Perinet schließt die Lücke

So einfach wird der Sensor zum Netzwerkpartner

20. Juni 2022, 15:00 Uhr | Corinna Puhlmann-Hespen
Walther Karsten
Dr. Karsten Walther, Perinet: »Sensoren und auch Aktoren direkt in das Netzwerk einzubinden – ohne die Notwendigkeit einer zusätzlichen Protokollwandlung – ist aus unserer Sicht der nächste Schritt, der in puncto Digitalisierung nun zu vollziehen ist.«
© Perinet

Single Pair Ethernet hat einen entscheidenden Vorteil: Es kann die Lücken zwischen der klassischen IT und der immer wichtiger werdenden Sensorik schließen. Was aber ist erforderlich, um einen Sensor direkt netzwerkfähig zu machen?

Dr. Karsten Walther, Entwicklungsleiter von Perinet, erklärt, wie das funktioniert und wie dieser Ansatz die Kommunikation künftig verändern wird.

Markt&Technik: Ihr Unternehmen, ein Spin-off von Harting, ist noch jung. Sie sind 2018 an den Start gegangen mit der Vision, Sensoren direkt netzwerkfähig zu machen. Mitte 2020 haben Sie dann die ersten Produkte vorgestellt. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Entwicklung ihres Unternehmens?

Dr. Karsten Walther: Die letzten beiden Jahre sind äußerst positiv für Perinet verlaufen. Mittlerweile werden wir oft direkt von unseren Kunden angesprochen – und nicht andersherum. Das zeigt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Unser Ansatz war es von Anfang an, die IT-Welt stärker mit der Feldebene zu verknüpfen – und das aus dem Blickwinkel eines IT-Unternehmens heraus, denn heute sind viele neue Applikationen IT-getrieben. Sensoren und auch Aktoren, die bei der Realisierung von Industrie 4.0 eine zentrale Rolle spielen, direkt in das Netzwerk einzubinden – ohne der Notwendigkeit einer zusätzlichen Protokollwandlung – ist aus unserer Sicht der nächste Schritt, der in puncto Digitalisierung nun zu vollziehen ist.

Die Einbindung der Sensoren ins Netzwerk erfolgt bei dem Perinet-Ansatz über Single Pair Ethernet. Profitieren Sie davon, dass diese Technologie derzeit von vielen Unternehmen aktiv vorangetrieben wird?

Definitiv. Wir sind das erste und auch einzige Unternehmen, dass im industriellen Bereich das Geschäftsmodell verfolgt, Sensoren ans Single-Pair-Ethernet-Netzwerk anzubinden. Dadurch stoßen Firmen, die sich heute mit SPE in der Automatisierung auseinandersetzen, fast zwangsläufig auf uns und unsere Produkte. Diese Reichweite, die wir als Neuling am Markt erzielen, ist für uns ein großer Erfolg, den wir sehr zu schätzen wissen.

Wird sich Single Pair Ethernet in der Automatisierung durchsetzen?

Diese Frage stellt sich gar nicht mehr. Wir diskutieren nicht mehr ob, sondern nur noch wie schnell sich Single Pair Ethernet durchsetzen wird. Die Komponenten sind verfügbar; aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, noch abzuwarten. Single Pair Ethernet ist heute realisierbar! Insbesondere das von uns genutzte hybride Single Pair Ethernet unterstützt die gleichzeitige Leistungsversorgung des Sensors über das Datenkabel, wodurch die Ethernet-Verkabelung konkurrenzfähig zur Busverkabelung wird. Wichtig ist diesbezüglich, dass man die Technologie aber nicht nur als neue, schlanke Art der Verkabelung begreift, sondern als komplett neuen Ansatz, dessen Vorteile erst in der Gesamtbetrachtung der Applikation richtig deutlich werden.

Wie innovativ ist Single Pair Ethernet tatsächlich?

Ich kann das sehr gerne am Beispiel des Sensors verdeutlichen. Mit der entsprechenden Software und über Single Pair Ethernet kann der Sensor zum eigenständigen Kommunikationspartner werden; er erhält eine IP-Schnittstelle und lässt sich wie ein PC adressieren. Das heißt, man benötigen nicht mehr als einen Browser, um darauf zuzugreifen. Dadurch wird sich die komplette Kommunikation innerhalb des Systems verändern. Ein Sensor, der aktuell hunderte Male über das System zu seinem Zustand befragt wird, kann sich in Zukunft einfach selbst melden, wenn ein Grenzwert überschritten wird. Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Sensoren zum Einsatz kommen, kann diese direkte Kommunikation unter anderem die Netzwerklast deutlich senken. Die Datenbandbreite kann dadurch massiv abnehmen, was aus meiner Sicht auch dringend erforderlich ist und vieles vereinfachen wird. Des Weiteren kann sich der Sensor dank Intelligenz selbst ausweisen. Letztendlich lässt er sich einfach in eine Netzwerksteckdose einstecken und benutzen, einfacher geht es nicht.

Heißt das, die Software wird wichtiger als die Hardware?

Sowohl Hardware als auch Software sind notwendig und müssen harmonieren, aber ja, in der Software steckt mehr Aufwand. Das Software-Team bei Perinet ist in etwa dreimal so groß wie das Hardware-Team. Daher sehen wir uns am Markt auch gut positioniert. Andere Unternehmen, die sich uns schrittweise nähern, liegen vor allem hinsichtlich der Software noch weit hinter uns. Wir haben zum Beispiel Features zur Datenvorverarbeitung und -konsolidierung sowie Self-X-Funktionalitäten entwickelt. Dadurch, dass der Sensor zu einer Art Computer im Netzwerk wird, sind nun auch Security Features wie eine vollständig verschlüsselte Datenkommunikation zwingend notwendig. Die Kunst ist, diese Sicherheitsmechanismen einfach benutzbar zu machen; gleichzeitig werden die Applikationen sicherer. Netzwerkkommunikation ist hier unter Sicherheitsaspekten ein klarer Vorteil.

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  2. Die Anwendungen werden sicherer

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