Mittelständische Arbeitgeber »Vom Praktikanten zum COO«

Sabrina Enderlein, Human Resources Manager bei RRC Power Solutions
Sabrina Enderlein, Human Resources Manager bei RRC Power Solutions

Als Stromversorgungsspezialist im Saarland auf Mitarbeitersuche. Wie klappt das? Fünf Fragen an Sabrina Enderlein, Human Resources Manager bei RRC Power Solutions.

Markt&Technik: Frau Enderlein, interessiert es Sie, welche HR-Trends gerade diskutiert werden, etwa die »Candidate Experience«?

Natürlich, zum Beispiel beobachten wir den Trend zur mobilen Bewerbung sehr aufmerksam und schaffen mit »Responsive Design« die notwendigen Voraussetzungen, auch weil wir immer mehr Bewerbungen über LinkedIn bekommen. Der »One-Klick-Bewerbung« stehe ich aber eher skeptisch gegenüber. Jedem Trend folgen wir also nicht, vieles ist eher für Konzerne gestrickt, etwa »Recrutainment«. Video- und Bildsprache hingegen kommt mehr und mehr und ist auch für uns wichtig. Und was die Candidate Experience betrifft: Ein transparenter Bewerbungsprozess auf Augenhöhe und schnelle Rückmeldung ist für uns selbstverständlich. Daneben werfen wir eine persönliche Arbeitsatmosphäre mit flachen Hierarchien, aber fachlich höchst anspruchsvollem und professionellem Umfeld in die Waagschale. Individuelle Ideen fördern wir auf kurzem Wege, und honorieren solch Engagement auch entsprechend. Beispiel? Unser heutiger COO hat einst als Praktikant bei uns angefangen.  

Wie schätzen Sie denn Ihr Rekrutierungsumfeld aktuell ein, den Arbeitsmarkt im Bereich Stromversorgung?

Sabrina Enderlein: Die Stellenbesetzung ist teilweise schwer. Wir suchen für den Bereich Leistungselektronik und Hard- und Softwareentwicklung mit spezieller Expertise im Bereich funktionale Sicherheit und Risikomanagement. Dieses Profil ist für uns essenziell, denn unsere Kunden kommen aus den Bereichen Medizintechnik, Energiespeicher oder Fahrzeugtechnik, wo die Produktsicherheit im Vordergrund steht.

Gibt es diese Skills frisch von der Uni?

Teilweise schon, es gibt einige entsprechende Studiengänge an verschiedenen Hochschulen bundesweit, etwa an der RWTH Aachen. Aber nicht alle guten Leute können wir überzeugen, zu uns ins schöne Saarland zu ziehen. Obwohl wir echt französisches Flair und »Savoir Vivre« bieten können, in 20 Minuten sind Sie über die Grenze.   Unsere regionalen Ausbildungskooperationen gestalten sich da einfacher, etwa das kooperative, sehr praxisnahe Studium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, HTW. Hier bieten wir erfolgreich eine Art Stipendium, für das sich Studenten bewerben können.

Was tun Sie, wenn Sie Stellen nicht besetzen können?

Wir müssen flexibel sein. Zum einen setzen wir auf Weiterbildung, strukturieren teilweise auch um, um unsere technischen Experten von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Es gibt jährliche Entwicklungsgespräche. Die müssen sein, denn unser Geschäft entwickelt sich ständig weiter. Auch Aufstiegsmöglichkeiten für unsere Nachwuchskräfte sind uns sehr wichtig.

Wir rekrutieren auch im Ausland: manche unserer Meetings laufen inzwischen sogar auf Englisch, als gemeinsame Geschäftssprache unserer koreanischen, spanischen oder indischen Mitarbeiter. Eine relativ neue Entwicklung! Genauso wichtig wie die technische Expertise ist uns die Persönlichkeit. Ein Mitarbeiter muss zu uns passen. Und wenn es menschlich passt, füllen wir einzelne fachliche Lücken gerne durch entsprechende Weiterbildung auf. Unsere Ausbildungsplätze haben wir in den letzten Jahren verdoppelt, erfahrungsgemäß wird die Hälfte übernommen. Schließlich brauchen wir neben den Ingenieuren beispielsweise auch die Mitarbeiter im Testlabor.

2010 haben Sie das Arbeitgebersiegel »Top Job« erhalten. Hat Ihnen die Teilnahme etwas gebracht?

Ja, auf jeden Fall. Die Untersuchung ging ja schon in die Tiefe. Wir haben etliche Dinge verändert und neue Prozesse angestoßen. Ich blättere immer mal wieder in den Empfehlungen, die die Uni St. Gallen uns damals gegeben hat. Auch unsere Mitarbeiter haben die Teilnahme sehr positiv aufgenommen. Für unser Image ist das Siegel auch hilfreich, wir werden im Bewerbungsgespräch immer wieder darauf angesprochen.

Das Gespräch führte Corinne Schindlbeck