Wir expandieren weiter

Thomas Rudel, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing von Rutronik, im Interview zum Thema Expansionspolitik und Umsatzziele von Rutronik.

Thomas Rudel, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing von Rutronik, im Interview zum Thema Expansionspolitik und Umsatzziele von Rutronik.

Rutronik konnte seinen Umsatz von 2005 auf 2006 um mehr als 25 Prozent auf 553 Mio. Euro steigern, in Deutschland wuchs das Geschäft etwas schwächer. Ernten Sie damit die Früchte Ihrer Expansionspolitik?

Thomas Rudel: Ja, die Nordic-Länder zeichnen hierfür teilweise verantwortlich, aber auch andere Regionen, darunter UK, Benelux und Italien, konnten kräftig zulegen. Hier haben wir 2005 maßgeblich in Personalwachstum investiert, was sich in 2006 wiederum positiv auf den Umsatz ausgewirkt hat. Aber den Umsatzzuwachs alleine an der Expansion festzumachen, wird den Tatsachen nicht gerecht. Denn auch in Deutschland haben wir einen zweistelligen Sprung zu verzeichnen. Das ist zum einen auf ein generelles Wachstum der gesamten Branche zurückzuführen, zum anderen aber haben wir dies durch Vertriebs- und Marketingmaßnahmen forciert.

Wie sieht es in den einzelnen Segmenten aus?

Mit einem Anteil von ungefähr 60 Prozent am Gesamtumsatz schlagen die Halbleiter nach wie vor als größter Bereich zu Buche und dies wird auch auf lange Sicht hin so bleiben. An zweiter Stelle stehen die passiven Bauelemente mit einem Anteil von ca. 25 Prozent, gefolgt von der Elektromechanik mit einem Umsatzanteil von 10 Prozent. Gerade die passiven Komponenten werden bei uns aufgrund der logistischen Ausrichtung sehr hoch gehandelt, obwohl sie in der Distribution eher als Stiefkind gelten. Der Rest entfällt auf Speichermedien und Peripherie.

Betrachten wir Ihre Verteilung im letzten Jahr: Mit einem Aktiv-Anteil von 58 Prozent, einem Passiv-Anteil von 30 Prozent und 12 Prozent Elektromechanik ist der Halbleiteranteil deutlich gestiegen. Warum? Dieses Verhältnis resultiert nicht aus einer strategischen Verschiebung von Seiten der Rutronik. Es spiegelt vielmehr zum einen die Marktsituation im letzten Jahr wider, zum anderen ernten wir die Früchte unserer Marketingstrategie: Im letzten Jahr galt das Augenmerk dem Bereich Power & Lighting. Durch unsere gleichnamige Seminarreihe gelang es uns, neue Märkte und Zielgruppen zu erschließen. Dementsprechend waren unsere großen Umsatztreiber neben klassischen Commodities und hochwertigen Controllern LED-Technologien und deren Stromversorgung, die sich als feste Größe im Umsatz widerspiegeln. Wir konnten also dem Markt entsprechend bei den aktiven Bauelementen ordentlich zulegen. Passiv und Elektromechanik hat dabei absolut betrachtet aber nichts eingebüßt. Über kurz oder lang wollen wir aber den Anteil der Elektromechanik durch gezielte Marketingaktionen weiter nach vorne bringen.

Der Distributionsmarkt hat sich in den ersten Monaten etwas verlangsamt. Rutroniks Umsatzziele für 2007?

Für Gesamt-Rutronik ist der Forecast auf ca. 600 Mio. Euro definiert, was einem zweistelligen Wachstum gegenüber dem Vorjahr entspräche. Bisher lagen wir immer sehr gut mit unserer Umsatzerwartung. Das vorgegebene Ziel wurde bereits 2006 überschritten.

Wie kommt das Geschäft in den Regionen voran, in denen Sie in den letzten drei Jahren gestartet sind?

Italien entwickelt sich überdurchschnittlich gut und wir konnten bereits schwarze Zahlen schreiben, trotz kräftiger Investitionen. Auch UK, Benelux und Skandinavien wachsen über dem Marktdurchschnitt. Nach Deutschland war Italien im letzten Jahr der zweitstärkste Markt – dieses Potenzial konnten wir entsprechend ausschöpfen. Besonders gefragt waren auch hier die Halbleiter, vor allem in Bezug auf Design-in Aktivitäten. Um dem Rechnung zu tragen, haben wir unsere europäische FAE- und Sales-Organisation weiter ausgebaut. Zu Buche schlugen auch die jungen Niederlassungen im Osten des Kontinents, die natürlich von der zunehmenden Produktionsverlagerung nach Osteuropa profitieren.

Ist damit die Europa-Expansion beendet?

Generell sind Neueröffnungen von Außenbüros Konsequenzen aufgrund von gewissen Marktsituationen. So schließen wir beispielsweise mit dem neuen Außenbüros in Estland eine Lücke in Osteuropa, da sich Estland mittlerweile als eigenständiger Markt in Europa etabliert hat. Man kann daher nie von einem Ende der Expansion reden. Es gibt beispielsweise noch Lücken wie Griechenland und den slawischen Staaten. Sollten sich dort eigenständige Märkte bilden, werden wir mit Sicherheit über eine Gründung von Vertriebsniederlassungen nachdenken. In jedem Fall werden wir auch weiterhin unsere Geschäftsmöglichkeiten in den Ländern prüfen, in denen wir bis jetzt noch nicht direkt vertreten sind.

Das Interview führte Carmen Skupin, Markt&Technik