Fünf Fragen an ... Standardisierung von Digital-Power

Nachdem mit der DOSA und der POLA schon zwei Standardisierungskonsortien gescheitert sind, haben nun CUI, Murata und Ericsson Power Modules die »Architects of Modern Power« aus der Taufe gehoben. Wir fragten, welche Ziele dieser Zusammenschluss hat und was bereits erreicht wurde.

Seit über einem Jahrzehnt ist Digital-Power ein Thema, das immer wieder diskutiert wird. Mittlerweile hat es den Bereich Data- und Telekom verlassen und breitet sich auch auf andere Industriezweige aus. Auf der electronica 2014 wurde die »Architects of Modern Power«, kurz AMP, als Industriekonsortium gegründet. Wir haben bei den Verantwortlichen nachgefragt.

Warum wurde die AMP ins Leben gerufen?

Dazu erklärt Mark Adams, Senior Vice President von CUI: »Die Herausforderungen der Zukunft im Hinblick auf leiterplattenmonierte Digital-Power-Wandler lassen sich nur durch Kooperation lösen. Dies schließt auch Multiple-Sourcing ein, also die Möglichkeit, Produkte von verschiedenen Anbietern beziehen zu können. Mit der zunehmenden Akzeptanz wächst der Bedarf speziell für digitale Point-of-Load-Module. Dies ist auch weitgehend auf die Tatsache zurückzuführen, dass die meisten Entwicklungsingenieure heute auf digitale Designs spezialisiert und keine Power-Experten sind. AMP möchte Plug&Play-Lösungen bieten, die einfach umzusetzen sind und das Kundendesign und dessen Anforderungen an die Lieferkette unterstützen.«

Einen weiteren Grund sieht Patrick Le Fèvre, Marketing & Communication Director bei Ericsson Power Modules, in dem schnell wachsenden Bereich der leiterplattenmontierten Digital-Power-Wandler: »Laut den Marktforschern von IHS soll dieses Segment in den nächsten vier Jahren um den Faktor 3,5 bis 5 wachsen und wird getrieben von Marktsegmenten, die nie diese Technologie verwendet haben, wo es aber bald erforderlich sein wird. Unser Ziel ist es daher, ein echtes Ökosystem für die Distributed-Power-Architecture zu schaffen.«

Einige Ursachen, warum Digital-Power so rasant gewachsen ist, zählt Stephen Pimpis, President Global Strategic Product Marketing bei Murata Power auf: »Im vergangenen Jahrzehnt ist beispielsweise die Versorgungsspannung für hochdichte Logik- und Prozessorbausteine von durchschnittlich 3 V auf einen Schwellenwert von 0,6 V in manchen Fällen gesunken. Ebenso steigt die Leistungsdichte in Servern stetig. Demzufolge steht der Strombedarf nun an der 100-A-Schwelle am Point-of-Load, kurz PoL, bei gleichzeitig immer engeren Spannungstoleranzen. Diese Technologie, die bei Data- und Telekom begann, ist mittlerweile auch in anderen Branchen und Anwendungen mit modernen Prozessoren und FPGAs alltäglich geworden. Das gilt zum Beispiel in der Medizintechnik, der Industrieelektronik sowie in der Messtechnik. Damit müssen sich immer mehr Anwender mit der Distributed-Power-Architecture befassen.«