Speichermodule

Was ist so neu an Neumonda?

14. Februar 2022, 14:30 Uhr | Heinz Arnold
Neumonda
Marco Mezger, COO von Neumonda und Geschäftsführer von Memphis Electronic: »Neumonda hat sich zum Ziel gesetzt, über die drei Unternehmen Memphis Electronic, Intelligent Memory und Neumonda Technology eine weltweit einzigartige Speicherkompetenz aufzubauen, die Unternehmen unterschiedlichsten Branchen dabei hilft, genau die Speicherlösungen einsetzen zu können, die ihre jeweiligen Anforderungen künftig erfüllen können und langfristig verfügbar sind.«
© Neumonda

Um vom Wandel der Speicherwelt zu profitieren, haben Prof. Peter Pöchmüller und Marco Mezger Neumonda gegründet. Wie das funktionieren soll, erklärt COO Marco Mezger im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Memphis kann in diesem Jahr den 30. Geburtstag feiern. Über so viele Jahre erfolgreich tätig zu sein ist im schnelllebigen Speichergeschäft keine Selbstverständlichkeit. Doch ausgerechnet jetzt verfolgen Sie eine neue Strategie. Warum soll jetzt alles anders werden?

Marco Mezger: Der Speichermarkt insgesamt ändert sich: Die Speicher-ICs werden immer leistungsfähiger und müssen auf ganz neu entstehende Märkte angepasst werden. Es wird eine sehr viel größere Anzahl unterschiedlicher Typen und Varianten geben, um den vielfältiger werdenden Ansprüchen genügen zu können. Für Speichermodulhersteller wie Intelligent Memory bedeutet dies, dass sie viel tiefer in die Technik einsteigen müssen als bisher, um ihre Produkte auf die jeweilige Aufgabenstellung optimieren zu können. Sie müssen also die Funktionsweise der Speicher-ICs genau kennen, um die Module so modifizieren zu können, dass sie ihre jeweiligen Aufgaben optimal erfüllen. Darin sehen wir eine große Chance, um ganz neue Märkte und Umsatzmöglichkeiten für uns erschließen zu können.

Über einen Management Buyout habe ich deshalb zusammen mit Prof. Peter Pöchmüller, der schon VP R&D von Qimonda war, die Neumonda Holding gegründet. Er übernimmt das Amt des CEO. Ich selber bin COO des neuen Unternehmens. Die Transaktion finanziert das Private-Equity-Unternehmen Walden International. Unter diesem Dach werden künftig drei unabhängige Firmen arbeiten: Memphis bleibt wie gehabt Spezialdistributor im Bereich Speicherlösungen. Allerdings haben wir Intelligent Memory als separate Marke und Anbieter von industriellen NAND-Speichermedien, DRAM-ICs sowie von Modulen als reinen Modulhersteller, der in eigenen Werken fertigt, vollständig von Memphis getrennt und unabhängig gemacht. Ganz neu hinzugekommen ist Neumonda Technology.

Was das »Neu« in Neumonda Technology schon anklingen lässt. Worin besteht der Kern des Neuen?

Der Kern besteht darin, dass wir jetzt einen technischen Spezialisten als unabhängiges Unternehmen unter dem Dach der Holding etabliert haben. Die Leitung als CEO übernimmt Prof. Dr. Peter Pöchmüller, der ehemalige VP R&D von Qimonda. Er hält zahlreiche Patente auf dem Sektor der Speicher-ICs sowie der Testmethoden für Speicher-ICs und war auch nach der Insolvenz von Qimonda auf diesem Gebiet aktiv. Zudem werden weitere Spezialisten wie Karl-Heinz Küsters (»Vater« der Burried Word Line Technology und ehemals VP Technology), Daniel Mysliwitz (Applications Testing and Software), Hermann Ruckerbauer (Product Engineering and Signal Integrity) und weitere Kollegen, die schon bei Qimonda gearbeitet haben, bei Neumonda Technology mitmachen. Damit wird auch der zweite Teil des Firmennamens verständlich: Im neuen Unternehmen steckt die DNA von Qimonda.

Die wesentlichen Spezifikationen der Speichermodule hängen von den Speicher-ICs ab, auf denen sie aufbauen. Was kann der Modulhersteller seinen Produkten noch an zusätzlichem Wert mitgeben?

Grundsätzlich gibt es zwei Typen von Speichermodulen: die DRAM- und die NAND-basierten Module. Bei NAND-Modulen ist die Firmware ein wesentlicher Faktor. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ein NAND-Modul, das in einem Navigationsgerät eingesetzt wird, muss praktisch nie beschrieben werden, es wird nur gelesen. In einem Datenlogger aber wird ständig geschrieben. Beide müssen deshalb mit unterschiedlicher Firmware ausgestattet werden, damit sie nicht schon nach kurzer Zeit im Feld ausfallen.

Im Falle der DRAM-Module kommt es darauf an, sehr gut zu testen, damit eine gute Ausbeute erzielt werden kann. Burn-In-Tests sind sehr wichtig, wenn die Module beispielsweise in Basisstationen eingesetzt werden sollen. Denn dort sollen sie möglichst nicht ausfallen. Es sind spezielle Tests nötig, um die Fehler, die im frühen Einsatzstadium auftauchen, von vorneherein aussieben zu können.

Es ist also sehr wichtig, die Tests der NAND- und DRAM-Module auf ihre jeweiligen Einsatzfälle hin auszulegen – und das effizient und kostengünstig. In Zukunft mindestens ebenso wichtig wird es, schon das Design der Module und ihre Fertigung auf ihre jeweiligen Applikationen hin zuzuschneiden. Für beides muss tiefes Wissen auf der IC-Ebene vorhanden sein, wie es Prof. Pöchmüller mitbringt. Wir freuen uns auch, dass wir den Flash-Experten David Raquet gewinnen konnten, der seine Erfahrungen unter anderem bei Samsung, Swissbit und ATP gesammelt hat.

Den IC-Test gibt es doch – was ist jetzt das Neue, das Neumonda Technology dazu bringt?

Es geht darum, auf Applikationsebene zu testen, das gab es bisher nicht in der Massenfertigung. Unser Schwerpunkt liegt auf der Skalierbarkeit! Dazu entwickeln wir neue Testverfahren und neue Fehleranalysen. Das ist schon deshalb wichtig, weil die neuen Fertigungsprozesse mit immer kleineren Strukturgrößen dazu führen, dass die Toleranzen notwendigerweise enger werden. Zweitens erhöht sich wie schon gesagt die Zahl der unterschiedlichen Anwendungsfälle mit jeweils eigenen Anforderungen, auf die getestet werden muss. Die neuen Testverfahren basieren auf den Patenten, die Prof. Pöchmüller in Neumonda einbringt und die es sonst am Markt nicht gibt.

Dazu entwickeln wir sowohl die Hardware als auch die Testplattformen und eigenen umfangreichen IP. Wir werden die Speicheranwendungen für die Kunden also auf Applikationsebene testen, validieren und verbessern. Unseren dazu entwickelten IP und die Plattformen wollen wir sowohl intern nutzen als auch dem offenen Markt zur Verfügung stellen, beispielsweise über Kooperationen und Lizenzmodelle – dabei sind wir flexibel und passen die Modelle auf den Einzelfall an.

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