Umfrage von Schwartz Public Relations zeigt verhaltenes Social Media Interesse von Journalisten

Die meisten Journalisten wollen, dass alles bleibt wie es ist! Die Auflagen- und Mitarbeiterzahlen der klassischen Medien sinken und gleichzeitig wächst die Zahl der konkurrierenden Schreiber in Blogs, auf Twitter und Facebook. Der Trend in Richtung Online- und direkter Kommunikation zu Lasten des Regulativs des kritischen Journalisten besteht fort.

Verständlich, dass einige Medien die neue Konkurrenz zunächst bespöttelten und inzwischen sogar fürchten. Investieren doch immer mehr Unternehmen mit Hilfe ihrer PR-Agenturen in die Kommunikation mit Bloggern und in die direkte Kommunikation mit ihren Kunden via Social Media. Die Unternehmen bauen virtuelle Netzwerke, bieten Foren zum Austausch und erlauben ihren Kunden, sie persönlich zu kontaktieren und ihnen auf Facebook, Twitter, Xing und in Blogs zu folgen. Doch wie verändert diese Entwicklung die tägliche Kommunikation der PR-Agenturen mit Journalisten, Medien und Bloggern?

Wir wollten es genauer wissen, vor allem interessierte uns, in wie weit der klassische Journalist auch in den „Genuss“ neuer Social Media-Informationsformen kommen möchte. Lassen sich die Bedürfnisse von Bloggern nach multimedialen Inhalten und auf Journalisten übertragen? Wie sieht die moderne Form der klassischen Pressemitteilung aus?

Um es vorweg zu nehmen: Erstaunlicherweise wollen die meisten Journalisten, dass alles beim Alten bleibt. Das zumindest ist das Ergebnis einer Umfrage von Schwartz Public Relations zum Jahresende 2009 unter genau 800 Journalisten und Bloggern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Abgefragt wurden konkrete Wünsche der Journalisten und auch Blogger in Bezug auf den Einsatz von Social Media-Elementen – insbesondere im Rahmen von „Social Media News Releases“ durch Pressestellen und Agenturen. Obwohl dieses Schlagwort in der Diskussion über Journalismus im Web 2.0 schon seit langer Zeit einen zentralen Platz einnimmt, konnte beinahe die Hälfte (46%) aller Befragten nichts mit dem Begriff „Social Media News Release“ anfangen: Mehr als die Hälfte (51%) der klassischen Medienvertreter und selbst ein Drittel (31%) der Blogger sind mit dem Ausdruck nicht vertraut.

Wie aber möchten Journalisten und Blogger in Zeiten von Social Media informiert werden? Nur ein Drittel (33%) der Befragten wünscht sich Informationen via HTML-E-Mail mit Verlinkungen oder multimedialen Inhalten, was die Einbindung von Web 2.0-Elementen ermöglichen würde. 42% der Befragten bevorzugen stattdessen weiterhin Presseinformationen auf dem klassischen Weg als reine Text-E-Mail mit zusätzlichem Word- oder PDF-Anhang. Überraschenderweise stoßen multimediale Inhalte bei den Befragten auf wenig Gegenliebe. So messen über 80% aller Teilnehmer Audio- oder Videocasts eine geringere Bedeutung bei oder halten sie sogar für unwichtig. Selbst 74% der Blogger möchten keine Video- oder Audiostreams als Teil der Information erhalten.

Dagegen sind neben dem Text weiterführende Links sowie Fotos und Grafi ken – also die klassischen Informationsbausteine – für 77-80% der Befragten bedeutende Elemente einer Pressemitteilung.

Kontaktaufnahme über klassische Kanäle

Wichtigste Kontaktangaben in Presseinformationen sind nach wie vor E-Mail-Adresse, vollständiger Name und Telefonnummer der zuständigen Person, wobei sich die meisten Befragten Kontaktangaben zu Unternehmen und Agenturen gleichermaßen wünschen. Angaben zu Blogs, Twitter- oder Messaging- Accounts sowie Profilen bei Facebook oder Xing sind für 63% der Umfrageteilnehmer dagegen eher unbedeutend.

Suchmaschinenoptimierung, RSS und Bookmarks eher unwichtig

Das Thema Suchmaschinenoptimierung von Pressetexten – für viele Kommunikationsverantwortliche in Unternehmen das Keywort in Bezug auf ihr Google Ranking – spielt für über 60% aller Befragten (Blogger wie Journalisten) eine deutlich untergeordnete Rolle. Dagegen wünschen sich die Hälfte der Blogger und 44% aller Befragten eine stichpunktartige Aufl istung der wichtigsten Punkte einer Pressemitteilung. Die Möglichkeit, sich gezielt Informationen über RSS-Feeds automatisch zu abonnieren, ist nur für 23% der Journalisten und Blogger attraktiv. Auch das Angebot, Bookmarks für die Recherche anzulegen, halten nur 11% aller Befragten und 16% der Blogger für wichtig. Die Befragung zeigt insgesamt, dass klassischer Aufbau und Format von Unternehmensinformationen nach wie vor große Bedeutung haben. Web 2.0 Inhalte gewinnen zwar an Bedeutung – auch unter Journalisten, aber selbst Blogger scheuen zu viele multimediale Inhalte und eine SEO-Vergewaltigung von Texten. Ein sachlich verfasster Text mit Faktenauflistung zu Beginn und ergänzt um Fotos oder Grafiken und den klassischen Kontaktangaben entspricht immer noch dem zentralen Wunsch der meisten Journalisten – und auch Blogger. Alles andere ist, so kommentierte ein Umfrageteilnehmer, „aufgeblähtes PR-Geschwurbsel.“