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Kommentar zu Elektromobilität

Restwertprognosen

Irina Hübner Ist Redakteurin bei der Elektronik automotive.
Irina Hübner ist Redakteurin bei der Elektronik automotive.
© Elektronik automotive

Nach Reichweitenangst und Ladesäulenmangel folgt die nächste Herausforderung: das Restwertproblem. Bis Anfang 2020 entwickelten sich die Restwerte von E-Autos weitgehend parallel zu denen von Benzinern. Doch nun fallen die Preise für gebrauchte Elektro- und Hybridfahrzeuge. Das hat zwei Gründe.


Zum einen ist da der technologische Fortschritt. Durch die teils erheblichen Reichweitensteigerungen neuer Modellgenerationen werden gebrauchte E-Autos unattraktiv und müssen günstiger werden, um überhaupt noch eine Chance auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu haben.

Zum anderen fördert die Bundesregierung die Elektromobilität massiv. Seit Juli 2020 gibt es im Rahmen der sogenannten Innovationsprämie für die Anschaffung eines Elektroneuwagens Zuschüsse in Höhe von bis zu 9000 Euro. Das Resultat: Elektroautos werden zunehmend beliebter bei den Deutschen. Das zeigen auch die Zulassungszahlen. Bei den Neuzulassungen von Elektroautos und Plug-in-Hybriden war in Deutschland im vergangenen Jahr ein Plus von 264 Prozent auf knapp 395.000 Fahrzeuge zu verzeichnen, wie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg ZSW meldete. Damit wurde Deutschland 2020 nach China zum zweitgrößten Markt für Pkw mit alternativen Antrieben.

Der rasant steigende Absatz von E-Neuwagen bringt jedoch unbeabsichtigterweise mit sich, dass die Preise für gebrauchte Elektrofahrzeuge und Hybride nach unten gehen. Denn logischerweise müssen Gebrauchtwagen deutlich erschwinglicher sein als Neuwagen.

Bähr und Fess Forecasts ermittelt gemeinsam mit Focus Online regelmäßig Restwertprognosen für aktuelle Fahrzeugmodelle. Die Unternehmensberatung sieht aufgrund des schnellen technischen Fortschritts, der hohen Prämien und nicht zuletzt des bisher sehr kleinen Marktes für Elektrogebrauchtwagen große Unsicherheiten bei der Vorhersage des Wiederverkaufswerts. Das macht die Kalkulation für Automobilhersteller, deren Banken sowie für Händler, Leasing-Firmen und nicht zuletzt Privatkunden schwierig.

Doch nicht alle Marktanalysen zeichnen ein negatives Bild vom Markt für gebrauchte Elektroautos. So kam die ING-Bank 2019 zu dem Schluss, dass eine noch stärkere Nachfrage nach Elektroautos durchaus zu einer stabilen Restwertentwicklung führen könnte – vorausgesetzt die Gebrauchtwagen bleiben im Alltag leistungsfähig. Der Akku dürfte der entscheidende Faktor hierfür sein.


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