Schwerpunkte

KI in der Bildverarbeitung

Erfolgreich mit »Augen für Industrie 4.0«

13. Januar 2020, 09:28 Uhr   |  Dr. Chris Yates

Erfolgreich mit »Augen für Industrie 4.0«
© EMVA

Dr. Chris Yates, EMVA: »Größere Automatisierungsunternehmen integrieren zunehmend Bildverarbeitung in ihr Angebotsportfolio.«

Ungebremste technische Innovationsfreude bei unsicherer wirtschaftlicher Lage: Die Bildverarbeitungsbranche startet einerseits solide, andererseits mit verhaltener Stimmung ins Jahr 2020. Weitere Konsolidierungen, vor allem auf dem Kameramarkt, sind zu erwarten.

Die europäischen Bildverarbeiter blicken auf ein wirtschaftlich uneinheitliches Jahr 2019 zurück. In den ersten beiden Quartalen konnte die Branche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jeweils weiter wachsen und verzeichnete ein Umsatzplus. Im dritten Quartal rutschten die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dagegen ins Minus.

Was die zukünftige Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten angeht, überwogen bei der Befragung im dritten Quartal zurückhaltende Aussagen. Vor dem Hintergrund der derzeitigen geopolitischen Unsicherheiten dürfte diese abwartende Grundstimmung zunächst auch im neuen Jahr 2020 anhalten. Gleichzeitig wird sich die Konsolidierung des Bildverarbeitungsmarktes auch im kommenden Jahr fortsetzen. Besonders im derzeit noch hochfragmentierten und gleichwohl hochumkämpften Kameramarkt sind weitere Fusionen und Übernahmen zu erwarten. Aber auch bei den Systemhäusern zeigt sich eine starke Tendenz zur weiteren Integration. Außerdem ist zu beobachten, dass größere Automatisierungsunternehmen zunehmend Bildverarbeitung in ihr Angebotsportfolio aufnehmen.

Gerade in einem etwas schwierigen wirtschaftlichen Fahrwasser behauptet sich die Bildverarbeitungsszene aber durch ihren hohen Innovationsgrad. Industrieseitig nimmt die Bedeutung der IIoT-Standards zu. Als das „Auge von Industrie 4.0“ wird die Bildverarbeitung zunehmend zum integralen und unentbehrlichen Bestandteil in der Steuerung von Maschinen, Handling-Geräten und technischen Anlagen. Die einfache Integration von Bildverarbeitungssystemen in Automatisierungsarchitekturen auf SPS-Basis fördert die Akzeptanz und Nutzung in der gesamten Branche und erhöht gleichzeitig das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer verbesserten Cyber-Sicherheit von Bildverarbeitungssystemen.

Ein technologischer Trend ist die Nutzung von KI-Verfahren in der Bildverarbeitung, die auch 2020 weiter an Akzeptanz gewinnen wird. In einigen Applikationen, wie beispielsweise der Oberflächeninspektion und Fehlerklassifikation, bieten diese Verfahren deutliche Vorteile gegenüber den klassischen Ansätzen. Ein weiterer großer Nutzen der KI liegt in der Möglichkeit zu Auto-Teach-Verfahren, die den Einsatz der Bildverarbeitung aus Kundensicht deutlich vereinfachen.

An Vielfalt zunehmen und in der Anwendung mehr und mehr selbstverständlich werden auch 3D-Technologien in der Bildverarbeitung. Außerdem wird sich auch der industriell nutzbare Spektralbereich für die Bildverarbeitung weiter vergrößern. Infrarot-Bildsensoren und Hyperspektral-Kameras werden preislich attraktiver, und in diesem Zusammenhang wird auch die industrielle Anwendung der CT-Technologie zunehmend relevanter.

Dr. Chris Yates ist President der European Machine Vision Association (EMVA).

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