign sowie der gebotene Funktionsumfang am Testgerät RTM3004. Sein rauscharmes FrontEnd ergibt eine kleinste Spannungsbasis von 500 μV und adressiert mit dem ProbeInterface (Bild 2) und bis zu 1-GHz-Bandbreite insbesondere Leistungsintegritätsmessungen an eingebetteten Schaltungen. Werkzeuge dafür sind ein großer segmentierter Speicher [max. 5x80 MSa], integrierte Testverfahren und ein Spektrumanalysator.

Gehäuse und Schnittstellen

Gegenüber RTB2000, fällt RTM3000 im Formfaktor 390 mm x 220 mm x 152 mm weniger breit und etwas höher aus: Insgesamt gibt sich das Gehäuse sehr stabil. Mit eingefasstem Tragegriff ist das Gerät bei 3,3 Kg in einem Handgriff portabel. Am Frontaufsatz ergibt sich allerdings eine etwa 2-mm-breite und 2-mm-tiefe Wartungsrille, die man als Schutz vor Verunreinigungen fast mit etwas Silikon auffüllen möchte.

Die Kühlung ist exzellent gelöst: Ein Lüfter mit etwa 9 cm x 9 cm-Stirnfläche saugt die Luft durch die Rückwand an und drückt sie jeweils zu den Seitenflächen wieder aus dem Gehäuse heraus.

Durch die Lüftungswaben (Bild 3) lässt sich seitlich durch das Gerät blicken; die Oszilloskopelektronik ist mit einem Metallkäfig umgeben. Der Lüfterlärm bewegt sich auf etwas höherem Niveau als beim Lautloswunder RTB2000, etwa dem eines Desktop-PCs. (Spezifiziert sind 28,3 dB(A) Schalldruck in 1 m Abstand) Dafür entwickelt das Gerät selbst nach stundenlanger Aufzeichnung bei höchster Speichertiefe auf sämtlichen Kanälen keine spürbare Erwärmung an BNC-Buchsen oder Oberflächen.

Rund 800 Gramm schwerer als RTB2000 bleibt das Gerät auch bei starken Touches auf allen vier Füßen: Allerdings greifen die Gummistopper nicht auf einem lasierten Holzschreibtisch, dort neigt das Gerät bei zu starken Touches zum Wegrutschen. Auch ist kein Mechanismus zum Ausgleich von Unebenheiten vorgesehen. Auf der ebenen Standard-MDF-Platte des Redaktionslabortisches greifen die Gummifüße hingegen tadellos.

Die Front (Bild 4) zeigt von links nach rechts: USB-Eingang für Peripherie, Tastkopfeichung, Signalgenerator, Funktionsgenerator, Demomodus und schließlich das R&S-ProbeInterface: externer Triggereingang sowie die Eingänge Ch1 - Ch4. Die serifenlose Beschriftung der Schnittstellen ist enorm gut lesbar: Im Abstand einer Armlänge sind Funktion und Einschränkungen mit einem Blick sichtbar.

Die Rückwand integriert den USB-Port für externen PC-Anschluss, Ethernetanschluss sowie Schlaufe für Standard- oder Kensingtonschloss.

Die Logiktastschnittstelle befindet sich im Vergleich zu RTB2000 nun an der Seite (Bild 2): Auch werden keine Rastermaßpins mehr eingesetzt, sondern ein HDMI-ähnlicher Stecker, der vermutlich eine sehr viel höhere Zahl an Steckzyklen leistet.

Das physikalische Tastenlayout ist identisch mit RTB2000 und weist eine deutliche Farbsprache der Partitionierung auf: Die rechte Hälfte sammelt aktive Einstellungen auf dunkelgrauem Untergrund [wie Trigger-, Analyse- und Gerätefunktionen], die linke Seite passive Einstellungen [Skalierung, sichtbare Kanäle] auf dunkelblauem Untergrund. Auch hier fällt wieder die übersichtliche Beschriftung, z.B. an den Drehknöpfen, auf. Ein Handbuch benötigen RTM3000-Nutzer im operativen Einsatz definitiv nicht.

Die Tastenhaptik ist sicherlich Geschmackssache: Tasten werden an jeder Ecke unter geringem Druck ausgelöst, unter hinreichend schnellem Drehen bewirkt die Antwort der Skalenräder eine leichte Daumenmassage.