Schwerpunkte

Breite Aufstellung in Photonik-Branche

Deutsche Photonik-Firmen setzen auf Diversifikation

13. Januar 2020, 10:03 Uhr   |  Nicole Wörner

Deutsche Photonik-Firmen setzen auf Diversifikation
© Spectaris

Jörg Mayer, Spectaris: »Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung des internationalen Geschäfts blickt die Branche besorgt auf die zunehmenden Handelskonflikte.«

Nach einer Phase des deutlichen Wachstums rechnen die deutschen Photonik-Unternehmen mit einem etwas verhaltenerem Jahr 2020. Jörg Mayer, Geschäftsführer des Branchenverbandes Spectaris, zeigt auf, wo die Chancen und Herausforderungen für 2020 liegen.

Nach einer Umsatzsteigerung von knapp sieben Prozent im Jahr 2018 haben die rund 1000 deutschen Photonik-Unternehmen nach vorläufigen Angaben auch 2019 ein deutliches Plus im mittleren einstelligen Bereich und damit einen Umsatz von etwa 38,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Auch die Zahl der Beschäftigten legte im Jahresvergleich erneut zu und stieg auf rund 142.000 Mitarbeiter.

Für 2020 wird aufgrund der allgemeinen Eintrübung des konjunkturellen Umfelds insgesamt mit einer etwas schwächeren Wachstumsdynamik gerechnet. Die Firmen setzen dabei weiterhin auf Diversifikation, um Marktrisiken zu minimieren und das Potenzial neuer oder wachstumsstarker Anwendungsfelder zu erschließen.

Die Photonik umfasst die Erzeugung, Übertragung, Speicherung und Verarbeitung von Licht. Photonik findet man in allen wichtigen Bereichen der modernen Gesellschaft und Wirtschaft – vom Smartphone, Auto oder Flugzeug über die Internet-Datenübertragung bis hin zu Laserdiagnostik und -therapie in der Medizin, der industriellen Produktion mit Lasersystemen und der energieeffizienten Beleuchtung mit LEDs.

Die deutschen Photonik-Hersteller sind zurzeit besonders erfolgreich in der Produktionsausrüstung für die Herstellung von LEDs, Displays und Halbleitern. TV, Tablets oder Smartphones wären ohne die Photonik nicht möglich. Und für die Branche gibt es große Zukunftsmärkte. Zu nennen sind hier die Themen Industrie 4.0 sowie Smart Factories, wo sehr viel optische Sensorik, Bilderfassung und -verarbeitung benötigt wird. Auch die Automobilbranche wird mit Blick auf das autonome oder teilautonome Fahren eine große Rolle spielen. Die optische Messtechnik zur Datengewinnung spielt dabei eine Schlüsselrolle und eröffnet neue Horizonte.

Und ein weiterer Bereich profitiert von der Hochtechnologie: Die Photonik leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und dem Erreichen der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens durch einen verringerten Stromverbrauch, CO2-Ausstoß oder Düngemitteleinsatz, durch die Einsparung von Material oder aufgrund neuer Recyclingprozesse und Technologien für den Umweltschutz. Es wird erwartet, dass sich der Beitrag der Photonik zur CO2-Einsparung bis zum Jahr 2030 auf einen Wert von rund drei Milliarden Tonnen fast verdreifacht.

Motor für die gute Entwicklung der Branche ist das Auslandsgeschäft. Dort werden über 70 Prozent des Umsatzes erzielt. Rund 45 Prozent der Exporte gehen dabei in die Länder der Europäischen Union, ein Viertel nach Asien und etwa 15 Prozent nach Nordamerika. Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung des internationalen Geschäfts blickt die Branche daher besorgt auf die zunehmenden Handelskonflikte. Auch wird die weitere Entwicklung der Automobilnachfrage mit Spannung verfolgt, nachdem 2019 die Nachfrageschwäche auch in der Photonik spürbar war. Das Wachstum im Halbleiterbereich, der stark von der Nachfrage nach Smartphones und Tablets beeinflusst wird, verlangsamte sich ebenfalls. Der Photonik-Absatz im Bereich Medizintechnik und Life Sciences zeigte sich dagegen konjunkturunabhängiger, was zu einer weiter steigenden Attraktivität dieses Anwendungsgebiets für die Hersteller führt.«

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