8 Cent pro kWh sind machbar Wüstenstrom bald auch für Südostasien?

Eine neue australische Studie hält einen künftigen Stromverbund zwischen großen australischen Wüsten-Solarkraftwerken, neuen Pumpspeicherkraftwerken und einem HGÜ-Supergrid für ganz Südostasien zu einem Preis von 8 Cent pro kWh für möglich.
Eine neue australische Studie hält einen künftigen Stromverbund zwischen großen australischen Wüsten-Solarkraftwerken, neuen Pumpspeicherkraftwerken und einem HGÜ-Supergrid für ganz Südostasien zu einem Preis von 8 Cent pro kWh für möglich.

Werden Australiens große Wüsten bis Mitte des Jahrhunderts die Länder Südostasiens mit Sonnenstrom versorgen? Eine neue australische Studie hält einen künftigen Stromverbund zwischen australischen Wüsten-Solarkraftwerken, neuen Pumpspeicherkraftwerken und einem HGÜ-Supergrid für ganz Südostasien für möglich.

Das Vorhaben ähnelt nicht von ungefähr dem europäisch-nordafrikanischen Desertec-Projekt. Desertec Australia hat bereits 2010 mit der "Roadmap to a Solar/Geothermal Australian Economy By 2050" einen Plan vorgelegt, wie Down Under seine enormen Potenziale in Solarenergie und Geothermie ausschöpfen könnte und damit nicht nur die eigene Energieversorgung, sondern auch die von ganz Südostasien sicherstellen könnte.

Bislang schöpft Australien seine Energie zu einem Großteil aus Kohlekraftwerken und Erdgas, das es auch exportiert.  Desertec-Australia will das ändern: Die Ressourcen für Energie aus Solarenergie und Geothermiekraftwerken schätzt das Konsortium im Outback als so groß ein, dass sich HGÜ-Stromleitungen nach Asien rechnen könnten.

Diese Vision wurde nun von einer Machbarkeitsstudie unter der Leitung von Prof. Dr. Andrew Blakers von der Australian National University untermauert. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass mit Hilfe von großen australischen Wüsten-Solarkraftwerken, neuen Pumpspeicherkraftwerken und einem HGÜ-Supergrid ganz Südostasien, vor allem Indonesien, aber auch Länder wie Thailand, Malaysia, Vietnam zu 8 Cent pro kWh versorgt werden könnten. In den Stromkosten sind die Kosten für den Bau der Solaranlagen, der Speicher und des Supergrids bereits enthalten. Das Stromnetzwerk könnte von der Wüste Gobi in China bis nach Australien reichen und damit auch einen Ausgleich der jahreszeitlich schwankenden Solarstrahlung zwischen der Nord- und Südhälfte des Globus schaffen.

Unter Einschluss weiterer Erneuerbarer Energien wie  Windkraft  und Pumpspeichern könne eine rund um die Uhr Versorgung mit Strom garantiert werden, so die Forscher.  Mit Fokus auf Windkraft im Norden und Solarenergie im Süden.

Profitieren würden damit eine der bevölkerungsreichsten und ärmsten Regionen der Erde, in mehrfacher Hinsicht: In Indonesien zum Beispiel könnte Solarstrom aus Australien nach Meinung von Befürwortern einen Beitrag zum Schutze der letzten großen Regenwälder auf Indonesien bieten. Wegen Bevölkerungszuwachs und Energiehunger breiten sich hier immer weiter Kohlebergbau und Plantagen aus. Und auch schwimmende Atomkraftwerke aus russischer Hand, mit denen aktuell geliebäugelt wird, wären dann unnötig in der von Tsunamis bedrohten Region.

An der Studie mitgewirkt hat kein geringerer als der »Nestor« der deutschen Solarforschung, der deutsche Physiker Prof. Em. Dr. Joachim Luther, ehemaliger Leiter des Fraunhofer Instituts ISE in Freiburg und heute Scientific Information Manager Solar Energy am Research Institute of Singapore (SERIS) an der National University of Singapore, das er 2008 gründete.

Die Studie finden Sie auf der Website von Hans-Josef Fell, Bündnis 90/ Die Grünen