Konkurrenz für EnOcean ZF Friedrichshafen steigt in batterielose Funktechnik ein

Anton Hartmann, Leiter Markt für die Produktlinie Industrial Solutions bei ZF Friedrichshafen:
Anton Hartmann, Leiter Markt für die Produktlinie Industrial Solutions bei ZF Friedrichshafen:

Zehn Jahre lang war EnOcean weltweit der einzige Hersteller batterieloser Funkschalter. Das ist nun vorbei: ZF Friedrichshafen geht unter der Marke »Cherry« mit einem batterielosen Funkschalter in Serie, der aus einem Tastendruck genug Energie (0,4 mJ) für bis zu fünf Funktelegramme erzeugt.

Das ist etwa doppelt so viel, wie der Schalter des bereits im Markt etablierten Konkurrenten EnOcean zustande bringt, was ZF neue Märkte eröffnet. Die benötigte Funkenergie wird ausschließlich über die mechanische Betätigung des Schalters erzeugt; die Datenübertragung erfolgt dann kabellos über Funk. Damit wird eine Batterie genauso überflüssig wie Steck- oder Kabelverbindungen.

Die Technologie ist zwar nicht neu - der Siemens-Spin-off  EnOcean ging bereits vor zehn Jahren mit einer eigenen batterielosen Funktechnik an den Start, doch Cherry nutzt den inzwischen eingetretenen Fortschritt in der Halbleitertechnik, um auch mit niedrigen Leistungen zuverlässig Signale zu übertragen.

Durch die Übertragungssicherheit gelingt erstmals auch der Vorstoß in das weltweit verfügbare ISM-Band mit Betriebsfrequenzen um 2,4 GHz. Die hohe Störwahrscheinlichkeit in diesem auch von WLAN, Bluetooth & Co. genutzte Band stand dieser attraktiven Option bisher entgegen. Ein flexibles ‚Pairing‘ erlaubt den Betrieb mehrerer Empfänger mit einem Schalter - und umgekehrt. Eine ‚Unique ID‘ schließt aus, dass es zu einer unerwünschten Beeinträchtigung beim Betrieb mehrerer Funkschalter kommt. Für Europäer bietet sich vor allem das gut durchregulierte und praktisch störungsfreie Band um 868 MHz an, das auch der Siemens-Spin-Off EnOcean nutzt.

Als Automobilzulieferer denkt ZF auch an mögliche, zunächst noch einfache Anwendungen im Auto: Abfragen von Anhängerkupplung, Isofix, Dachgepäckträger, Türgriff (Scheibenabsenkung) oder Lehnenverriegelung sind denkbar und tragen zur Gewichtsersparnis im Auto bei.

Cherry geht selbstbewusst an den Start: »Die Unternehmen ZF und EnOcean sind nicht vergleichbar. Die möglichen Märkte und Anwendungen sind so vielfältig, dass es genügend Platz und Absatzpotential für mehrere Anbieter gibt«, erklärt Anton Hartmann, Leiter Markt für die Produktlinie Industrial Solutions bei ZF Friedrichshafen. Der Automobilzulieferer hatte die amerikanische Cherry Corporation 2008 von Firmeninhaber Peter Cherry übernommen, sie ist heute eine eingetragene Marke der ZF Friedrichshafen AG. (Corinne Schindlbeck und Willem Ongena)